22. August 2026 – Kai von Häfen
Milchbauer Dirk Westrup in Bissendorf und seine Tiere bekommen die Folgen des trockenen Sommers deutlich zu spüren. Antenne Niedersachsen Reporterin Sarah Buletta hat vor Ort nachgeschaut, was die lange Trockenperiode konkret bedeutet und wie die Landwirtschaft auf solche Bedingungen reagiert.
Braune Flächen statt frischem Aufwuchs
Auf der Wiese ist schnell klar, worum es geht. Zwischen den grünen Halmen liegen viele braune Stellen, an mehreren Stellen wächst gar kein Gras mehr nach. Für Dirk Westrup ist die Lage deshalb eindeutig: „Es ist ein absolut schwieriges Jahr.“
Zwar habe der Betrieb noch einen ordentlichen ersten und zweiten Grasshcnitt für das Kuhfutter einfahren können. Danach aber sei kaum noch etwas nachgewachsen. Die Grasnarbe sei deutlich geschädigt, sagt Westrupp. Viel Hoffnung auf eine spürbare Entlastung in diesem Jahr macht er sich nicht. Vielleicht sei im Herbst noch ein weiterer Schnitt möglich - große Erträge erwartet er daraus aber nicht mehr.
Kuhfutter wird zum Kostenfaktor
Für einen Milchviehbetrieb trifft das die Grundlage der Fütterung. Gras- und Maissilage sind zentrale Bestandteile, damit die Tiere auch über Herbst und Winter versorgt werden können. Genau hier setzt die Trockenheit an: Es fehlt nicht nur Menge, sondern voraussichtlich auch Qualität.
Westrup rechnet damit, dass der Mais auf schwächeren Standorten deutlich schlechter ausfällt. Teilweise habe sich kaum ein Kolben ausgebildet. Damit werde das Futter weniger gehaltvoll. Die Folge: Der Betrieb muss zusätzlich zukaufen - Kosten, die so nicht eingeplant waren. Eigentlich, sagt Westrupp, habe man mit durchschnittlichen Erträgen gerechnet und entsprechend genug Futterfläche vorgehalten.
Von Existenzangst für den eigenen Betrieb will er noch nicht sprechen. In seiner Region gebe es noch die Möglichkeit, Futter zuzukaufen, außerdem gebe es auf besseren Standorten durchaus noch ordentlichen Mais. Westrup verweist aber auch auf andere Regionen in Deutschland, etwa in Brandenburg oder Teilen Süddeutschlands, wo die Lage teils noch deutlich angespannter sei.
Frühere Maisernte und womöglich weniger Tiere
Wie ernst die Situation ist, zeigt sich auch beim Mais. Westrup will nach eigenen Angaben etwa vier Wochen früher als üblich mit dem Häckseln beginnen. Der Grund: Auf schwächeren Flächen sei der Mais durch die Hitze so stark geschädigt, dass mit weiterem Zuwachs kaum noch zu rechnen sei. Ein kleiner Vorteil für den Betrieb: Schlechterer Mais lässt sich noch in der hofeigenen Biogasanlage verwerten; besser auch als in der Fütterung der Milchkühe. Ganz auffangen lässt sich das Problem damit aber nicht.
Der Landwirt sieht deshalb nur wenige kurzfristige Stellschrauben. Eine ist der Futterzukauf. Eine zweite kann sein, den Bestand etwas zu reduzieren, um Futter zu sparen. Beides sind Anpassungen an die geringeren Erträge.
Auch bei der Milchleistung rechnet Westrup mit Folgen. Wenn weniger und zugleich schwächeres Futter zur Verfügung steht, werde es schwierig, das bisherige Niveau im kommenden Jahr zu halten.
Gezielte Hilfe statt allgemeine Subventionen
Bei möglichen politischen Antworten setzt Westrup nicht zuerst auf pauschal höhere Subventionen. Sinnvoll seien aus seiner Sicht gezielte Hilfen, wenn Betriebe in existenzbedrohende Lagen geraten - etwa über besonders günstige Liquiditätsdarlehen.
Außerdem bringt er die sogenannte Mehrgefahrenversicherung ins Spiel. Sie kann Schäden durch Hagel, Überschwemmung oder Dürre abdecken und soll aus seiner Sicht vor allem in extremen Jahren helfen, nicht bei jedem durchschnittlich trockenen Sommer. In Deutschland sei dieses Instrument, gerade mit Blick auf Dürre, noch vergleichsweise wenig verbreitet.
Anpassung an den Klimawandel läuft
Für Westrup ist klar, dass sich die Landwirtschaft weiter verändern muss. Im Stall setzt der Betrieb bereits auf Ventilatoren, um Hitzestress für die Kühe abzumildern - etwas, das vor 20 Jahren in dieser Form noch nicht üblich gewesen sei. Auf dem Acker gehe es um angepasste Fruchtfolgen und langfristig auch um trockenheitsverträglichere Sorten.
Ganz einfach sei ein Umbau aber nicht. Gerade in der Milchviehhaltung lasse sich Gras und Mais nicht ohne Weiteres ersetzen, weil beide besonders wichtige Futtermittel seien. Deshalb brauche es aus seiner Sicht sowohl betriebliche Anpassungen als auch politische Antworten auf Extremjahre wie dieses.
Dass während des Termins in Bissendorf schließlich doch noch Regen fällt, ändert daran wenig. Westrup freut sich zwar über den Schauer. Für viele geschädigte Flächen kommt er nach seiner Einschätzung aber zu spät
Milchbauer Dirk schaut nach seinen Tieren, die leicht unter Hitzestress geraten: Die Wohlfühltemperatur für Milchkühe liegt zwischen 4 °C und 16 °C..