28. Mai 2026 – Antenne Niedersachsen

Friseurhandwerk in Sorge

Warum viele Friseure in Niedersachsen um ihre Existenz fürchten

Corona-Soforthilfen sollten Betriebe durch die Krise bringen – nun stehen viele Friseure in Niedersachsen vor Rückforderungen. Das Friseurhandwerk im Land warnt vor Insolvenzen und einem massiven Vertrauensverlust in die Politik.

Eine Friseurin schneidet einer Kundin die Haare in einem Friseursalon
Viele Betriebe seien von der Politik enttäuscht und fühlten sich alleingelassen, heißt es vom Landesinnungsverband des Friseurhandwerks. (Symbolbild)

Vertrauen erschüttert

Für viele Friseurbetriebe in Niedersachsen kommt die Rückforderung von Corona-Soforthilfen Jahre später wie ein Schock. Aus Sicht des Friseurhandwerks geht es dabei längst nicht nur um Geld, sondern auch um eine grundsätzliche Frage: Wie verlässlich sind politische Zusagen in Krisenzeiten?

Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks und Unternehmerin aus Göttingen, findet dafür im Antenne Niedersachsen Interview deutliche Worte. Das Vertrauen in die Politik sei in ihrer Branche „doch sehr erschüttert“.

Streit um Rückzahlungen

Der Hintergrund: Viele Betriebe hatten 2020 Soforthilfen beantragt, um die Ausfälle während Lockdowns und strenger Corona-Auflagen abzufedern. Nach Angaben des Landesinnungsverbandes war damals im Zusammenhang mit den Hilfen von Leistungen die Rede, die nicht zurückgezahlt werden müssten. Auch die Handwerkskammer Hannover verweist darauf, dass die NBank die Hilfen als „Billigkeitsleistung“ beschrieben habe.

Jetzt erleben viele Salons das Gegenteil: Sie sollen Geld zurückzahlen, teils sogar mit Zinsen. Die NBank verweist laut Handwerkskammer darauf, dass bei einer Überkompensation eine Rückzahlung immer vorgesehen gewesen sei.

„Ein Wirtschaftsjahr ist nun mal ein Jahr“

Genau hier setzt die Kritik des Friseurhandwerks an. Härtelt-Dören sagt, als Berechnungsgrundlage seien offenbar vor allem die Monate nach dem Lockdown herangezogen worden – also die Phase, in der viele Kunden dringend einen Termin wollten und die Umsätze kurzfristig stark anzogen.

„Man kann uns nicht bestrafen dafür, dass wir, als wir wieder öffnen durften, dann wieder arbeiten konnten“, sagt sie. Entscheidend sei aus ihrer Sicht das Gesamtjahr. „Ein Wirtschaftsjahr ist nun mal ein Jahr – und nicht drei Monate.“

Denn der Nachholeffekt habe nur kurz angehalten. Danach seien viele Betriebe wegen der Corona-Regeln über längere Zeit nur eingeschränkt ausgelastet gewesen. Wer nur auf diese wenigen umsatzstarken Wochen schaue, bekomme ein falsches Bild der wirtschaftlichen Lage.

Große Sorge vor Betriebsschließungen

Besonders brisant ist eine Zahl aus einer Umfrage des Landesverbandes: Rund 83 Prozent der Betriebe gaben demnach an, bei vollständiger Rückzahlung existenzgefährdet zu sein. Härtelt-Dören spricht von einem „Hammer“ und sagt, viele Salons seien „gar nicht in der Lage, das zurückzuzahlen“.

Damit wird der Konflikt für viele Innenstädte und Ortskerne in Niedersachsen konkret. Friseursalons gehören zum Alltag vor Ort, oft sind es kleine Handwerksbetriebe mit wenigen Beschäftigten. Wenn sie wegfallen, trifft das nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer, sondern auch Mitarbeitende und Kundschaft.

Hoffnung auf Lösung

Gegen die Rückforderungen hat der Landesinnungsverband des niedersächsischen Friseurhandwerks eine Petition beim Niedersächsischen Landtag eingereicht. Bis zum Fristende am 13. April 2026 kamen 3.758 Unterschriften zusammen. Für eine automatische öffentliche Anhörung wären 5.000 nötig gewesen.

Ganz vom Tisch ist das Thema damit aber nicht. Die Petition wird weiter im Petitionsausschuss geprüft. Das Verfahren kann sich über Monate oder sogar länger hinziehen. Am Ende kann der Ausschuss das Anliegen unterstützen, an Regierung oder Behörden weitergeben oder ohne weitere Folgen abschließen. Für die Friseure bleibt damit vor allem eine Hoffnung: dass Politik und Land doch noch eine Lösung finden, die Rückzahlungen fairer regelt – und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnt.

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