02. September 2026 – dpa

Landwirtschaft in Niedersachsen

Warum nur wenig Frauen Bauernhof-Chefin werden

Frauen sind in der Landwirtschaft immer noch unterrepräsentiert - als Leiterinnen von Betrieben und auch beim Besitz von Land. Der Hauptgrund: Das Erbe geht meist an einen Sohn.

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Die Hofnachfolge ist meist männlich, Frauen besitzen wenig Land.

Thünen-Institut Braunschweig nennt Gründe

Frauen sind in der Landwirtschaft nach wie vor deutlich seltener in Führungspositionen oder als Eigentümerinnen von Höfen und Flächen vertreten. Nach Einschätzung des Thünen-Instituts in Braunschweig liegen die Gründe vor allem in traditionellen Erbfolgen und in der ungleichen Verteilung familiärer Verantwortung.

„Wegen der Erbfolge und der Tradition ist der älteste Sohn immer noch Haupterbe“, sagte Zazie von Davier vom Thünen-Institut. Deshalb werde sich die Situation nicht kurzfristig verändern. Gesellschaftliche Veränderungen bräuchten Zeit. Selbst wenn Familien sich heute bewusst dafür entschieden, einer Tochter den Hof zu vererben, wirke sich das oft erst in Jahrzehnten aus.

Hinzu komme die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Betriebsführung. Viele Frauen seien weiterhin stärker in die Kinderbetreuung eingebunden. „Es bedarf einer Umstellung in der Familie zur Vereinbarkeit von Berufen in Führungspositionen“, betont von Davier.

Eigentümerinnen unterrepräsentiert

Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stellen Frauen weltweit rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Gleichzeitig befinden sich aber weniger als 15 Prozent des Landbesitzes in weiblicher Hand. Der eingeschränkte Zugang zu Land, Kapital, Bildung und weiteren Ressourcen bremse damit auch das Potenzial der Landwirtschaft.

Auch in Deutschland zeigt sich laut Untersuchungen Nachholbedarf: Nur 24 Prozent der Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten, besitzen demnach einen Teil oder das gesamte Eigentum an Flächen und Gebäuden. Nur rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Frauen geleitet.

Regional gibt es Unterschiede. Frauen führten häufiger kleinere Betriebe, sagte von Davier. Außerdem hätten einige Frauen im Osten die Nachfolge früherer LPG-Großbetriebe übernommen.

Niedersachsen will Frauen in der Landwirtschaft stärker unterstützen

Niedersachsen will die strukturellen Bedingungen für Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Blick nehmen. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) sagt: „Frauen müssen gleichberechtigt Zugang zu Land, Kapital, Förderung und Wissen haben und an Entscheidungen beteiligt sein. Das ist eine Voraussetzung für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.“

Nach Angaben des Landes geht es dabei vor allem um bessere Bedingungen beim Zugang zu Land und Kapital, bei der Vereinbarkeit von Familie und Betriebsführung sowie bei der sozialen Absicherung selbstständiger Unternehmerinnen. Auch bei der Weiterentwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik sollen die besonderen Bedarfe von Frauen stärker berücksichtigt werden.


Kurzfakten auf einen Blick

  • Frauen stellen weltweit rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft.
  • Weniger als 15 Prozent des Landbesitzes sind weltweit in weiblicher Hand.
  • In Deutschland besitzen nur 24 Prozent der in der Landwirtschaft arbeitenden Frauen Flächen oder Gebäude mit.
  • Nur rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geleitet.
  • Niedersachsen will den Zugang zu Land, Kapital, Förderung und Wissen für Frauen verbessern.

Quelle: dpa

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