17. Juli 2026 – Sascha Funke
Die Zahl der Badetoten in Niedersachsen steigt. Antenne Niedersachsen Reporter Kai von Häfen hat die DLRG am Kleinen Bornhorster See bei Oldenburg begleitet und geschaut, worauf die ehrenamtlichen Helfer jetzt besonders achten.
Ruhig ist nicht automatisch ungefährlich
Was für Badegäste nach Auszeit aussieht, ist für die Ehrenamtlichen vor allem Beobachtung. Wer geht zu weit raus? Wer wirkt schon nach wenigen Zügen unsicher? Welche Badeinsel entfernt sich langsam vom Ufer? Ole Schiller vom DLRG-Ortsverband Oldenburg sagt, genau darauf würden die Einsatzkräfte vorbereitet: Wasserflächen so im Blick zu behalten, dass kritische Situationen möglichst früh auffallen.
Am Kleinen Bornhorster See habe es in diesem Jahr bislang noch keine lebensbedrohlichen Situationen gegeben, berichtet er Antenne Niedersachsen Reporter Kai von Häfen. Entwarnung ist das für die Retter trotzdem nicht. Gerade an warmen Ferientagen ist viel Bewegung auf dem Wasser, vieles wirkt harmlos, und genau darin liegt oft das Problem: Eine Lage kippt nicht immer spektakulär, sondern erst einmal fast unbemerkt.
Was die Helfer immer wieder erleben
Die Entwicklung in Niedersachsen zeigt, warum die DLRG so deutlich warnt. Laut DLRG sind im Juni landesweit acht Menschen ertrunken, im Vorjahresmonat waren es fünf. Bundesweit kamen 99 Menschen ums Leben - so viele wie seit mehr als 20 Jahren in keinem Juni mehr. DLRG-Präsidentin Ute Vogt sprach von einem „tragischen Start in die Badesaison“ und warnte davor, dass weitere Hitzewellen im Hochsommer erneut viele Menschen das Leben kosten könnten.
Was hinter solchen Unfällen steckt, klingt für Schiller nicht überraschend. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre und aus dem Austausch mit anderen Stationen sei bekannt, dass sich vor allem Männer oft überschätzen. Dazu komme, dass manche alkoholisiert ins Wasser gingen. Auch die DLRG verweist auf dieses Muster: Mehr als 90 Prozent der Todesopfer im Juni waren männlich.
Der See hat sich verändert
Dazu kommt, dass sich Badeseen in den vergangenen Jahren verändert haben. Früher kamen vor allem Schwimmer ins Wasser. Heute sind deutlich mehr SUP-Boards, Luftmatratzen und große Badeinseln unterwegs. Der See wird breiter genutzt, die Distanzen werden größer, und damit wächst auch das, was die Ehrenamtlichen gleichzeitig im Blick behalten müssen.
Wie schnell daraus mehr werden kann, zeigt sich schon an einem Tag mit leichtem Wind. Eine Badeinsel treibt erst langsam, dann immer weiter ab. Wer darauf liegt und den Sommertag genießt, merkt oft erst spät, wie weit das Ufer schon entfernt ist. Für die DLRG sind genau das die Momente, in denen Aufmerksamkeit entscheidet - lange bevor überhaupt jemand laut um Hilfe ruft.
Spaß und Erholung am Bornhorster See