15. April 2026 – Sascha Funke
Rathaus-Umzug in Eschede
Plüschente, Bierflasche und ein Hecht: Was beim Umzug in Eschede alles auftaucht
Ein Rathaus zieht um – und plötzlich kommen Dinge ans Licht, mit denen niemand gerechnet hat. Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Flüß erlebt in Eschede einen Umzug voller Geschichten.
Der Rathausumzug Eschede ist eine überraschend fröhliche Veranstaltung.
[v.l.n.r.: Reporter Daniel Flüß (Antenne Niedersachsen) Gerrit Dehrmann (Öffentlichkeitsarbeit Gemeinde Eschede), Heinrich Lange (Bürgermeister Eschede), Tabe Jandel (Antenne Niedersachsen)]
Ein Amt im Ausnahmezustand
In Eschede, zwischen Celle und Uelzen, passiert gerade etwas Ungewöhnliches: Das Rathaus, zuständig für knapp 6.000 Einwohner, zieht um. Komplett. Schreibtische Bürostühle, Regale und über 25 Arbeitsplätze mit Monitoren, Telefonen & Co. wechseln unter Zeitdruck ihr Zuhause.
Logischerweise stapeln sich während des Besuchs von Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Flüß die Kartons. Türen stehen offen, irgendwo klappert Werkzeug. Es wirkt ein bisschen wie auf einer Baustelle – nur dass hier zwischendurch durchaus auch weitergearbeitet werden muss. Irgendwie.
Arbeiten zwischen Umzugskartons
Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Flüß steht mitten in diesem Durcheinander, als ihn Standesbeamtin Birgit begrüßt. „Willkommen in meinem papierfreien Büro“, sagt sie und zeigt auf das, was einmal ihr Arbeitsplatz war. Der Schreibtisch ist kaum noch zu erkennen zwischen all den Kisten.
Einfach ist das Arbeiten gerade nicht. Aber aufhören ist keine Option. „Wenn ein verliebtes Paar vorbeikommt und heiraten möchte, kriegen wir das natürlich hin“, sagt sie. Ein Satz, der ganz gut beschreibt, wie hier gerade gearbeitet wird: irgendwie improvisiert, aber mit einem klaren Ziel.
Warum das Rathaus überhaupt umzieht
Der Umzug selbst kommt nicht überraschend. Das alte Gebäude hat seine besten Zeiten hinter sich. Brandschutz, Notausgänge – vieles entspricht nicht mehr den aktuellen Vorgaben. Bürgermeister Heinrich Lange bringt es nüchtern auf den Punkt: „Das ist alles in die Jahre gekommen.“
Dass direkt gegenüber eine alte Grundschule leer steht, die seit 2016 nicht mehr genutzt wird, passt da fast schon zu gut. Jetzt wird das lange ungenutzte Gebäude zum neuen Rathaus.
Wenn Aufräumen plötzlich spannend wird
Während draußen alles nach Organisation klingt, passiert drinnen etwas ganz anderes. Wer Kisten packt, räumt nicht nur ein – sondern auch auf. Und genau dabei wird es interessant.
Gerrit Dehrmann aus der Öffentlichkeitsarbeit hat den Besuch möglich gemacht – und ihre Kolleginnen und Kollegen netterweise gebeten, beim Packen aufmerksam zu bleiben. Falls ihnen etwas in die Hände fällt, das eine Geschichte erzählt.
Vom Hecht bis zur Bierflasche
Im Foyer taucht zum Beispiel ein ausgestopfter Hecht auf. Auf einem kleinen Messingschild steht: „Gefangen 1985“. Früher hing er hier und zeigte den Weg zu den Ämtern. Heute sorgt er eher für die Frage, wie genau ein Fisch zur Orientierung beitragen soll.
Noch ein paar Schritte weiter kommt ein Mitarbeiter mit einem anderen Fund. In der Hand hält er eine dunkelgrüne Bierflasche mit rostigem Bügelverschluss. „Uelzener Brauerei – unverkäuflich“ steht darauf. Seine Einschätzung: „Die muss von 1902 oder 1903 sein.“ Pfand drauf? Wohl eher nicht.
Und das ist erst der Anfang.
Kleine Fundstücke, große Geschichten
Reporter Daniel Flüß und Gerrit Dehrmann mit einigen der Fundstücke aus dem Rathaus Eschede – darunter eine gelbe Plüschente und Schwimmflossen
Zwischen all den Dingen sticht eine besonders heraus: eine gelbe Plüschente. Unscheinbar auf den ersten Blick, aber im Rathaus längst eine kleine Berühmtheit. Seit mindestens 25 Jahren gehört sie dazu. Drückt man ihren Bauch, quakt sie. Immer noch. Obwohl sich niemand erinnern kann, dass irgendjemand hier mal die Batterien gewechselt hat. Was die Ente uns mitteilen will, bleibt ein Rätsel. „Ich komme leider nicht aus Entenhausen“, kommentiert Bürgermeister Heinrich Lange.
Weniger rätselhaft, aber dafür umso ernüchternder ist eine andere Entdeckung. Eine Kollegin freut sich über eine eingeschweißte Schreibtischunterlage. Also unbenutzt. Ein kleiner Büroschatz – bis der Blick aufs Datum fällt: 1989. Ist im Müll wohl doch besser aufgehoben als im Umzugskarton.
Dann ist da noch ein Brief. Etwa 15 Jahre alt. Ein alter GEZ-Brief. Die gute alte Gebühreneinzugszentrale (heißt seit 2013 „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“) hatte eine Mitarbeiterin an ihre Rundfunkgebührenpflicht erinnert. Ein relativ üblicher Vorgang – wäre die Aufforderung nicht an die Dienstadresse im Rathaus gerichtet.
Wie die Geschichte ausgegangen ist, weiß man ebenso wenig wie den Grund, warum im Rathaus Eschede auch Schwimmflossen aufgetaucht sind.
Mehr als nur ein Umzug
Während also immer mehr Kartons gefüllt werden, wird gleichzeitig aussortiert. Nicht alles kommt mit ins neue Gebäude. Rund 500 Kisten stehen am Ende bereit. Aber immerhin: Der Umzug scheint eine hervorragende Team-Building-Maßnahme zu sein.
Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Flüß blickt im Rathaus Eschede jedenfalls in viele glückliche Gesichter. Das kennt er aus anderen Rathäusern anders. Offenbar kann Umziehen auch Spaß machen. Das hat er anders in Erinnerung.
Der Umzug wirkt weniger wie Pflichtprogramm, sondern eher wie ein gemeinsames Projekt.
Was jetzt für Bürger wichtig ist
Ganz ohne Einschränkungen geht es nicht. Die Gemeinde bittet darum, dass Bürgerinnen und Bürger sich darauf einstellen: Vom 17. bis 22. April 2026 ist die Verwaltung nur in dringenden Fällen erreichbar.
Ab dem 23. April geht es dann weiter. Neue Adresse, neue Räume – und ein „Tag der offenen Tür“, bei dem sich alle selbst ein Bild machen können. Bis dahin wird weiter gepackt, geschleppt, entdeckt … und aussortiert.
Und die Ente?
Antenne Niedersachsen Reporter Daniel Flüß sitzt mit Eschedes Bürgermeister Heinrich Lange auf dem Sofa. Beide freuen sich über die quakende, gelbe Plüschente, für die sich bestimmt auch im neuen Rathaus ein Platz finden wird.