02. Oktober 2026 – Kai von Häfen

Bahnstrecke Leer-Groningen ist zurück

Jubel im Zug über die Ems: So startet die Wunderline neu

Nach fast elf Jahren fährt die Bahn zwischen Leer und Groningen wieder. Antenne Niedersachsen-Reporter Kai von Häfen begleitete die Sonderfahrt zum Neustart der Wunderline über die neue Friesenbrücke, und ihm wurde sofort klar: Für viele Menschen in der Grenzregion kehrt mehr zurück als nur eine Bahnverbindung.

Die Arriva-Bahn fährt über die Friesenbrücke in Weener
Mit einer Sonderfahrt wurde die grenzüberschreitende Bahnlinie «Wunderline» eröffnet.

Ein Moment, auf den die Region lange gewartet hat

Als der Zug über die Ems rollt, ist die Erleichterung im Wagen nicht zu überhören. Jubel, Hurra-Rufe, spürbare Freude: Die erste Sonderfahrt über die neue Friesenbrücke ist für viele mehr als ein symbolischer Termin. Auch Antenne Niedersachsen-Reporter Kai von Häfen ist mit im Zug, als die Wunderline nach fast elf Jahren Unterbrechung wieder Fahrt aufnimmt.

Mit der Rückkehr der Strecke zwischen Leer und Groningen endet für viele Menschen in der Region eine lange Zeit der Umwege. Was jahrelang fehlte, ist plötzlich wieder da: eine direkte Verbindung zwischen Ostfriesland und der niederländischen Grenzregion. Ab Montag (5. Oktober 2026), soll die Strecke wieder regulär bedient werden.

Warum die Verbindung so lange weg war

Die Unterbrechung begann 2015. Damals rammte ein Frachter die alte Friesenbrücke bei Weener und zerstörte sie. Damit war die Emsquerung für den Bahnverkehr gekappt - und mit ihr auch die direkte grenzüberschreitende Verbindung zwischen Leer und Groningen.

Inzwischen ist die Brücke neu gebaut worden. Das 335 Meter lange Bauwerk ist nach Angaben der Bahn die größte Hub-Dreh-Brücke für den Eisenbahnverkehr in Europa. Parallel dazu wurde auch die Strecke modernisiert. Auf deutscher Seite wurden seit 2023 laut Bahn unter anderem rund 18 Kilometer Gleise, fünf Weichen sowie zahlreiche Durchlässe, Brücken und Unterführungen erneuert.

Mehr als eine Strecke im Fahrplan

Dass der Neustart so emotional begleitet wird, hat auch mit seiner Bedeutung im Alltag zu tun. Die Verbindung ist wichtig für Pendlerinnen und Pendler, für Studierende, für Familien und für Reisende, die regelmäßig über die Grenze unterwegs sind. Mit der Wiedereröffnung kehrt für viele ein Stück Normalität zurück: einsteigen, losfahren und ohne großen Umweg beim Nachbarn ankommen.

Hinzu kommt, dass mit dem Neustart nicht nur die Verbindung über die Ems zurück ist. In Bunde und Ihrhove sind auch neue barrierefreie Bahnhaltepunkte entstanden. Die Strecke ist Teil der sogenannten Wunderline, die Reisen zwischen Groningen und Bremen künftig schneller und komfortabler machen soll.

Niedersachsens Verkehrsminister Grant Henrik Tonne steht im Sonderzug und blickt aus dem Fenster auf die Friesenbrücke.
Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) fuhr auch mit dem Sonderzug über die neue Friesenbrücke.

Auch aus Sicht der Wirtschaft ist die Wiederinbetriebnahme ein wichtiges Signal. Die IHK für Ostfriesland und Papenburg spricht von einem Meilenstein für die Grenzregion. Die Strecke sei nicht nur regional bedeutsam, sondern auch ein Bindeglied im größeren europäischen Bahnverkehr.

Der Neustart kommt mit offenen Baustellen

Ganz ohne Kritik beginnt die neue Wunderline allerdings nicht. Ursprünglich war die Wiederaufnahme der Verbindung schon für Ende 2024 geplant. Starkregen und schwierige Bodenverhältnisse verzögerten die Arbeiten. Gleichzeitig stiegen die Kosten deutlich. Für die Modernisierung der Strecke waren zunächst 180 Millionen Euro veranschlagt, inzwischen spricht die Bahn von rund 250 Millionen Euro. Für die Friesenbrücke selbst kommen nach Bahn-Angaben noch einmal mehr als 200 Millionen Euro hinzu.

Kritik gibt es außerdem an der langen Dauer des Projekts. Die IHK mahnt, Infrastrukturvorhaben dieser Art dürften nicht mehr als zehn Jahre brauchen. Auch der Blick auf den weiteren Ausbau bleibt kritisch: Aus Sicht der Wirtschaft muss nun die Strecke zwischen Leer und Oldenburg ertüchtigt werden, damit die Wunderline als Verbindung zwischen Groningen und Bremen ihr volles Potenzial entfalten kann.

Für Reisende läuft noch nicht alles rund

Auch für Fahrgäste startet die Verbindung noch nicht ohne Einschränkungen. Laut Fahrplan ist werktags bei vielen Verbindungen zwischen Groningen und Leer zunächst noch ein Umstieg in Winschoten nötig. Hintergrund ist nach Angaben der Provinz Groningen eine Geschwindigkeitsbegrenzung bei Hardegarijp in den Niederlanden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt zwar, dass zwischen Groningen und Leer wieder Züge fahren. Gleichzeitig kritisiert der Verband, dass der zweite Ausbauschritt der Wunderline bislang kaum vorangekommen ist. Ohne weitere Verbesserungen drohen aus seiner Sicht Engpässe und Verspätungen im täglichen Betrieb.

Ob der Neustart im täglichen Betrieb sofort reibungslos funktioniert, muss sich jetzt zeigen. Dass dieser Moment für viele Menschen in Ostfriesland und in der niederländischen Grenzregion längst überfällig war, war aber schon am Donnerstag im Zug klar zu spüren.

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