30. September 2026 – Kai von Häfen

Vogelgrippe-Saison in Niedersachsen

Geflügelhalterin aus Lohne fürchtet den nächsten Ausbruch

Mit den Zugvögeln wächst in Niedersachsen wieder die Sorge vor der Vogelgrippe. Antenne Niedersachsen Reporter Kai von Häfen war auf einem Gänsehof in Lohne, wo Halterin Iris Tapphorn beschreibt, wie sehr die Angst vor einem Ausbruch den Betrieb und die Familie belastet.

Antenne Niedersachsen Reporterin Kai von Häfen steht mit der Geflügelhalterin Iris Tapphorn bei strahlendem Sonnenschein auf einer grünen Wiese
Antenne Niedersachsen Reporterin Kai von Häfen trifft die Geflügelhalterin Iris Tapphorn auf ihrem Gänsehof in Lohne (Quelle: Antenne Niedersachsen)

Wie "russisch Roulette mit Beten"

Auf dem Gänsehof von Iris Tapphorn in Lohne ist es zurzeit noch ruhig - wobei ruhig bei 6.500 Gänsen nur bedingt das richtige Wort ist. Noch ist die Lage entspannt. Doch mit den Zugvögeln wächst bei vielen Geflügelhaltern in Niedersachsen wieder die Sorge vor der Vogelgrippe. Antenne Niedersachsen Reporter Kai von Häfen war vor Ort und hat erlebt, wie präsent diese Angst auf dem Hof ist.

Tapphorn trifft mit ihrem Betrieb viele Vorkehrungen. Trotzdem bleibt eine Unsicherheit, die sich nicht ganz abschütteln lässt. Denn absolute Sicherheit gibt es nicht.

„Es ist russisch Roulette mit Beten“, sagt Iris Tapphorn. Besonders belastend seien die Tage, an denen Meldungen über neue Fälle näher rücken. „Dann ist das durchaus jeden Morgen auch schwierig, in den Stall zu gehen, um die Tür aufzumachen. Weil man Angst hat, es hat mich getroffen.“

Die Angst ist ständig da

Wie tief ein Ausbruch einschneidet, weiß Tapphorn aus eigener Erfahrung. Ihr Hof war vor einigen Jahren bereits von der Vogelgrippe betroffen. Für sie ist das Virus deshalb weit mehr als ein betriebswirtschaftliches Risiko.

„Das ist wirklich bitter. Das ist nicht nur finanziell bitter, sondern das ist auch einfach menschlich sehr bitter“, sagt sie. „Ich arbeite mit den Tieren jeden Tag. Wir leben miteinander, voneinander und zusammen.“

Wie sehr ihr die permanente Anspannung leidet, erfährt Antenne Niedersachsen Reporter Kai von Häfen im weiteren Gespräch: „An einigen Tagen sitze ich hier auch und mir laufen Tränen runter und ich denke, ich halte das nicht mehr aus.“

Warum Niedersachsen besonders betroffen ist

Warum die Sorge grade bei uns in Niedersachsen groß ist, zeigen die Zahlen der vergangenen Vogelgrippesaison von Mitte Oktober 2025 bis Ende März 2026. In diesem Zeitraum wurden nach den bereitgestellten Informationen mehr als 1,6 Millionen Tiere getötet. Demnach war es die bislang größte Geflügelpest-Epidemie in Niedersachsen.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums gibt es dafür mehrere Gründe. Niedersachsen ist das Bundesland mit den meisten Geflügelhaltungen. Gleichzeitig liegen hier viele Rastplätze von Zugvögeln.

Vor allem an Rast- und Futterplätzen steigt das Risiko einer Übertragung. In Regionen mit besonders hoher Geflügeldichte hat sich damit auch die Viruslast erhöht. Für viele Betriebe beginnt mit Herbst und Winter deshalb jedes Jahr wieder eine sensible Phase.

Aufgeben ist keine Option

Trotz der Belastung denkt Iris Tapphorn nicht einfach ans Aufhören. Sie macht aber auch deutlich, dass solche Krisen nicht beliebig oft zu verkraften sind - weder für sie noch für ihre Familie.

„Niemand möchte die Generation sein, die es in den Sand setzt. Aber auch ich habe nur ein Leben“, sagt sie. Noch vor einigen Jahren hätte sie sich ein zweites Mal so einen Neuanfang kaum vorstellen können. Inzwischen klingt bei ihr wieder vorsichtige Entschlossenheit an. „Ich glaube, ich würde das jetzt nochmal machen.“

Ihre Hoffnung richtet sich auch auf Fortschritte bei einer Impfung . Für viele Geflügelhalter in Niedersachsen bleibt die Vogelgrippe aber schon jetzt mehr als ein abstraktes Risiko. Mit jedem Herbst beginnt für sie jeder Jahr erneut eine Zeit der Unsicherheit.

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