08. September 2020 – Lea Biskup

280 Kilo Lebensmittel werden pro Woche gerettet

Foodsharing in Hildesheim

Lebensmittel teilen und dadurch retten - das ist der Gedanke von Foodsharing. Auf dem Gelände der Lutherkirche in Hildesheim funktioniert dieses Prinzip bereits seit zwei Jahren. Dank eines Kühlschranks, einer Diakonin und einer Initiative zur Lebensmittelrettung. Antenne Niedersachsen-Reporter Daniel Flüß war vor Ort.

(Fotos: Antenne Niedersachsen)
(Fotos: Antenne Niedersachsen)

Ich gehe auf das Gelände der Lutherkirche, folge dem Weg an der Mauer, dann durch den ersten Torbogen und schon sehe ich den Unterstand in dem der Kühlschrank steht. Die Schilder am angrenzenden Kirchengebäude mit der Aufschrift "Foodsharing Kühlschrank" sind nicht mehr nötig.

Zwei Jahre sind seit mein letzten Besuch hier vergangen. Damals war der Foodsharing Kühlschrank erstmals in Betrieb gegangen. Und auch jetzt ist er wieder gut gefüllt: Paprika, Sellerie oder ein Tomate-Basilikum-Aufschnitt sind durch die Scheibe zu sehen. Rechts neben dem Kühlschrank steht eine leere Plastikbox auf der mit Edding "Brot/Brötchen" geschrieben steht.

"Manchmal hätten wir sogar einen zweiten Kühlschrank gebraucht", erzählt mir Diakonin Kathrin Bode. Gemeinsam mit Natascha Feyer von Foodsaving hat sie den Kühlschrank 2018 initiiert. Wer in Hildesheim Lebensmittel übrig hat, bringt sie hierher. Wer etwas braucht nimmt sich einfach etwas heraus. "Es geht hier nicht um Bedürftigkeit, sondern darum Lebensmittel zu retten", erläutert mir Natascha das Konzept. Und das fand auch während der Coronazeit viel Zuspruch.

Rund 280 Kilo Lebensmittel werden pro Woche gerettet

"Eigentlich", verriet Diakonin Kathrin Bode, "dachten wir erst daran, den Kühlschrank während des Lockdowns zu schließen. Aber es gab viele Leute, die zu dieser Zeit besonders auf die Hygiene geachtet haben." So blieb der Kühlschrank auch während des Lockdowns von März bis Mai ein stetiger Anlaufpunkt für die Menschen. Zwischenzeitlich schien es sogar so, dass gerade in dieser Zeit die Menschen mehr eingekauft haben, um etwas in den Kühlschrank zu tun – um Bedürftigen zu helfen, die der Lockdown finanziell hart getroffen hat.

Während wir uns unterhalten wird von einer Dame ein Sechser Pack Eier in den Kühlschrank gestellt. "Ich habe von einer Freundin davon erfahren und bringe immer mal wieder etwas her oder hole mir etwas ab. Die Eier sind vor drei Wochen abgelaufen, aber bis heute noch haltbar. Vielleicht freut sich jemand drüber", sagt sie. Gerade für die Foodsharing-Gruppe Hildesheim ist dieser Kühlschrank an der Lutherkirche ein wichtiger Anlaufpunkt, denn der zweite Kühlschrank in der Stadt ist seit März nicht mehr zugänglich. Er steht im Universitätsgebäude, das wegen Corona immer noch geschlossen ist.

Aktuell sind nur die ersten vier Gitter mit Lebensmitteln belegt. Typisch für einen Montagmittag, erfahre ich. Richtig voll wird es wieder am Wochenende. Dann holt die Foodsharing-Gruppe Lebensmittel von Supermärkten oder Bäckereien ab. "So retten wir hier in Hildesheim ca. 280 Kilogramm Lebensmittel pro Woche", erzählt mir Foodsaverin Natascha.

Ihr habt Lust, noch mehr Lebensmittel zu retten?

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