29. Juli 2026 – Alena Triebold

Schädling mit giftigen Brennhaaren

Eichenprozessionsspinner in Niedersachsen: Kosten für Entfernung explodieren – Kommunen setzen auf neue Ideen

Die Entfernung des Eichenprozessionsspinners kostet viele Kommunen in Niedersachsen 2026 deutlich mehr als in den Vorjahren. Teilweise haben sich die Ausgaben massiv erhöht, mancherorts sogar verzwanzigfacht. Gleichzeitig setzen Städte und Kreise auf neue Wege bei der Bekämpfung.

trkg7a6mvl-v9-ax-s2048.jpeg
Der Eichenprozessionsspinner ist eine in Deutschland heimische Schmetterlingsart - sie kommt bevorzugt in warmen, trockenen Regionen vor. (Symbolfoto)

Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner wird für Kommunen und Landkreise in Niedersachsen zunehmend zu einer finanziellen Belastung. In mehreren Regionen haben sich die Kosten innerhalb weniger Jahre vervielfacht. Besonders betroffen sind der Norden, die Heideregion und die Mitte des Landes. Im Süden sieht es dagegen besser aus.

Peine mit stärkstem Befall bisher

Der Landkreis Peine verzeichnet in diesem Jahr den bisher stärksten Befall. Allein für die beauftragte Fachfirma, die die Nester absaugt, sind in diesem Jahr bislang rund 35.500 Euro angefallen. Zum Vergleich: 2025 lagen die Kosten bei 23.500 Euro, 2024 bei 16.500 Euro. Sollten die Populationen im nächsten Jahr weiter zunehmen, prüft der Landkreis für 2028 den Einsatz sogenannter Nematoden. Die Fadenwürmer beseitigen die Raupen des Schädlings, sind allerdings auch für nützliche Schmetterlinge gefährlich. Unter anderem in Braunschweig wurden die Nematoden in diesem Jahr bereits eingesetzt. In Peine hat man bereits 200 Nistkästen, unter anderem für Meisen, aufgehängt. Sie gelten als Fressfeinde des Eichenprozessionsspinners.

Kosten in Nienburg nahezu verzwanzigfacht

Besonders drastisch fällt die Entwicklung in der Stadt Nienburg aus: Während dort im vergangenen Jahr Kosten von rund 2.500 Euro entstanden sind, rechnet die Stadt in diesem Jahr mit Gesamtausgaben von etwa 45.000 Euro. "Wir sind allein im Juni rein an Personalkosten schon bei 15.000 Euro", sagte Lutz Scheelen vom Bauhof in Nienburg im Antenne Niedersachsen-Interview. Dazu kommen schätzungsweise noch weitere 30.000 Euro für Fachfirmen. Statt zwölf Bäumen sind Scheelen zufolge inzwischen rund 200 Bäume betroffen.

Landkreis Lüneburg: Ausgaben mehr als verdreifacht

Auch im Landkreis Lüneburg steigen Kosten und Befall deutlich an. Nach Angaben der Kreisverwaltung wurden 2026 rund 47.000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ausgegeben. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 15.000 Euro, 2024 rund 14.000 Euro. In Lüneburg werden im Kampf gegen die Raupe Nematoden und Spritzmittel eingesetzt.

iuwywyb6pc-v3-ax-s2048.jpeg
Die Nester müssen von Spezialisten entfernt werden.

Eichenprozessionsspinner: Was man beachten sollte

Eichenprozessionsspinner können Reizungen und heftige Allergien auslösen. So könnt ihr euch davor schützen kann.

Seevetal und Eschede ebenfalls betroffen

In der Gemeinde Seevetal rechnen die Verantwortlichen für das laufende Jahr mit Kosten von rund 4.000 Euro. 2025 lagen die Ausgaben noch bei etwa 1.600 Euro. "Das ist natürlich schon Klimawandel, das befördert die Entwicklung", sagte Seevetals Bürgermeisterin Emily Weede im Antenne Niedersachsen-Interview.

In der Gemeinde Eschede im Landkreis Celle haben sich die Kosten ebenfalls deutlich erhöht. Während 2025 rund 2.500 Euro für die Bekämpfung anfielen, werden für 2026 etwa 8.000 Euro veranschlagt. Parallel dazu setzt die Gemeinde ebenfalls auf biologische Unterstützung: Nistkästen für Kohl- und Blaumeisen werden von einer örtlichen Behinderteneinrichtung gebaut und gemeinsam mit einem Spielkreis sowie der Jugendfeuerwehr aufgehängt, wie uns Bauhofleiter Christoph Götze sagte.

Oldenburg rechnet mit mindestens 100.000 Euro Kosten

In Oldenburg ist die Beseitigung der Giftraupe noch in vollem Gange. Sowohl städtische Beschäftigte als auch externe Fachfirmen sind nach wie vor damit beschäftigt, Nester zu entfernen. Die Stadt rechnet damit, dass die Kosten in diesem Jahr im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen werden. Schon Anfang des Jahres hat die Stadt 300 Nistkästen aufhängen lassen. Das wird das Problem allerdings nicht dauerhaft lösen, wie die Stadt Antenne Niedersachsen mitteilte. Die Ausbreitung ist ein Zeichen des Klimawandels und Oldenburg verfügt aufgrund der Wallhecken und der natürlichen Vegetation über einen hohen Bestand an Eichen, heißt es von der Stadt weiter.

Vereinzelt Nester in Osnabrück

Im Raum Osnabrück sind in diesem Jahr bislang vereinzelt Nester des Eichenprozessionsspinners gemeldet worden. Der Gesundheitsdienst von Stadt und Landkreis führt zwar kein eigenes Monitoring, beobachtet in diesem Jahr aber insgesamt ein stärkeres Auftreten als in den Vorjahren.

Göttingen setzt auf Vorsorge

Noch verschont geblieben ist die Stadt Göttingen. Dort wurde bislang kein Befall festgestellt, weshalb bisher auch keine Bekämpfungskosten entstanden sind. Die Stadt will jedoch vorbereitet sein und hat im Sommer ein Monitoring-Programm an ausgewählten Standorten gestartet. Darüber hinaus sollen verstärkt Blühstreifen und Blühwiesen angelegt sowie zusätzliche Nist- und Fledermauskästen installiert werden. Ziel ist es, natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners frühzeitig zu fördern und einen möglichen Befall einzudämmen.

Naturschutz statt nur Absaugen

Da die Entfernung des Eichenprozessionsspinners für viele Kommunen in Niedersachsen immer teurer wird, stützen sich diese bei der Bekämpfung nicht allein auf das aufwendige Entfernen der Gespinste. Nistkästen, Blühflächen und der gezielte Einsatz von Nematoden sollen helfen, die Populationen des Eichenprozessionsspinners langfristig zu reduzieren. Los werden wir den Schädling mit den giftigen Brennhaaren aber wohl nicht mehr. Der Befall gilt zunehmend als Folge wärmerer und trockenerer Bedingungen. Experten gehen davon aus, dass wir uns durch den Klimawandel weiterhin mit der Giftraupe auseinandersetzen müssen und sie ein dauerhaftes Problem in Niedersachsen bleibt.

undefined
Antenne Niedersachsen
Audiothek