16. Januar 2020 –

Igel, Meise & Co.

Milde Temperaturen im Januar - So können wir Niedersachsens Tieren helfen!

Die Temperaturen im Januar sind außergewöhnlich mild. Das kann dazu führen, dass die Tier- und Insektenwelt früher aus dem Winterschlaf erwacht, die Natur aber noch nicht genügend Nahrung bereit hält. Welchen Tieren ihr wie helfen könnt, lest ihr hier.

Foto: moquai86 - stock.adobe.com

Tatsächlich kann der milde Winter Tiere, speziell Säugetiere, Insekten und Amphibien etwas verwirren. Das kann dazu führen, dass die Tiere wieder früher aktiv werden und sie vorzeitig aus ihrem Winterschlaf oder der Winterruhe erwachen.

Säugetiere

Beispielsweise reagieren Igel auf ihre Umgebungstemperatur. Ist diese zu mild, erwachen die Säugetiere früher aus dem Winterschlaf. Durch die milderen Temperaturen werden auch die Pflanzen-, Tier- und Insektenwelt früher aktiv und Igel sollten auch bei einem früheren Ende des Winterschlafs ausreichend Nahrung in der freien Natur finden.

Das könnt ihr tun:

Grundsätzlich solltet ihr Igel, Eichhörnchen oder andere Säugetiere nicht zufüttern. Sie finden in Gärten oder Parks ausreichend Nahrung. Viel hilfreicher ist es, "wenn der Garten etwas verwildert ist. So finden die Tiere genug Unterschlupf und ein breites Nahrungsangebot, dass sie die überleben können", erklärt Matthias Freter, Pressereferent des Naturschutzbundes Niedersachsen (NABU).

Für alle, die trotzdem eine Kleinigkeit bereitstellen möchten, hat der Experte folgende wichtigen Tipps: "Die Futterstellen sollten immer sauber sein, das Futter muss regelmäßig gewechselt werden und es sollten keine verderblichen Lebensmittel vom Menschen zugefüttert werden." Stattdessen solltet ihr spezielles Igelfutter nutzen oder auch Katzenfutter.

Insekten

Für Insekten können die milderen Temperaturen, die aktuell bei uns im Januar herrschen, problematisch werden. Sollte es in den kommenden Tagen oder Wochen zu einem Kälteeinbruch bei uns kommen, kann es passieren, dass die Insekten diesen nicht überleben: Sie können erfrieren oder verhungern, weil sie keine Nahrung finden.

Schmetterlinge sind z. B. durch den warmen Januar gefährdet, weil viele Pflanzenarten, die den Insekten als Nahrungsquelle dienen, schlichtweg im Januar oder Februar noch nicht blühen. "Wenn Schnee fällt oder Frost auftritt, kann es passieren, dass die Nahrungsquellen, die aufgrund der milden Temperaturen schon entstanden sind, versiegen und Nahrungssuche so erschwert wird", erklärt Matthias Freter.

Das könnt ihr tun:

Wenn ihr Insekten helfen möchtet, empfiehlt es sich einerseits frühzeitig im Garten oder auf der Terrasse bestimmte Pflanzen oder Blumen anzulegen, die den Tiere als Nahrungsquelle dienen können. Dazu zählen z. B. der Wiesensalbei oder Lavendel.

Kurzfristig ist den Insekten aber auch geholfen, wenn ihr im Blumenfachhandel bspw. blühende und nektarbildende Pflanzen wir blühenden Lavendel kauft und diesen bei den milden Temperaturen auf euren Balkon oder vor eure Haustür stellt.

Vögel

"Viele Zugvögel, die nur kurze Strecken zurücklegen, bleiben im Winter mittlerweile bei uns und ziehen nicht unbedingt in den Mittelmeerraum, weil sie auch bei uns Nahrung finden", sagt Matthias Freter. "Wenn aber nochmal ein Kälteeinbruch erfolgt, ist eine Zufütterung für die Vögel wirklich nötig."

Doch nicht nur bei kalten Temperaturen kann zugefüttert werden; generell ist gegen eine andauernde Fütterung nichts einzuwenden. Zu einer Überfütterung der Vögel kann es nicht kommen. "Die Vögel nehmen das Angebot gerne an und fressen in aller Regel auch nur das, was sie benötigen und suchen sich die entsprechenden Nahrungsbestandteile ebenfalls in der Natur, sofern diese verfügbar sind", weiß der NABU-Experte.

Das könnt ihr tun:

"Bei der Vogelfütterung macht's die Mischung, denn bei uns leben Körnerfresser und Weichfutterfresser. Das Nahrungsangebot sollte Körnermischungen, aber auch Weichfutter wie Obst enthalten", erklärt Michael Freter. Das bedeutet bei Weichfutter aber auch, dass die Futterstelle regelmäßig gereinigt werden muss.

Ihr könnt den Vögeln auch selbst hergestellte Futterknödel anbieten. Hier geht's zum Rezept. >>>

Wenn ihr Vögel zufüttert, sollte ihr keine Speisereste verfüttern, nur artgerechtes Vogelfutter verwenden und keine Massenfutterplätze einrichten. Mehr Infos zur Winterfütterung findet ihr hier. >>>

Fische & Amphibien

Für Fische ist ein milder Winter nicht problematisch, Amphibien erwachen allerdings früher aus der Winterstarre. Wenn es im Janaur wieder kälter werden sollte, kann es passieren, dass die Amphibien wieder träger werden und fahren ihren Stoffwechsel wieder runter. Die Dauer der Überwinterung ist von Art zu Art unterschiedlich.

Was passiert, wenn es doch noch einen Kälteeinbruch gibt?

Trotz der milden Temperaturen im Januar sind wir nicht davor gefeit, dass es doch noch zu einem Kälteeinbruch kommen kann. Sollte dieser nur ein paar Tage andauern, gibt Matthias Freter für die Tierwelt Entwarnung: "Die Tiere leiden erst, wenn es einen längeren Kälteeinbruch gibt. Viele Tiere wie der Igel haben sich bereits im milden Herbst große Fettreserven angefressen haben mit denen sie überleben können."

Kurzfristige Wetterumschwünge oder Temperaturschwankungen stellen die Tierwelt vor keine allzu große Herausforderung. "Sollte es aber auf lange Sicht gesehen aufgrund des Klimawandels zu andauernden milden Wintern kommen, müssen wir beobachten, wie sich die Natur- und Tierwelt verhält", so der NABU-Experte. "In sehr milden Wintern kann es dazu kommen, dass Tiere, die sonst Winterschlaf oder Winterruhe halten, diesen nicht halten. Das ist z.B. bei Fledermäusen in Nordrhein-Westfalen schon zu beobachten", erklärt der NABU-Experte.

Auf Dauer würde die Tier- und Pflanzenwelt früher erwachen. "Dann muss beobachtet werden, ob alles zeitgleich erwacht und ob die Tiere genug pflanzlich Nahrung zur Verfügung haben oder ob sich manche Pflanzen nicht rechtzeitig entwickeln, auf die die Tiere angewiesen sind."

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