20. Juli 2020 – Lea Biskup

Eltern aufgepasst!

Aufgepasst: Grusel-Goofy verschickt gefährliche Kettenbriefe per WhatsApp & Co.

Wenn euch oder euren Kindern "Grusel-Goofy" oder "Jonathan Galindo" im Netz begegnen, solltet ihr aufpassen! Auf den Messenger-Plattformen WhatsApp, Instagram und Tiktok kursiert aktuell ein Kettenbrief von ihm, der Kinder mit gefährlichen Aufgaben lockt, die sogar zu lebensgefährlichen Handlungen anstiften sollen.

(Screenshot: Instagram)
(Screenshot: Instagram)

Der Cyber-Kriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger warnt auf seinem Linkedin-Profil und bei Instagram aktuell vor einem Kettenbrief, der vermehrt bei Tiktok, WhatsApp und Instagram auftaucht. Verschickt wird der Kettenbrief von einem Unbekannten, der sich in seinem Profil "Jonathan Galindo" nennt, eine gruselige Goofy-Maske trägt und Kinder auf den Plattformen anschreibt bzw. ihnen Kontaktanfragen schickt.

Sobald die Kids die Anfragen annehmen, schickt das Profil Kindern "einen Link zu einer Datei mit Aufgaben", wie Rüdiger schreibt. Das Gefährliche daran ist, dass die Aufgaben zu teils lebensgefährlichen Handlungen anstiften sollen. "Leite diese Nachricht weiter, fotografiere dich so und so - da gibt es keine Vereinheitlichung, wie die Challenges starten. Was sie alle gemeinsam haben, ist, dass sich alle Challenges in der Intensität und in den Überschreitungen immer weiter und weiter steigern, z.B. 'Begehe einen Ladendiebstahl' um am Ende theoretisch in dieser einen extremen Challenge zu enden", erklärt der Cyber-Kriminologe im Antenne Niedersachsen-Interview.

Neu ist das Bild des Grusel-Goofys nicht. Tatsächlich existiert es bereits seit 2017 im Internet.

Das könnt ihr tun

Wichtig ist, euren Kindern klarzumachen, dass es sich bei dem Kettenbrief von Grusel-Goofy um einen Hoax handelt, also eine Falschnachricht, die im Internet kursiert und die nicht real ist. Kinder können das nicht immer erkennen. Redet mit euren Kindern über das Phänomen der Kettenbriefe. So verhindert ihr, dass sie plötzlich im Netz von den gruseligen Inhalten überrascht werden.

Außerdem rät Dr. Rüdiger ganz allgemein, die eigenen Kinder konkret auf die Mediennutzung vorzubereiten. "Es geht darum, wann man seinem Kind ein Smartphone gibt und es in einen globalen, digitalen Raum hinein lässt. Das Internet wurde von Erwachsenen für Erwachsene geschaffen und die Sicherheitsaspekte und -interessen von Kindern spielten dabei keine Rolle", erklärt er. "Das bedeutet, dass Betreiber sozialer Medien z. B. kaum gegen so etwas vorgehen. Das sehen wir bei Posing-Bildern bei Instagram oder bei Cybergrooming (Anmerkung der Redaktion: "Cybergrooming" bezeichnet die Suche von Tätern nach Opfern im Internet). Es ist ein absolut unsicherer Raum", so der Experte weiter. Um den Kindern Medienkompetenz zu vermitteln, hat Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger vier konkrete Tipps.

Das sind die Tipps des Cyber-Kriminologen

  1. Experte werden
    Nutzt als Erwachsene die sozialen Medien wie Instagram & Co. und seid auf den Plattformen unterwegs, auf denen eure Kinder unterwegs sind und die für sie spannend sein könnten. Dazu zählen auch Onlinespiele.
  2. Erklär-Bär werden
    Wenn euch solche Phänomene wie die Grusel-Goofy- oder Momo-Challenge oder andere Kettenbriefe/Challenges begegnen, beschäftigt euch damit und erklärt sie euren Kindern.
  3. Vertrauensperson sein
    Wichtig ist es, dass euren Kindern klar ist, dass ihnen das Smartphone nicht wieder weggenommen wird, wenn sie mit Problemen zu euch kommen. "Wir haben immer wieder Fälle, in denen Kinder Angst haben, wenn ihnen etwas passiert ist zu ihren Eltern zu gehen, weil sie befürchten, dass ihnen das Smartphone wieder weggenommen oder das Internet verboten wird", erklärt Dr. Rüdiger im Antenne Niedersachsen-Interview. Er rät: "Bringen Sie Ihrem Kind bei, dass Sie ihm das Smartphone nicht wieder wegnehmen, egal was passiert."
  4. Vorbild sein
    Reflektiert euer eigenes Mediennutzungsverhalten, um ein Vorbild für (eure) Kinder zu sein. Postet ihr selbst Bilder von euch und euren Kindern auf den sozialen Plattformen? Leitet ihr selbst fragwürdige Inhalte oder Kettenbriefe weiter? Von eurem Verhalten lernen eure Kinder.

So erfahrt ihr, was eure Kinder im Netz machen

  • Geht einmal pro Woche mit euren Kindern gemeinsam ins Internet und lasst euch von ihnen zeigen, was sie toll finden. So bekommt ihr einen Überblick über das, mit dem sich eure Kinder beschäftigen.
  • Lasst euch von euren Kindern erklären, wie z.B. Gruppen-Chats funktionieren

Hier findet ihr Hilfe


Nummer gegen Kummer

Die Nummer gegen Kummer bietet Hilfe, wenn ihr oder eure Kinder Sorgen haben.

  • Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 (anonym und kostenlos vom Handy und Festnetz, montags - samstags von 14 - 20 Uhr)
  • Elterntelefon: 0800 111 0550 (anonym und kostenlos vom Handy und Festnetz, montags – freitags von 9 – 11 Uhr, dienstags + donnerstags von 17 – 19 Uhr)
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