22. November 2021 – Nicklas Just

Corona-Statistik

Verwirrung um Hospitalisierungsinzidenz

Künftig werden bundesweit Corona-Maßnahmen auf Basis der aktuellen Hospitalisierungsinzidenzen getroffen. Zwischen den Hospitalisierungswerten des Landes Niedersachsen und denen des RKI gibt es aber erhebliche Unterschiede. Warum ist das so? Und welcher Hospitalisierungswert gilt für etwaige Corona-Verschärfungen in Niedersachsen?

Symbol: Eine Intensivstation bei Nacht
Symbol: Eine Intensivstation bei Nacht, Foto: Kiryl Lis - stock.adobe.com

Ab Mittwoch (24.11.) gilt eine neue Corona-Verordnung in Niedersachsen. Die Hospitalisierungsinzidenz bleibt maßgebender Indikator, auf dessen Basis Maßnahmen gegen die Pandemie ergriffen werden sollen. Der Wert gibt an, wie viele Covid-19-Patienten pro 100.000 Menschen in den vergangenen 7 Tagen in Krankenhäusern aufgenommen wurden.

So entsteht der Hospitalisierungswert des RKI

Das Robert-Koch-Institut gibt die Hospitalisierung von Covid-19-Patienten durchgehend deutlich niedriger als das Land Niedersachsen an. Das liegt daran, dass eine Krankenhaus-Neuaufnahme mit einer Corona-Infektion nur dann in die RKI-Statistik einbezogen wird, wenn die Corona-Infektion nicht länger als sieben Tage zurückliegt. Personen, die sich bereits vor mehr als 7 Tagen mit Covid-19 infiziert haben, aber erst am 8. Tag oder später ins Krankenhaus eingeliefert werden, tauchen in der Hospitalisierungs-Statistik des RKI nicht auf.

So entsteht der Hospitalisierungswert des Landes Niedersachsen

Die Daten des Landes Niedersachsen stützen sich auf die direkten Angaben der Krankenhäuser. Alle niedersächsischen Krankenhäuser melden über das IVENA-System täglich die Anzahl der mit Covid-19 neu aufgenommenen Patientinnen und Patienten. Dabei spielt es keine Rolle, wann sich diese Patientinnen und Patienten mit dem Virus infiziert haben. Für den Hospitalisierungswert ausschlaggebend ist der Einlieferungszeitpunkt. Zur Berechnung wird die Zahl aller Neuaufnahmen der vergangenen sieben Tage addiert und auf die Quote pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner umgerechnet. Dadurch ergibt sich ein Überblick über die Belastung der Krankenhäuser insgesamt.

Liegt der Hospitalisierungswert beispielsweise bei 4, bedeutet das, dass in den vergangenen 7 Tagen 4 von 100.000 Menschen mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Diese statistische Detailfrage hat reale Konsequenzen: Während Niedersachsen laut RKI-Zahlen derzeit noch unter dem ersten Schwellenwert von 3 liegt, befinden sich die von Niedersachsen erfassten Zahlen schon fast am Schwellenwert von 6 Hospitalisierungen pro 100.000 Menschen in den vergangenen 7 Tagen.

Droht ein neuer Flickenteppich?

Während sich andere Bundesländer, wie z.B. Hamburg oder Schleswig-Holstein weiterhin an den Hospitalisierungs-Zahlen des RKI orientieren, legt Niedersachsen bei den Corona-Verschärfungen die Hospitalisierungs-Zahlen zugrunde, die direkt über die niedersächsischen Krankenhäuser erhoben werden, wie der Sprecher des Niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministeriums Oliver Grimm, gegenüber Antenne Niedersachsen mitteilt. Diese Erhebungsmethode ist in der Lage, statistisch mehr Covid-Patienten abzubilden. Der eigens erhobene Wert, so Grimm weiter, "ist aus unserer Sicht daher besser geeignet, die Belastung des Gesundheitssystems und unserer Krankenhäuser tagesaktuell einzuschätzen."

Auch wenn jetzt bundesweit einheitliche Regeln gelten, schafft die unterschiedliche Datenerhebung defacto einen neuen Flickenteppich. Nach derzeitigem Stand braucht es beispielsweise in Hamburg ein viel intensiveres Infektionsgeschehen als in Niedersachsen, um einen Hospitalisierungsschwellenwert zu erreichen. So wie es jetzt geregelt ist, lassen sich die Zahlen der Bundesländer nicht miteinander vergleichen, obwohl sie Maßstab derselben Maßnahmen sein werden.

Niedersachsen wird 2G-Gebiet

Am Dienstag (23.11.) wurde die neue Corona-Verordnung für Niedersachsen vorgestellt, die ab Mittwoch (24.11.) in Kraft tritt.

Die Schwellenwerte der Hospitalisierungsinzidenz werden bei 3, 6 und 9 festgelegt. Bei einem Wert von mindestens 3 - den Niedersachsen nach der derzeit gültigen Statistik überschreitet - muss dann flächendeckend 2G umgesetzt werden. Nur Geimpfte und Genesene haben dann etwa zu Freizeit-, Kultur- und Sportveranstaltungen, Gastronomie sowie zu körpernahen Dienstleistungen und Beherbergungen Zutritt.

Reißt der Hospitalisierungswert die Schwelle von 6, gilt in Niedersachsen flächendeckend 2G plus. Dann müssen Geimpfte und Genesene zusätzlich einen Testnachweis erbringen.

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