01. April 2021 –

Interview

Jakob Lübke ist der erste Osnabrücker Nachtbürgermeister

Seit dem 1.4. gibt es in Osnabrück neben Oberbürgermeister Wolfgang Griesert einen Nachtbürgermeister. Antenne Niedersachsen-Reporterin Kira Runge hat mit ihm gesprochen.

Jakob Lübke steht in der historischen Altstadt. Als erster Nachtbürgermeister soll er ab April die Osnabrücker Club-, Gastronomie- und Kulturszene weiterentwickeln.
Jakob Lübke steht in der historischen Altstadt. Als erster Nachtbürgermeister soll er ab April die Osnabrücker Club-, Gastronomie- und Kulturszene weiterentwickeln., Foto: picture alliance/dpa

Jakob Lübke: Hey, ich bin Jakob! Ich bin frisch der neue Nachtbürgermeister in Osnabrück. Eigentlich bin ich aber 27 Jahre alt, ich habe hier in Osnabrück Musik und Gitarre studiert und arbeite als Musiker auf Hochzeiten, bin Chorleiter und sitze in Theatergräben.

Antenne Niedersachsen: Das heißt, du bist jetzt wahrscheinlich arbeitslos während der Pandemie. Arbeitslos klingt hart, aber deine Auftragsbücher sind wahrscheinlich leer, oder?

Jakob Lübke: Das Wording ist da ein spannender Part, weil arbeitslos bin ich gar nicht. Ich muss mich fit halten und täglich zwei, drei Stunden üben. Das ist gerade nicht so einfach. Und trotzdem händelt man die ganze Zeit zwischen Neubuchen und Absagen. Jetzt gerade bin ich einer Absage-Welle, die man eigentlich schon überwunden gehofft glaubte.

Antenne Niedersachsen: Keine schöne Zeit! Kommen wir aber zum Positiven: Du hast jetzt ein bisschen mehr Zeit, da kam dann die Stelle des Nachtbürgermeisters. Warum ist die Stelle was für dich? Warum hast du dich beworben? Was hast du dir dabei gedacht?

Jakob Lübke: Das ist genau die richtige Frage! Eigentlich hatte ich politisch keine Aktien. Das war nie mein Thema. Aber mit Beginn der Pandemie, als dann absehbar war, dass uns Corona ein bisschen begleitet, habe ich gedacht: 'Ich setze mich für diese Szene und für das, was ich tue ein.' Auch da hörte man immer schon: 'Kultur hat keine Lobby und so weiter.' Dann habe ich gedacht: 'Ja komm, wenn man es den Leuten nicht gut genug erklärt, braucht man sich auch nicht wundern, dass Entscheidungen dann vielleicht auch nur mit Fokus auf andere getroffen werden.' Ich habe dann auf Demos gesprochen, mit Politikern auf allen Ebenen, ich habe dann auch irgendwann die Kulturgesichter Osnabrück ins Leben gerufen. Als dann die Stelle als Nachtbürgermeister kam, habe ich gedacht 'Ja guck mal, wie passend ist das denn!' Als dann auch Leute aus der Szene kamen und gesagt haben, mit mir habe man einen Ansprechpartner, bei dem sie ein gutes Gefühl haben, habe ich gesagt: 'Ja komm, das machen wir!'

Antenne Niedersachsen: Was genau sind denn die Aufgaben eines Nachtbürgermeisters?

Jakob Lübke: In meiner Stellenbeschreibung steht: Sie sind die zentrale Anlaufstelle für Gastronomen, Veranstalter, Kulturschaffende, Anwohner, sowie Politik und Verwaltung. Ja, Moin! Und Sie vermitteln zwischen all denen. Ein Beispiel: Als wir die Kulturgesichter gegründet haben, da wollten wir das machen und wussten nicht so genau, wie. So einfach ist das aber nicht. Erst musst du alle Leute adressieren, die mit dranhängen, dann die Frage, was mit dem Ordnungsamt besprochen werden muss und 'Oh, wir müssen ja auch ein Hygienekonzept schreiben. Wie geht das denn?' Genau darum geht es: diese Stellen zu vereinfachen. Gerade jetzt ist es wichtig, jeden der eine gute Idee hat, jeder der motiviert nach vorne geht, der verdient alle Unterstützung, die wir geben können. Wenn man jetzt einen Ansprechpartner hat, der weiß, wen man im Ordnungsamt anrufen kann und dann Kontakte hat, die helfen können, dann haben alle profitiert.

Antenne Niedersachsen: Nachtbürgermeister gibt es auch in New York, Berlin und Mainz. Braucht Osnabrück auch einen?

Jakob Lübke: Was für eine Frage?! Gerade wenn es in New York und Berlin einen Nachtbürgermeister gibt, brauchen wir auch einen in Osnabrück. Ein Nachtbürgermeister kann an vielen Stellen helfen. Also wir reden über jemanden der vermittelt, Bedürfnisse versteht und übersetzt. Sowas brauchen wir an jeder Stelle - Kommunikation ist das A & O, das begegnet uns in jeder Arbeitsweise. Jemand der da steht und helfen kann, den brauchen wir.

Antenne Niedersachsen: Nachtbürgermeister - Ehrenamt oder Vollzeitjob: Wie arbeitest du?

Jakob Lübke: Wenn man abends wieder draußen sein kann, dann werde ich mir angucken, was wir an Szene haben. Zwar finden Gastronomie und Kultur auch am Tag statt, aber primär sehe ich Gespräche mit Akteuren am Nachmittag und Abend. Aber was die Planung und Kommunikation mit Politik und Verwaltung angeht, da muss ich mich dann nach diesen Öffnungszeiten richten und auch morgens arbeiten. Aus meiner Selbstständigkeit weiß ich: Arbeit wird dann gemacht, wenn sie gemacht werden muss und man macht sie so lange bis sie fertig ist.

Antenne Niedersachsen: Du bist der erste Nachtbürgermeister in Osnabrück, also hast du keinen Vorgänger, der dir einige Dinge verraten kann. Ist denn der Tag- und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ein bisschen dein Vorbild?

Jakob Lübke: Unser Oberbürgermeister Wolfgang Griester ist Ansprechpartner Nummer Eins. Jemand, der diese Gedanken und Ideen mitträgt. Das heißt: Auch der Austausch an dieser Stelle ist wichtig. Und um auf die lustigen Witze zurückzukommen, die an mich herangetragen wurden: 'Sag mal, machst du eigentlich das, was beim OB tagsüber liegengeblieben ist?' Nein, das mache ich nicht. Wir haben unterschiedliche Aufgabenbereiche. Aber der gute Austausch ist der Schlüssel zum Erfolg!

Antenne Niedersachsen: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen viel Erfolg!


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