17. November 2020 –

Mehr weiblicher Nachwuchs gesucht

Beverstedter "Calendar Girls" werben für mehr Frauen bei Feuerwehren

Nur 13 Prozent der Mitglieder in den freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen sind weiblich. Das muss sich ändern, dachten sich die Feuerwehrfrauen der Gemeinde Beverstedt - und werben mit einem speziellen Produkt für mehr weiblichen Nachwuchs.

(picture alliance/Yvonne Bösel/studio 23/Nordsee-Zeitung/dpa)
(picture alliance/Yvonne Bösel/studio 23/Nordsee-Zeitung/dpa), Foto: picture alliance/dpa

24 Frauen stehen mit weißem Top vor einem Löschfahrzeug, bei einigen hängt lässig ein Träger der Einsatzhose herunter. Auf anderen Motiven sind zwei Frauen in einen leeren Schlauch gewickelt oder spritzen gemeinsam Löschwasser und strahlen dabei in die Kamera. Die Frauen der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Beverstedt (Landkreis Cuxhaven) bringen Ende des Monats einen Kalender der besonderen Art heraus: Sie posieren durchaus sexy auf den Fotos. Sie wollen so für mehr Frauen in den Feuerwehren werben. Denn die sind dort in der absoluten Minderheit.

Kalender dieser Art erfreuen sich großer Beliebtheit, manche Laien-Fotomodelle gehen noch viel weiter als die Beverstedterinnen. Die britische Filmkomödie "Calendar Girls" (2003) erzählt basierend auf einer wahren Geschichte von biederen Hausfrauen, die die Hüllen für den guten Zweck ganz fallen lassen. "So was hätten wir nicht gemacht", betont Saskia Ullrich, Frauenbeauftragte der Freiwilligen Feuerwehr Beverstedt. "Auch nicht in Dessous."

Vielmehr sollte auf ansprechende Weise ein Einblick in den Arbeitsalltag der Feuerwehr gewährt werden. Dabei sollten die Betrachter aber sehen, dass es sich bei den Abgebildeten um Frauen handelt, sagt Feuerwehrfrau Mirella Schlake. Daher hätten sie die Jacken und Helme für den Kalender weggelassen. "Sonst würde man das nicht sehen."

Lediglich 13 Prozent der knapp 127 000 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen sind weiblich. In der Gemeinde Beverstedt liegt die Quote bei zehn Prozent. Immerhin: Tendenz steigend. Im Jahr 2000 lag die Frauenquote im Bundesland noch bei 7,5 Prozent. Bei den Berufsfeuerwehren sieht es nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen allerdings noch mauer aus. Dort arbeiten nur 3,5 Prozent Frauen.

Susanne Klatt, Vorsitzende des Netzwerks Feuerwehrfrauen, kennt das Problem. "Es könnten definitiv mehr sein", sagt Klatt, die Einsatzleiterin bei der Berufsfeuerwehr Essen ist. Aber Frauen wüssten oft gar nicht, dass sie bei der Feuerwehr aktiv mitmachen könnten. Es sei nicht selten, dass sie gefragt werde: "Aber richtig löschen dürfen Frauen nicht, oder?" Dann erzähle sie, dass sie dieselben Aufgaben übernehmen wie Männer: Mit Atemmasken in brennende Gebäude gehen, verunfallte Autos auseinanderschneiden. "Klar muss man anpacken können", sagt Klatt. "Aber die Technik unterstützt uns immer mehr."

Inzwischen habe sie sich angewöhnt, nach getaner Arbeit am Einsatzort ihren Helm abzunehmen, um Passanten ihre langen Haare zu zeigen. In voller Montur erkenne ja niemand, ob ein Mann oder eine Frau darunter stecke. Dass der Anblick einer Feuerwehrfrau viele überrasche, sieht sie in der Begegnung mit einem kleinen Mädchen versinnbildlicht: "Sie sagte zu ihrer Mutter: Guck mal, da ist eine Feuerwehrmannfrau."

Für mehr Frauen in Feuerwehren zu werben, findet Klatt deshalb richtig. Ob dies mit einem Kalender im Pin-up-Stil sein müsse, wisse sie nicht. Schließlich sollten Frauen nicht auf Äußerlichkeiten reduziert werden. "Aber vielleicht muss man auch mal polarisieren, um Aufmerksamkeit zu erzeugen."

Die ist den Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Beverstedt sicher. Erst mal gingen 1500 Exemplare in den Druck, sagt Saskia Ullrich. Sie ist sich sicher, dass nachgedruckt werden muss. Das Interesse sei groß. Sie hoffe, dass durch den Kalender mehr Frauen motiviert werden, sich bei der Feuerwehr zu engagieren. Auch in Beverstedt steigt die Frauenquote, wenn auch langsam.

Was ist ihre Motivation, bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv zu sein? "Ich möchte immer was Gutes tun", sagt Ullrich. Das aktive Ehrenamt sei zwar nicht ungefährlich, aber: "Man muss nur die Ruhe bewahren und richtig handeln, dann ist das auch zu schaffen." Hauptberuflich möchte sie den Job allerdings nicht machen. Ihr Geld verdient sie als Friseurin.

(dpa)

undefined
Antenne Niedersachsen
Audiothek