28. August 2020 – Lea Biskup

Schulstart in Niedersachsen

Corona: Zu wenig Platz in Niedersachens Schulbussen?

Das Wort "Schulbus" sorgt bei vielen Eltern bei uns in Niedersachsen momentan für graue Haare und Falten auf der Stirn. Denn seit Ende der Sommerferien gilt an den niedersächsischen Schulen wieder der Regelbetrieb – bedeutet: täglich gehen wieder alle Kinder zur Schule, viele davon mit dem Schulbus. Antenne Niedersachsen-Reporterin Kira Runge hat sich die Situation vor Ort angeschaut.

Foto: picture alliance/dpa

Die Sommerferien sind in Niedersachsen zu Ende und das hat zur Folge, dass auch die Schulbusse morgens und mittags wieder voll sind. Viele Eltern sind besorgt, weil es in den Bussen zwar eine Maskenpflicht gibt, aber der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht immer eingehalten werden kann.

Am Bahnhof in Salzbergen ist es bereits morgens um kurz vor 7 Uhr schon voll: Viele Kinder fahren von hier aus mit dem Zug zur Schule, andere steigen hier in den Schulbus ein. Ich bin früher immer mit dem Fahrrad die rund drei Kilometer bis zur Schule gefahren, aber heute nehme ich mal den Bus.

Es ist 7.05 Uhr. Mein Bus kommt. Ich steige bei Agnes Wiße ein, die auf dieser Linie fährt. Ausnahmsweise darf ich heute vorne einsteigen und bei ihr im normalerweise abgesperrten Bereich sitzen. Der Grund: Corona. Wir kommen ins Gespräch und Agnes erzählt mir von ihren Eindrücken der ersten Tage: "Viele Kinder fahren mit dem Fahrrad. Das haben die auch vor den Ferien schon gemacht. In den letzten Tagen hatte ich immer so 25 bis 30 Kinder dabei, sonst sind es auch mal 55."

"Normalerweise ist hier sehr viel mehr los"

An den ersten Bushaltestellen stehen keine Kinder und wir fahren weiter. Als wir in ein Wohngebiet kommen, steigen fünf Grundschüler ein. Sie alle tragen eine Maske und setzen sich sehr vorbildlich mit sehr viel Abstand zueinander auf einen Sitz. Wir fahren mehrere Haltestellen an, fast überall steigen weitere Kinder ein, auch ältere Schüler. "An dieser Stelle sind nur zwei Kinder eingestiegen. Normalerweise ist hier sehr viel mehr los", sagt Agnes Wiße an einer Bushaltestelle.

Sie selbst arbeitet seit elf Jahren als Busfahrerin und hat den Schein gemacht, als ihre Kinder schon erwachsen waren. Agnes Wiße achtet penibel darauf, dass sich auch alle Kinder an die Maskenpflicht halten. An einer Bushaltestelle steigt ein Junge ohne Maske ein: "Bitte denk' daran, die Maske aufzusetzen bevor du in den Bus steigst!", erklärt Agnes Wiße. Der Kleine schämt sich ein bisschen vor seinen Freunden.

An der Grundschule steigen fünf Schüler aus und viele andere ein. Jetzt wird es wirklich eng im Bus, an Abstand halten ist nicht mehr zu denken. Mittlerweile fahren etwa 35 Kinder im Bus mit, das ist normalerweise nicht voll, doch im Moment fühlt es sich anders an. Vier Kinder stehen an einer Stange und halten sich fest, auf den Bänken berühren sich die Schultern der Kinder.

Viele Eltern und Schüler auf Fahrrädern

Bis zum Schulzentrum sind es noch ungefähr zehn Minuten. Jetzt steigen auch keine weiteren Kinder mehr ein. Als wir durch das Wohngebiet fahren, sieht man in den Straßen Mütter und Väter auf Fahrrädern, die ihre Kinder in die Schule begleiten. Der Eindruck von Agnes Wiße bestätigt sich.

Am Schulzentrum angekommen, beobachte ich gleich den nächsten kritischen Moment: Alle Kinder stürmen gleichzeitig aus dem Bus und reißen sich direkt vor der Tür die Maske von der Nase.

Agnes Wiße resümiert: "Doch, es war wohl voll! Wenn es in den nächsten Tagen noch voller wird, würde ich mir schon wünschen, dass mehr Busse eingesetzt werden. Ich bin nicht übervorsichtig, aber meine Gesundheit ist mir schon wichtig!"

Lösung des Problems? Reisebusse!

Im Landkreis Emsland wurde schon vor dem Schulstart diskutiert, welche Lösungen es gibt, um die große Anzahl der Schüler in den Bussen zu entzerren. Für den Transfer der Schüler ist der Landkreis zuständig und die waren anfangs ratlos, denn alle verfügbaren Busse sind bereits im Liniennetz unterwegs, mehr Fahrzeuge sind nicht verfügbar.

Die erlösende Idee kam dann unter anderem von Hermann Meyering aus Lingen: "Wir dürfen nicht vergessen, dass aktuell die Reisebusse nur in der Garage stehen. Auch die Busfahrer sind noch in Kurzarbeit und würden gerne wieder losfahren!"

Unternehmer Hermann Meyering aus Lingen. (Foto: Antenne Niedersachsen)
Unternehmer Hermann Meyering aus Lingen. (Foto: Antenne Niedersachsen)

Der Landkreis Emsland hat die Idee des Unternehmers dankend angenommen und alle Busunternehmer in der Region aufgefordert, ihre Kapazitäten zu überprüfen. In den ersten Schultagen werden die Busse wie gewohnt fahren, dann wird überprüft, wie voll die Fahrzeuge wirklich sind und wo noch nachgerüstet werden kann.

Im benachbarten Landkreis Osnabrück läuft die Schülerbeförderung im Wesentlichen im Rahmen des ÖPNV. Landkreis-Sprecher Hennig Müller-Detert erklärt, dass in den Bussen die bekannten Hygienevorschriften gelten, es dennoch nicht verkehrt sei, andere Verkehrsmittel zu nutzen. Besondere Regelungen oder der Einsatz von zusätzlichen Schulbussen sei erstmal nicht geplant: "Es werden alle verfügbaren Kapazitäten eingesetzt, es wurden aber keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen".

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