24. Februar 2021 – Niels Kristoph

Trotz Lockdown...

Burgdorfer Hotelier will wieder aufmachen!

Wenig Gäste und fast keine staatlichen Hilfen - Einem Hotelier aus Burgdorf platzt jetzt der Kragen.

Andreas Triebsch, Geschäfstführer des neuen Hotels Déjanil im Burgdorfer Gewerbegebiet. (Foto: Antenne Niedersachsen)
Andreas Triebsch, Geschäfstführer des neuen Hotels Déjanil im Burgdorfer Gewerbegebiet. (Foto: Antenne Niedersachsen)

Ein Hauch von Berlin weht durchs Burgdorfer Gewerbegebiet in der Region Hannover. Zwischen Autowaschanlage und Baumarkt steht das neue 3-Sterne Hotel Déjanil. Eleganter Jazz von Ella Fitzgerald schleicht sich aus den Boxen, im Hinterraum mahlt der Kaffeeautomat. Ein stimmungsvolles Ambiente und modernes Design könnten die Gäste genießen. Nur tut das gerade kaum einer. "In der Woche haben wir vielleicht fünf Gäste", sagt Andreas Triebsch und schaut dabei auf den verwaisten Restaurantbereich im Erdgeschoss. Der Hotelmanager kümmert sich gerade in Eigenregie um das Geschäft. Seine Angestellten sind in Kurzarbeit.

Noch im September war das Hotel zu 50 Prozent belegt, aber dann kam der erneute Lockdown. Firmentagungen wurden storniert, Buchungen rückgängig gemacht und die wenigen Geschäftsreisenden reichen nicht, um das Geschäft auf lange Sicht am Laufen zu halten. Trotzdem: Die Rechnungen für Strom und Wasser müssen weiter bezahlt werden. "Bis April reicht unser Bankkredit noch", rechnet Triebsch vor. Aber was passiert dann?

Mit dieser Sorge ist der Burgdorfer Hotelchef nicht alleine. "Die Nerven liegen blank", sagt dazu auch Dehoga-Hauptgeschäftsführer Rainer Balke. Viele Hoteliers und Gastronomen hätten ihre Rücklagen nach einem Umsatzeinbruch von fast 40 Prozent aufgebraucht.

Wir machen trotzdem auf!

Wenn im März nichts im Sinne der Gaststätten und Hotels passiert, will der Burgdorfer Hotelier sein Beherbergungsbetrieb jedenfalls wieder ganz öffnen. "Es geht mir nicht um Ärger", sagt Triebsch. Er will auf die Situation der Existenzgründer in Niedersachsen aufmerksam machen. Denn auf staatliche Hilfe muss er, das Kurzarbeitergeld ausgenommen, verzichten.

Die Überbrückungshilfen I und II bekommt der Unternehmer als Neugründer nicht ausgezahlt und das Geld aus dem dritten Hilfepaket wird, wenn es genehmigt wird, zu spät ankommen, befürchtet er. "Wir haben 2018 mit einem Neubau eines Hotel-Restaurants in Burgdorf begonnen und konnten damals nicht ahnen, dass 2020 die Welt fast still steht." Der Burgdorfer Hotelchef verlangt deswegen, dass die versprochenen Hilfen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei den Betrieben auch wirklich ankommen. "Wir verlangen keine 75 % des Vorjahresumsatzes. Wir benötigen Hilfen bei den laufenden Kosten", fordert Triebsch.

Ein Wirt, kein Gast. Die 45 Plätze im Restaurantbereich bleiben seit dem Lockdown meistens unbesetzt. (Foto: Antenne Niedersachsen)
Ein Wirt, kein Gast. Die 45 Plätze im Restaurantbereich bleiben seit dem Lockdown meistens unbesetzt. (Foto: Antenne Niedersachsen)

Öffnungsperspektive gefordert

Vom Stufenplan der niedersächsischen Landesregierung ist der Hotelchef jedenfalls nicht begeistert. Aufmachen und schließen je nach Inzidenzwert? So einfach ginge das in einem Gaststättenbetrieb nicht. Genauso sieht das auch die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen. Für die Betreiber von Hotels und Restaurants etwa seien kurzfristige Schließungen verheerend. "So treiben wir die Unternehmerinnen und Unternehmer in die Verzweiflung und in den Ruin", warnt IHKN-Geschäftsführer Hendrik Schmitt. Öffnungen und Schließungen dürften nicht alleine vom Sieben-Tage-Wert und vom Reproduktionswert abhängen. Genau das könnte aber passieren. Pläne der rot-schwarzen Landesregierung sehen offenbar vor, dass touristische Übernachtungen unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 wieder möglich sein sollen, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ).

Auch die Gewerkschaft „Nahrung-Genuss-Gaststätten“ (NGG) fordert eine Öffnungsperspektive für Hotels und Gaststätten. „Jetzt müssten Bund und Länder endlich einen Plan vorlegen, wie es im März weitergehen soll“, so Lena Melcher, Geschäftsführerin der NGG-Region Hannover. Am 3. März verhandeln Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über Lockerungen der aktuellen Corona-Maßnahmen.

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