10. März 2021 – Johannes Barthold

Wusstet ihr...?

10 Fakten über... Steinhude

Im Westen Hannovers gelegen lockt das beschauliche Steinhude jedes Jahr zahlreiche Touristen an, die am Steinhuder Meer die Seele baumeln lassen. Kein Wunder, denn die Gemeinde ist nicht nur ein idyllisches Plätzchen mit circa 5000 Einwohnern, sondern ebenfalls ein geschichtsträchtiger Ort.

Wo einst ein Militärgalgen stand, pflanzten Heimkehrer aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 einen Baum. Diese Eiche erhielt zur Feier des Kriegsendes den Namen "Friedenseiche" und steht bis heute im Zentrum von Steinhude. Der Platz heißt: "An der Friedenseiche".
Wo einst ein Militärgalgen stand, pflanzten Heimkehrer aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 einen Baum. Diese Eiche erhielt zur Feier des Kriegsendes den Namen "Friedenseiche" und steht bis heute im Zentrum von Steinhude. Der Platz heißt: "An der Friedenseiche"., Foto: artfocus - stock.adobe.com

Fakt 1: Steinhude hat sein eigenes Atlantis

Nah an der Steinhuder Promenade gelegen, liegt ein geheimnisvoller, historischer Schatz am Boden des Steinhuder Meers. Um das Jahr 1600 überschwemmte der steigende Wasserstand des Steinhuder Meeres die Kranenburg – eine Festung, die Forschern bis heute viele Fragen aufwirft. Wer waren die Bauherren der Burg? Weshalb wurde die Kranenburg ausgerechnet an dieser Stelle errichtet? Mehr als 700 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erfassung, 1302, versuchten Wissenschaftler des Landesamtes für Denkmalschutz die Geheimnisse der Burg zu lüften, doch bisher konnten nur vage Umrisse identifiziert werden.

Ausflügler gehen am Montag (03.08.2009) auf der Uferpromenade am Steinhuder Meer in Steinhude entlang. Vor der Uferpromenade in Steinhude bei Hannover vermuten Forscher unter Wasser die Überreste der "Kranenburg" aus dem Jahr 1320.
Ausflügler gehen am Montag (03.08.2009) auf der Uferpromenade am Steinhuder Meer in Steinhude entlang. Vor der Uferpromenade in Steinhude bei Hannover vermuten Forscher unter Wasser die Überreste der "Kranenburg" aus dem Jahr 1320. , Foto: picture-alliance/ dpa

Fakt 2: Steine, die die Welt bedeuten

Was haben der US-Präsident und der Pastor der St. Petrus-Kirche in Steinhude gemeinsam? Ihr Arbeitsplatz wurde aus dem gleichen Material gebaut! Nicht nur die 1854 fertig gestellte St. Petrus-Kirche in Steinhude sondern auch das Weiße Haus bestehen aus Oberkirchner Sandstein! Im Gegensatz zu anderen Bauwerken aus diesem Material wie dem Kölner Dom oder der Siegessäule hatten die Steinhuder beim Bau ihrer Kirche keine finanzielle Unterstützung. Deshalb hat sich der Bau des Gotteshauses für die finanzschwache und von Missernten geplagte Fischergemeinde über 50 Jahre gezogen, während die nahegelegene Hagenburger Kirche durch Unterstützung des Fürstentums Schaumburg-Lippe innerhalb von zwei Jahren fertig gestellt wurde.

Die St. Petrus-Kirche in Steinhude wurde in 50 Jahren aus Sandstein erbaut., Foto: Markus Weseloh.
Die St. Petrus-Kirche in Steinhude wurde in 50 Jahren aus Sandstein erbaut., Foto: Markus Weseloh.

Fakt 3: Silicon Valley der Weberei

Wer hätte es gedacht! Für alle Fashion-Freaks mit einem Faible für Leinen und Flachs war Steinhude in der Frühen Neuzeit der absolute Hotspot! Im Jahr 1728 schaffte es dort ein junger Mann ein Hemd ohne Naht zu weben. Für die Historiker ist bis heute unklar, wie Johann Heinrich Bühmann das Kleidungsstück mit einem primitiven Handwebestuhl weben konnte. Schließlich galten nahtlos gewebte Kleidungsstücke auf der Weltausstellung 1851 - also über 120 Jahre später - noch als Neuheit! Da ist es auch nur logisch, dass das Weberhandwerk aus Steinhude bis heute sehr erfolgreich ist. So sitzt die älteste Weberei Deutschlands „Seegers und Sohn“, gegründet im Jahr 1765, immer noch in Steinhude und ist nach wie vor in Familienbesitz – in 9. Generation!

Foto: Steinhuder Museen
Foto: Steinhuder Museen



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Fakt 4: Per Brassenschlag zum Steinhuder

Woran erkennt man eigentlich, dass einen die Dorfgemeinschaft aufgenommen hat? In Steinhude zählt nicht unbedingt, ob die Bäckereiangestellten den Namen kennen oder ob sich auf der Straße gegrüßt wird. Wer seit 10-15 Jahren im Ort wohnt und sich um die Gemeinde verdient gemacht hat, wird durch den so genannten "Brassenschlag" zum Steinhuder! Jedes Jahr am Fischerkreidag, ein Fest am Himmelfahrtswochenende, führt der Fischereiverein Steinhude eine Zeremonie durch, bei der zwei verdiente Inhucker (Plattdeutsch für Zugezogene) einen Brassen durchs Gesicht gepfeffert bekommen. Anschließend können sie sich als Steinhuder zählen – eine große Ehre in dieser traditionsreichen Gemeinde.

Foto: Andreas Menz
Foto: Andreas Menz

Fakt 5: Ein tropischer Rekordhalter

Hättet ihr das gedacht? Obwohl der ganze Ort Steinhude durch das große Meer maritimen Flair versprüht, hat die Gemeinde auch einen tropischen Rekordhalter! Mit über 5000 Quadratmetern Grundfläche ist die Schmetterlingsfarm Steinhude die größte ihrer Art in Europa und bietet 2500 Tieren ein Zuhause. Neben einem der größten Falter der Welt und anderen Schmetterlingen sind auch zahlreiche andere Insekten wie der größte Käfer der Welt, der Goliathkäfer, im Museum anzutreffen.

Ein Atlasspinner (Attacus atlas) sitzt auf einem Kokon in der Schmetterlingsfarm am Steinhuder Meer.
Ein Atlasspinner (Attacus atlas) sitzt auf einem Kokon in der Schmetterlingsfarm am Steinhuder Meer., Foto: picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Fakt 6: (H)echt jetzt? Das erste deutsche Tauchboot

Und schon wieder treffen wir auf Steinhuder Erfindergeist! Das erste U-Boot Deutschlands wurde in Steinhude entworfen und unternahm seine Jungfernfahrt im Steinhuder Meer. Bereits 1762 beauftragte Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe seinen Ingenieur J. C. Praetorius damit, ein Boot zu entwickeln, welches eine sichere Überfahrt nach Schaumburg-Lippe gewährleisten sollte. Mit dem Design eines Hechtkörpers bot das Gefährt im Jahr 1772 einer achtköpfige Besatzung Platz, um einen immerhin 12-minütigen Tauchgang mit anschließender Segelfahrt zu absolvieren.

Foto: Fürstliche Hofkammer
Foto: Fürstliche Hofkammer

Fakt 7: Hochzeit im niedersächsischen Alcatraz

Im Hafen der Ehe kann man nicht nur sprichwörtlich auf der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer anlegen. Denn dort gibt es ein Trauzimmer sowie die Möglichkeit, die Nacht zu verbringen. Als die Festung auf der knapp fußballfeldgroßen Insel im 18. Jahrhundert errichtet wurde, dachte vermutlich keiner an eine Hochzeit vor Ort. Zuerst als Schutz für den Grafen gedacht, wurde die Festung später fast 100 Jahre lang als Staatsgefängnis von Schaumburg-Lippe genutzt. Ob das ein gutes Omen für die Ehe ist, müsst ihr entscheiden ;-)!

Die Sonne geht bei frostigen Temperaturen hinter der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer auf.
Die Sonne geht bei frostigen Temperaturen hinter der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer auf., Foto: picture alliance/dpa

Fakt 8: Eine besondere Spezialität

„Keep it real“ heißt es auch in den Steinhuder Aalräuchereien! In sogenannten „Altonaer Öfen“ werden die Fische direkt über Buchenscheiten geräuchert. Dies unterscheidet sie von der herkömmlichen Räuchermethode, in der eine Gasflamme Buchenspäne zum Glimmen bringt. Diese traditionellen Öfen werden bereits lange nicht mehr gebaut und dürfen nur noch aus Gründen des Bestandsschutzes und mit Auflagen verwendet werden, da ihre Konstruktion noch so simpel gehalten ist. Dank dieser Öfen erhält der Steinhuder Räucheraal sein einzigartiges Aroma! Natürlich sind viele Räuchereien in Familienbesitz. So versorgt die Familie Schweer bereits seit acht Generationen die Gemeinde mit Fisch. Typisch Steinhude!

Heinrich Schweer Junior (l-r) und sein Bruder Nils präsentieren frisch geräucherte Aale am 22.12.2016 in Steinhude (Niedersachsen) an der Uferkante des Steinhuder Meeres. Die Fische hingen zuvor rund zwei Stunden in einem mit Buchenholz befeuerten Ofen.
Heinrich Schweer Junior (l-r) und sein Bruder Nils präsentieren frisch geräucherte Aale am 22.12.2016 in Steinhude (Niedersachsen) an der Uferkante des Steinhuder Meeres. Die Fische hingen zuvor rund zwei Stunden in einem mit Buchenholz befeuerten Ofen. , Foto: picture alliance / Holger Hollemann/dpa

Übrigens: Viele der geräucherten Aale stammen tatsächlich aus dem Steinhuder Meer! Als Kleinfische darin ausgesetzt, werden sie im erwachsenen Alter in traditionellen Reusen gefangen, um verarbeitet zu werden. Vor diesem Hintergrund ist es verwunderlich, dass bereits ein Aal von 9,5 Pfund Gewicht gefangen worden sein soll. Dabei muss es sich um den Methusalem unter den Aalen gehandelt haben. Schließlich brauchen die Tiere acht bis zwölf Jahre um ein Pfund Gewicht zuzunehmen.

Fakt 9: Einzigartiges Einsatzfahrzeug

Wie cool die Arbeit der Feuerwehr sein kann, zeigen die Steinhuder Einsatzkräfte unter anderem mit ihrem in Niedersachsen einzigartigen Einsatzfahrzeug. Das Hovercraft S580 ist ein Luftkissenboot, das zum Einsatz fliegt anstatt zu fahren. Mit seiner Fähigkeit schnell über Eis oder Wasser zu gleiten, ist es ideal für den Einsatz auf dem Steinhuder Meer geeignet. Netter Nebeneffekt: Es sieht verdammt aufregend aus!

Fakt 10: Sie sind wieder da!

Seit 2014 lebt die einzige in Niedersachsen heimische Schildkrötenart, die Europäische Sumpfschildkröte, wieder am Steinhuder Meer! Nachdem die Art in vielen Gebieten Niedersachsens bereits im 18. Jahrhundert als ausgestorben galt, wurden zunächst in den Meerbruchswiesen 14 Tiere ausgewildert. Anscheinend ist das Moor um Steinhude der ideale Platz für die Tiere, denn die Auswilderungsprojekte des NABU haben dazu geführt, dass sich hier mittlerweile wieder ca. 350 Reptilien wohl fühlen.

Eine Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) wird von Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen, in einem Naturteich im Meerbruch am Steinhuder Meer ausgewildert. Der NABU Niedersachsen führt mit Unterstützung des niedersächsischen Umweltministeriums ein Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte durch.
Eine Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) wird von Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen, in einem Naturteich im Meerbruch am Steinhuder Meer ausgewildert. Der NABU Niedersachsen führt mit Unterstützung des niedersächsischen Umweltministeriums ein Wiederansiedlungsprojekt für die Europäische Sumpfschildkröte durch., Foto: picture alliance/dpa

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