27. September 2021 – Dominic Schmidt

Voller Tradition

10 Fakten über... Haselünne

Wusstet ihr zum Beispiel, dass Haselünne Heimatort der Sozialversicherung ist und dort tierische Mitarbeiter arbeiten?

Die Innenstadt von Haselünne
Die Innenstadt von Haselünne , Foto: Prieshof PixEL - stock.adobe.com

1. Höchste Abidichte Deutschlands

Dieses Abitur schafft wirklich jeder! In Haselünne gibt es im Wacholderhain die Möglichkeit, ein Abitur der besonderen Art abzulegen - das Wacholderabitur. Dieses kann in nur einem Tag beim "Wacholdergymnasium" absolviert werden. Für das Abitur muss allerdings nicht stressig gelernt werden, sondern es besteht aus kleinen spaßigen "Unterrichtseinheiten". So müssen kleinere sportliche Übungen absolviert und Fragen in der Vogel- und Pflanzenkunde beantwortet werden. Das Wissen wird vor Ort vermittelt. Durchgefallen ist bisher noch niemand.

2. Tierische Mitarbeiter

Bei der Stadt Haselünne sind tierische Mitarbeiter angestellt. Es handelt sich um Wildpferde, genauer gesagt um neun Tarpane, welche offiziell seit 2004 für die Stadt Haselünne arbeiten. Ihre Aufgabe: im Haselünner Wacholderhain grasen und eine Verbuschung des Geländes und des Wacholders im Hain verhindern. Der Wacholderhain ist das angrenzende Naturschutzgebiet bei Haselünne und ein absoluter Touristenmagnet für Naturliebhaber. Mit 38 Hektar ist der Wacholderhain in Haselünne der größte seiner Art in Norddeutschland. Die Tarpane sind aber nicht nur fleißige Mitarbeiter für die Stadt Haselünne, sondern auch eine sehenswerte Attraktion für Spaziergänger im Wacholderhain.

Foto: Nicolette Wollentin - stock.adobe.com

3. Stein(zeit)alt

Haselünne ist die älteste Stadt im Emsland und feiert im Jahr 2022 ihr 750-jähriges Bestehen. Dabei geht die Geschichte der Stadt sogar bis in die Steinzeit zurück. So gibt es archäologische Funde, die auf eine Besiedlung von Haselünne in der Steinzeit hinweisen. Indizien weisen sogar darauf hin, dass die Stadt Haselünne schon im Jahr 1214 gegründet worden ist. Allerdings hat Haselünne erst im Jahr 1272 die Stadtrechte von den Ravensberger Grafen verliehen bekommen, auch wenn sie vermutlich schon weit vorher besiedelt wurde. Anlässlich der 750 Jahre wird ein Fest organisiert, welches an die Geschichte und Traditionen erinnern soll. 750 Jahre, älter geht es nicht im Emsland.

4. Hochprozentige Tradition

Keine andere Stadt in Niedersachsen hat so viel mit Korn zu tun wie Haselünne. Und nein, es ist nicht von dem Getreide die Rede. Die Kornbrennerei ist ein fester Teil der Haselünner Geschichte und Tradition. Diese machte die Stadt nicht nur deutschlandweit, sondern auch weltweit bekannt für ihren hergestellten Korn. Früher gab es in Haselünne bis zu 27 verschiedene Kornbrennereien, aus denen heute noch drei Stück bestehen. Die Brennereien Berentzen, Heydt und Rosche produzieren immer noch in Haselünne und exportieren ihren Korn weltweit. Besonders beliebt und bekannt, der Apfelkorn.

5. 100 Millionen Kuchenstücke

Ein weiteres Unternehmen hat hier seinen Sitz und seine Produktion in Haselünne, dass auch nach ganz Europa exportiert. Doch es handelt sich nicht mehr um Korn, sondern um Kuchen und weitere industrielle Backwaren. Die Firma Conditess hat hier ihren Sitz und produziert jährlich über 100 Millionen Stück Kuchen und Gebäck. Diese werden unteranderem bei Lidl verkauft. Die Kuchenfabrik wurde 1980 von den Eheleuten Bittner in Haselünne übernommen und seit dem mit mehr Standorten immer größer. Momentan gehören elf Produktionsstraßen zu dem Unternehmen, doch der Hauptsitz liegt immer noch in Haselünne im Emsland.

6. Wer macht denn sowas?

Während andere Städte in Niedersachsen Ostereier verstecken, werden in Haselünne seit 2006 die städtischen Brunnen und Skulpturen an Ostern zu Osterbrunnen dekoriert und geschmückt. An die 16 Stück sind dann in der Stadt zu finden. Diese Verschönerung wird von Grundschülern aus der Stadt erledigt und erzeugt jedes Jahr schöne neue Bilder in der Innenstadt. Der Brauch, Brunnen zu Ostern zu schmücken, stammt eigentlich aus den fränkischen Regionen in Bayern. Die Stadt Haselünne fand die Idee jedoch toll und probierte den Brauch 2006 erstmalig aus. Da dieser gut bei den Einwohnern und den Schülern angekommen ist, hat sich der eigentliche traditionelle fränkische Brauch nun auch in Haselünne als Tradition zu Ostern gefestigt.

Ein Osterbrunnen in Haselünne, Quelle: Corradox, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10000837
Ein Osterbrunnen in Haselünne, Quelle: Corradox, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10000837

7. Achtfaches Museum

Ganz viel Tradition und Geschichte lässt sich in einem kleinen Dorf in Haselünne wiederfinden. Dort stehen acht Fachwerkhäuser, die als Museen dienen und verschiedene Ausstellungsstücke zur ackerbürgerlichen Geschichte und Tradition bieten. Neben Arbeitsgeräten und Kulturgütern sind dort auch alte Werkstätten und Wohnungseinrichtungen nachgebaut. Diese zeigen direkt, wie sich das Leben im Bürgertum und im Handwerk in Haselünne entwickelt hat. Anfänglich begann alles mit nur einem Haus als Museum und mittlerweile ist ein ganzes Museumsdorf als Anlage entstanden, welches vom Heimatverein Haselünne gepflegt und geführt wird.

8. Heimatort der Sozialversicherung

Hier in Haselünne wuchs ein Mitbegründer der deutschen Sozialversicherung auf. Zwar war es nicht Otto von Bismarck, der Begründer des Sozialstaates, sondern es war Tonio Bödiker. Dieser war der erste Präsident des Reichsversicherungsamtes unter der Regierung von Bismarck im Deutschen Reich. Geboren wurde er in Meppen und seine Kindheit verbrachte er in Haselünne, bevor er später in Berlin in seinem Amt landete. Dort war er entscheidender Mitbegründer der Berufsgenossenschaft, des ersten Unfallversicherungsgesetzes und der ersten richtigen Sozialversicherung. Unsere heutige Sozialversicherung stammt somit auch aus dem idyllischen Haselünne.

Tonio Bödiker, Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-052-39 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5483488
Tonio Bödiker, Quelle: Bundesarchiv, Bild 146-1990-052-39 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5483488 , Foto: Bundesarchiv

9. Immer eine Zeitreise wert

Alle zwei Jahre wird die Stadt Haselünne im September zurück ins Mittelalter versetzt. Dann feiert die Stadt ihren Korn- und Hansemarkt, welcher an die langwierige Geschichte und Tradition der Kornbrennereien und der Hansestadt erinnert. Diese hat die Stadt über die Jahrhunderte hinweg geprägt. Hierfür wird die Stadt in eine mittelalterliche Tracht geschmückt und die Teilnehmer kleiden sich in traditionelle Gewänder der damaligen Zeit. Es wird gefeiert, gelacht, getanzt und natürlich auch Korn getrunken. Das Fest lockt alle zwei Jahre über 10.000 Besucher aus verschiedenen Regionen an.

Wie der Korn- und Hansemarkt aussieht, könnt ihr hier sehen:

10. Tierische Internetstars

Zu echten Internet-Stars sind in Haselünne Uhus geworden. Dort brütete nämlich ein Uhu Weibchen ihre Eier auf dem Turm der St.-Vincentius-Kirche aus. Dies hatte das Weibchen auch schon 2020 getan. Aus diesem Grund wurde auf der Kirche, neben der Brutstätte, eine Kamera aufgestellt. Das Uhuweibchen und ihre frisch geschlüpften Jungen konnten somit 2020 und 2021 live im Internet auf der Website EMS-IT beobachtet werden und waren die tierischen Internet-Stars. Mittlerweile sind die Uhus ausgeflogen, aber vielleicht kommt das Weibchen im nächsten Jahr schon wieder und brütet und hütet wieder live im Internet.

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