15. Oktober 2021 – Dominic Schmidt

Eiserne Historie

10 Fakten über... Friesoythe

Wusstet ihr, dass in Friesoythe tierische Ausbrecher ihr Unwesen trieben und dass dort die Pest erfolgreich besiegt wurde?

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Luftaufnahme von der Innenstadt von Friesoythe, Foto: Stadt Friesoythe

1. Tierischer Ausbruch

Wir starten direkt mit einer tierischen Geschichte: Am 02. Mai 2021 ging bei der Polizei Friesoythe ein kurioser Notruf ein: Ein Mann meldete, dass er auf der Thüler Kirchstraße in Friesoythe einen ein Meter großen Affen gesehen habe. Als eine Streife dorthin fuhr, fanden sie tatsächlich sogar zwei Affen vor, die auf den Straßenbäumen und auf den Hausdächern herumkletterten. Sogar auf Vogelnistkästen haben sie es sich gemütlich gemacht. Die ungefähr ein Jahr alten Berberaffen waren aus dem umliegenden Tier- und Freizeitpark in Thüle ausgebrochen und auf ihrer Flucht in Friesoythe gelandet. Die geflüchteten Affen konnte die Polizei nicht direkt einfangen, aber schließlich wanderten die Ausbrecher aus Hunger freiwillig und friedlich in ihr Gehege zurück.

2. Warnung aus der Zukunft

Weissagungen für die Zukunft treffen eigentlich so gut wie nie ein. Bei Friesoythe im Jahr 1940 während des Zweiten Weltkrieges jedoch schon. Zu dieser Zeit lebte der Stadtschreiber Theodor Caspar Anton Joseph Wreesmann, der der Legende nach eine Weissagung für die Zukunft getätigt haben soll. So sagte er voraus, dass nach Ende des Zweiten Weltkrieges in der Stadt vom Marktplatz aus auf die Kirche geschaut werden kann. Die bis dahin davorstehenden Gebäude versperrten den Blick. Mit seiner Aussage sollte er Recht behalten: Im Krieg wurde Friesoythe zu über 90 Prozent beschädigt und der Blick auf die Kirche dadurch frei gegeben. Fortan war Wreesmann als der "Seher" bekannt. Das Eintreffen seiner Vorhersagung hat Wreesmann jedoch nicht miterlebt, denn er verstarb schon 1941. Als Andenken befindet sich eine Skulptur des "Sehers" in Friesoythe.

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Statue des "Sehers" von Friesoythe, Foto: Stadt Friesoythe

3. Dauerhafter Verstoß gegen Vorschrift

Zu den kurioseren Attraktionen in Friesoythe gehört ein Verstoß im Stadtpark. Dort wird das ganze Jahr über eine Vorschrift missachtet. Doch das Besondere daran: Der Verstoß wird nicht strafrechtlich verfolgt! An den Fischteichen im Stadtpark steht seit 2008 die Eisenskulptur eines Anglers, an dessen Angelrute ein eiserner Karpfen hängt. Direkt daneben steht ein Schild des heimatlichen Fischereivereins mit der Aufschrift "Angeln verboten", welches der Angler dauerhaft ignoriert. Diese Missachtung wird allerdings als künstlerische Freiheit geduldet und es wird sich nicht eisern an die Durchsetzung der Vorschrift gehalten. Der Angler muss somit keine Strafe befürchten.

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Der eiserne Angler im Stadtpark Friesoythe, Foto: Heinrich Deboi

4. Filmisches Horrorszenario

Im Jahr 2017 gab es im umliegenden Wald von Friesoythe ein wahrliches Horrorszenario. Dort wurde vom 21. bis 26. März in einer einsamen Jagdhütte der Kurzspielfilm "INCUBO" gedreht, ein psychologischer Horrorthriller. In dem Film suchen zwei Geschwister auf der Flucht aus dem Osten Schutz in der Jagdhütte, doch eine mysteriöse Kraft ergreift Besitz von einem von beiden. Sechs Tage lang stand das Filmset und Horrorszenario im Wald von Friesoythe und gestaltete den Wald zu einem wahr gewordenem "Albtraum", wie der Film übersetzt aus dem Italienischen heißt.

5. Per Post in die Vergangenheit

Dank der Post in die Vergangenheit reisen. Diese Möglichkeit gibt es in Friesoythe im Postgeschichtlichem Museum. Dort lassen sich verschiedene Exponate aus der Vergangenheit finden, wie Postuniformen, Briefkästen, Postfahrräder und sogar eine nachgebaute Poststube aus dem anfänglichen 20. Jahrhundert. Auch ein Landesbriefkasten aus dem Jahr 1885 ist hier ausgestellt.

Diesen rettete ein Posthalter in Friesoythe 1885 vor der Verschrottung. Denn die Briefkästen wurden nach Veränderungen der politischen Verhältnisse farblich umgestaltet und die alten Briefkästen deshalb ausgetauscht. Den Landesbriefkasten versteckte der Posthalter auf seinem Dachboden unter Stroh. Aus Angst vor einem Disziplinarverfahren wegen Unterschlagung behielt er diesen während seiner Berufszeit und übergab ihn erst nach seiner Pensionierung an das Museum in Friesoythe.

Außerdem kann auch die technische Entwicklung vom Telegrafen bis zum Telefon im Museum bestaunt werden. Einen Brief oder ein Telegramm in die Vergangenheit könnt ihr von hier aus aber nicht verschicken.

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Der Landesbriefkasten aus dem Jahr 1885 ausgestellt im Postgeschichtlichem Museum Friesoythe, Foto: Postgeschichtliches Museum Friesoythe


6. Schweineschinken als Heilmittel

Eine ganz besondere und einzigartige Methode früheren Pandemiebekämpfung lässt sich hier in Friesoythe finden. Als die Pest im 17. Jahrhundert wütete und sich ausbreitete, wurde ein besonderes "Heilmittel" gegen die Krankheit verwendet - ein Schweineschinken. Um den weiteren Ausbruch der Pest zu verhindern, kam ein Bürger zwischen 1640 und 1670 auf die Idee, dass der Pest etwas Besonderes geboten werden müsse, um diese aufzuhalten und zu verdrängen. Aus diesem Grund hängte er angeblich einen Schinken an seine Eingangstür. Die Pest soll dann dem Mythos zu Folge in Form einer blauen Wolke in den Schinken eingezogen sein, welcher sofort schwarz und unverweslich wurde. Von da an soll die Stadt Friesoythe von der Pest verschont gewesen sein und der nun schrumpelige, fast schwarze "Pestschinken" wird seitdem in einer Vitrine im Rathaus aufbewahrt und ausgestellt.

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Der "Pestschinken" der Stadt Friesoythe, Foto: Stadt Friesoythe

7. Nur zu besonderen Anlässen

Eine der ältesten und noch nutzbaren Stücke der Friesoyther Stadtgeschichte ist die tonnenschwere und über 500 Jahre alte Friedensglocke. Die über eine Tonne schwere Glocke bekam 1935 einen Sprung und war von da nicht mehr zu gebrauchen. Sie stand während des Zweiten Weltkrieges unter Denkmalschutz auf dem Vorplatz der Marienkirche und wurde so vor der Einschmelzung bewahrt. Anlässlich des 700-jährigen Stadtjubiläums wurde die Glocke 2008 von einem bayrischen Fachbetrieb restauriert und wieder zum Klingen erbracht. Nun befindet sich die alte Friedensglocke im Stadtpark von Friesoythe und dient als Mahnmal für den Zweiten Weltkrieg. Die Friedensglocke ertönt mit ihren 500 Jahren alten Klängen nur noch zu besonderen Anlässen, so auch jedes Jahr am ersten Weihnachtsfeiertag zum Friedensgeläut.

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Die Friedensglocke der Stadt Friesoythe im Stadtpark, Foto: Stadt Friesoythe

8. Ein wahrer Straßenheld

Eisernen Mut bewies im Jahr 2012 der Lastkraftwagenfahrer Jürgen Thesing aus Friesoythe auf der A1 in der Nähe von Cloppenburg. Als er mit seiner Freundin und dem LKW auf Tour war, erhielt er über Funk die Nachricht, dass sich ihm ein Geisterfahrer auf seiner Strecke näherte. Er entschied sich dafür, sich mit einem anderen LKW-Fahrer abzusprechen und auf der zweispurigen Autobahn nebeneinander zu fahren, den Verkehr zu verlangsamen und so die Strecke für den Geisterfahrer zu sperren. Als sie den Geisterfahrer stoppten und dieser versuchte im Rückwärtsgang zu fliehen, sperrte ihn Thesing mit seinem Fahrzeug zwischen Leitplanke und LKW ein. Mit seiner Aktion schützte Thesing somit den Verkehr hinter ihm. Für diese Tat erhielt er die Auszeichnung "Held der Straße" im März 2013 ausgezeichnet.

9. Die Stadt aus Eisen

Ganz besonders bekannt ist Friesoythe für die feurige Kunst des Schmiedens. Die Schmiedekunst spielte in der Geschichte der Stadt eine wichtige Rolle und bildete früher den größten wirtschaftlichen Zweig. Das direkte Vorkommen des Rohstoffes Raseneisenerz in der Umgebung war dabei eine wichtige Komponente für die Ausbreitung der Schmiedekunst. Seit 2003 gehört Friesoythe auch dem "Ring der europäischen Schmiedestädte" an und präsentiert sich seitdem als "Eisenstadt". Dies lässt sich auch in der Stadt erkennen, wo überall geschmiedete Statuen und Skulpturen aus Eisen stehen, wodurch die Schmiedekunst immer präsent ist.

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Ein bereits fertig geschmiedeter "Friedensnagel" liegt neben dem Feuer in Friesoythe. 70 Jahre nach Kriegsende treffen sich hier noch weitere Schmiede, um 25 Zentimeter lange Eisennägel zu schmieden und sie anschließend mit der Friedenstaube zu prägen. Damit wollen die Handwerker ein Zeichen gegen den Krieg und für den Frieden setzen. Archiv: 08.05.2015, Foto: picture alliance / dpa

10. Über 800 Jahre alt

Eine der ältesten Kirchen im Oldenburger Münsterland steht im Ortsteil Altenoythe von Friesoythe: Die St. Vitus Kirche. Bereits im 9. Jahrhundert wurde die Urkirche des nordwestlichen sächsischen Lerigaus gegründet und wäre damit über 1000 Jahre alt gewesen. Der jetzige Kirchenbau stammt aus dem 12. Jahrhundert. Verziert wird die romanische Kirche im Inneren durch Wandgemälde, die die Geburt Jesu, die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige und Mariä Himmelfahrt zeigen.

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Die St. Vitus Kirche ist eine der ältesten Kirchen im Oldenburger Münsterland und über 800 Jahre alt, Foto: Stadt Friesoythe

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