30. Oktober 2020 – Maximilian Wilsmann

Wusstet ihr...?

10 Fakten über… Jever

Wusstet ihr, dass "Klosterfrau Melissengeist" aus Jever kommt, es im Ort einen magischen Brunnen gibt und dass das Jever-Bier der persönlichen Kontrolle des Bürgermeisters unterliegt? Hier erfahrt ihr 10 spannende Fakten über Jever, von denen ihr bestimmt noch nichts wusstet!

Die Statue von Fräulein Maria - Jever gilt als Marienstadt
Die Statue von Fräulein Maria - Jever gilt als Marienstadt, Foto: Klaus Nowottnick - stock.adobe.com

Fakt 1: Läuten bis Maria kommt

Jeden Abend läutet in Jever die Marienglocke, im Sommer um 22:00 Uhr, im Winter um 21:00 Uhr. Die Tradition des täglichen Läutens besteht seit 1575, dem Jahr, in dem die damalige Herrscherin Jevers, Fräulein Maria, verschwand. Der Legende nach ist Maria nicht gestorben, sondern in einem unterirdischen Gang im Jeverschen Schlosspark verschwunden. Bis sie wieder auftaucht, läutet in Jever jeden Abend die Marienglocke, die von den Ostfriesen, die während Marias Herrschaft als Feinde galten, erbeutet wurde. Auch den Tod Marias verheimlichte man in Jever, weil verhindert werden sollte, dass Jever wieder von den Ostfriesen eingenommen wird, denn bevor Maria in Jever das Sagen hatte regierten die Feinde aus Ostfriesland bereits über Jever.

Fakt 2: Klosterfrau Melissengeist - ein Kind dieser Stadt!

Die Erfinderin des "Klosterfrau Melissengeists", Maria Clementine Maria, verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit in Jever. Nachdem sie mit 17 Jahren als Nonne ins Kloster ging und später als Krankenschwester auf dem Schlachtfeld von Waterloo gedient hatte, bekam sie vom preußischen König eine jährliche Rente in Höhe von 160 Goldtalern. Mit diesem Geld gründete sie das Unternehmen Klosterfrau Melissengeist. Heute ist eine Straße in Jever nach der Tochter der Stadt benannt.

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Fakt 3: Grausame Attraktion

Es läuft einem kalt den Rücken herunter, wenn man durch Jever läuft und plötzlich den Wüppgalgen entdeckt. Er hängt mitten in Jever und sieht aus, als könnte jede Minute jemand eingeschlossen und grausam unter Wasser getaucht werden. Als der ursprüngliche Wüppgalgen im 18. Jahrhundert erbaut wurde, wurden damit nämlich tatsächlich Straftäter oder Menschen, die für solche gehalten wurden, bestraft. Die Person wurde in dem Käfig eingeschlossen und ins Wasser getaucht - die Länge und Tiefe des Tauchgangs hing von der Schwere der Tat ab. Auch bei mutmaßlichen Hexen wurde der Wüppgalgen verwendet.

Wüppgalgen von Jever. (Foto: Rathaus Jever)
Wüppgalgen von Jever. (Foto: Rathaus Jever)

Fakt 4: Jever, Sie betreten russisches Territorium

Jever gehörte einst zu Russland. Für 21 Jahre, von 1797 bis 1818, regierte die russische Kaiserin Katharina die Große über Jever, weil in den Familien der vorherigen Herrscher die männlichen Nachkommen fehlten. Bereits 1806 versuchten niederländische Truppen, Jever von Russland loszueisen. 1813 fielen auch französische Truppen ein, sodass der russische Kaiser Alexander l. die weit entfernte Enklave 1818 wieder freiwillig an das Großherzogtum Oldenburg abtrat. Zur Erinnerung an die Kosaken, die Jever im Kampf gegen die Niederländer und die Franzosen unterstützten, steht heute ein Kosakenbrunnen in Jever.

Fakt 5: Hier tagt der Kanzler-Bismarck-Fanclub

Einer der bekanntesten Stammtische, bekannt als die "Getreuen von Jever", trifft sich noch heute in Jever. Zurück geht deren Geschichte auf das Jahr 1871, als die damaligen Getreuen von Jever dem damaligen Reichskanzler Bismarck jedes Jahr zum Geburtstag 101 Kiebitzeier schickten. Kiebitzeier deshalb, weil der heute streng geschützte Wiesenbrüter so früh im Jahr brütet und sie als Delikatesse galten, die Bismarck besonders schätzte. Nach 1.313 Eiern - also 13 Jahre später, revanchierte sich der Kanzler bei seinen Fans. Er schickte einem eiförmigen Pokal aus Silber mit Platz für einen Liter Likör unter dem Kiebitzkopf-Deckel nach Jever. Der Pokal steht heut im Getreuenmuseum.

Das Bismarckzimmer im Haus der Getreuen in Jever. Der Stammtisch "Getreuen von Jever" trifft sich auch heute noch. (Foto: Rathaus Jever)
Das Bismarckzimmer im Haus der Getreuen in Jever. Der Stammtisch "Getreuen von Jever" trifft sich auch heute noch. (Foto: Rathaus Jever)

Fakt 6: Das Jever muss dem Bürgermeister schmecken

Wer, wenn nicht er, sollte die Ehre haben, das Jeversche Bier einmal im Jahr auf Geschmack und Qualität zu prüfen? Einmal jährlich, Anfang Oktober, wird dem Bürgermeister oder der Bürgermeisterin von Jever ein Fass des frisch gebrauten Jever zur Prüfung übergeben. Nach der ausgiebigen Probe fasst das Gremium das Ergebnis in einem Urteilsspruch zusammen. Das Urteil des Bürgermeisters wird Vertretern aus Politik und Wirtschaft wenige Tage später von Vertretern des friesischen Brauhauses in Form einer Urkunde überbracht. Für Ordnung muss ein Rumormeister sorgen, der jährlich neu ausgewählt wird. Die Aufgabe, den Rumormeister zu bestimmen, teilt sich der Bürgermeister mit der Leitung des Brauhauses.

Fakt 7: Bezahlen mit Jevergeld

Die Stadt Jever konnte einst auf dem 10-Mark-Schein betrachtet werden. Zu sehen war sie in der vierten Serie im Dreieck mit der Insel Wangerooge und Langwarden in Butjadingen. Die Abbildung geht zurück auf den Mathematiker Carl Friedrich Gauß, der 1825 zu Vermessungsarbeiten in Jever weilte. Gauß, der mit der Landvermessung im Königreich Hannover betraut war, errechnete weite Entfernungen mithilfe der Triangulation: Ist die Länge einer Dreiecksseite bekannt, ergeben sich die übrigen aus der Größe der Winkel.

Fakt 8: Im Brillenbrunnen fließt magisches Wasser

Im Jahr 1986 wurde in Jever bei Bauarbeiten ein sagenumwobener, uralter Brunnen mit einwandfreiem, kristallklarem Wasser gefunden. Die handgeformten Steine der Brunnenmauer ließen sich auf ein Alter von über 300 Jahren datieren. Das Besondere an diesem Brunnen ist: Um ihn rankt sich die Sage, dass sich schon Fräulein Maria von Jever mit dem Brunnenwasser die Augen wusch. Man sagte in alten Zeiten, dass Frauen die ihre Augen mit dem Wasser benetzten, einen ganz besonderen Glanz in den Augen bekämen, der auf das männliche Geschlecht sehr anziehend wirke. Der Optikermeister Rüdiger Babatz, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jevers Traditionen zu pflegen, ließ den Brillenbrunnen zu Ehren dieser Sage errichten. Am 30. Mai 1991 weihte er den neuen Brunnen mit dem Wasser des alten Brunnens ein. Seitdem wird in Jever einmal jährlich ein Brillenbrunnenfest gefeiert.

Der Brillenbrunnen in Jever. (Foto: Rathaus Jever)
Der Brillenbrunnen in Jever. (Foto: Rathaus Jever)

Fakt 9: Darf's etwas zum Tee sein?

In Jever trinkt man Tee – morgens, mittags, abends und zwischendurch. Dazu gibt es nicht selten ein Teegebäck. Die "Echten Leidenschaften", feine, leicht gezuckerte Blätterbrezeln, werden in Jever von einer ortsansässigen Bäckerei nach einem streng geheimen Originalrezept hergestellt und von hier aus in die ganze Welt exportiert. Die "Echten Leidenschaften" werden Brezel für Brezel einzeln von Hand geschlungen. Das Land Niedersachsen hat die Kekse ebenso wie den im Keller des jeverschen Schlosses gereiften Schlossstollen dieser ortsansässigen Bäckerei als "Kulinarische Botschafter Niedersachsens" ausgezeichnet.

Fakt 10: Der Brunnenmeister gibt aus

Was in anderen Orten hin und wieder als Straßenfest stattfindet, hat in Jever feste Tradition: Das Püttbierfest. Der nachbarschaftliche Volksbrauch geht auf die Trinkwasserversorgung aus der Vergangenheit zurück. Am Montag nach dem 6. Januar wählten die Mitglieder jeder Püttacht, also der Region, die von einem Brunnen mit Trinkwasser versorgt wurde, einst ihren Püttmeister (Brunnenmeister). Der amtierende Püttmeister übergab das Püttbuch und die Brunnengeräte an seinen Nachfolger. In das Püttbuch wurden die jährlichen Einnahmen und Ausgaben aufgezeichnet, die während des geschäftlichen Teils der Versammlung durch die Mitglieder jeder Püttacht geprüft wurden. Nach der Rechnungslegung beglaubigte jedes Mitglied sein Einverständnis mit seiner Unterschrift. Anschließend folgte der gemütliche Teil mit dem Feiern des eigentlichen Püttbierfestes. Auf Kosten des neuen Püttmeisters wurde gefeiert und es wurden Püttbierlieder gesungen. Diese Tradition besteht auch heute noch.

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