01. April 2021 – Jenny Pelzer

Wusstet ihr... ?

10 Fakten über… Braunlage

Eine verfluchte Kapelle, der Pionier der Skifahrer und Setzbügeleisen schießen - diese und sieben weitere spannende Fakten über Braunlage lest ihr hier.

Fakt 1: Der erste Skifahrer im Harz

Habt ihr schon einmal etwas von Oberförster Arthur Ullrichs gehört? Nein? Aber ihr kennt die Oberförster-Ulrichs-Straße in Braunlage? Wir verraten euch, wie die Straße zu ihrem Namen kam: Oberförster Arthur Ullrichs war der erste Skifahrer im Harz. Im Jahr 1838 sollte er nach einem Wintersturm im Wald die Schäden ermitteln, was zu Fuß jedoch schlichtweg unmöglich war. Nach einer Vorlage der "Gleitbretter" aus Norwegen ließ er sich Skier anfertigen und schnallte sie sich mit einer Riemenbindung einfach unter die Füße, um so problemlos die Wälder zu befahren. Daraufhin erlebte der Wintersport einen großen Aufschwung und Oberförster Ullrich wurde zu einem der Gründungsmitglieder des ältesten noch existierenden Wintersportvereins, dem WSV Braunlage von 1892.

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Fakt 2: Sport und die Liebe zum Setzbügeleisen

Kennt ihr schon das "Setzbügeleisen-Eisschießen"? Diese seltene Sportart gibt es nur im Oberharz. Ähnlich dem Eisstockschießen wird versucht aus gewisser Entfernung ein Ziel zu treffen. Hierfür verwendet ihr Großmutters Setzbügeleisen als Sportgerät. Vor mehr als hundert Jahren endeckten so auch die Großväter die Liebe zu den Bügeleisen.

Wenn euch der Bügeleisensport nicht so zusagt, hat Braunlage noch andere Eissportarten zu bieten. Die Eishockey Mannschaft "Harzer Falken" hat viele verschiedene Mannschaften, die teilweise sogar in der zweithöchsten Spielklasse unterwegs sind. 2020 wurden die Senioren Meister in der Regionalliga Nord. Aber nicht nur die Männer sind hier sportlich aktiv! Die Frauen nehmen sogar an der Bundesliga teil und konnten hier schon einige Erfolge feiern.

Das Wurmbergeisstadion ist das Heimatstadion in Braunlage und hat neben der Austragung der Eishockeyspiele noch mehr zu bieten. Ihr könnt dort selbst aktiv werden und Schlittschuh fahren, an der Eisdisco teilnehmen oder selbst lernen, wie ihr Eishockey spielt. Und wer weiß, vielleicht sieht man euch dann demnächst im Team der "Harzer Falken"?

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Fakt 3: Dornröschen-Dorf Braunlage

Mit seinen rund 6.000 Einwohnern ist Braunlage ein recht beschaulicher Ort, der aber pro Jahr die stolze Summe von rund 1.000.000 Übernachtungen verzeichnet. Bei einer durchschnittlichen Schlafdauer von 8 Stunden pro Nacht kommen so insgesamt 292 Millionen Stunden "Touristen-Schlaf" zusammen. Würden die Braunlager diese Stundenzahl selbst "erschlafen" wollen, müssten sie insgesamt 16,6 Jahre am Stück schlafen - und würden gerade einmal die Touristenübernachtungen eines Jahres kompensieren.

Fakt 4: Aus dem Krieg in die Kirche

Was würdet ihr sagen, wenn das Taufbecken in eurer Kirche aus Kriegsmaterial besteht? In der Braunlager Trinitatiskirche ist genau das der Fall. Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Metalle und Edelmetalle zu Rüstungszwecken eingezogen, ebenfalls verschwanden in den Kriegswirrungen häufig wertvolle Gegenstände. Dieses Schicksal ereilte auch Taufgeschirr der Braunlager Kirche. Um es zu ersetzen, ging der damalige Pfarrer Kiel ganz pragmatisch vor: Da sich in den letzten Kriegstagen in und um Braunlage deutsche und US-amerikanische Panzer beschossen, fanden sich entsprechend viele Geschosshülsen in der Umgebung. Aus diesen ließ der Pfarrer eine Taufschale für das Taufbecken sowie eine Wasserkanne anfertigen. Die entsprechende Inschrift der Gegenstände erinnert noch an den Zweiten Weltkrieg: "Metall, einst bestimmt zum Vernichten und Töten, dient nun zur Aufnahme in die christliche Gemeinschaft."


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Fakt 5: (K)eine Apotheke für Braunlage

Man mag es kaum glauben, aber es ist wahr! Braunlage besaß lange Zeit keine Apotheke. Erst als sich ein Minister aus Braunschweig 1890 beim Verlassen seines Wanderquartiers in Braunlage den Fuß brach, wurde das thematisiert. Der behandelnde Arzt erklärte ihm nämlich, dass das nötige Verbandszeug erst aus dem 12 Kilometer entfernten Stankt Andreasberg geholt werden müsse, was damals um die 5 Stunden dauern würde. Aufgrund dessen entschied dieser Minister, sich für die Einrichtung einer Apotheke stark zu machen.

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Fakt 6: In Braunlage sind nicht nur die Wiesen grün

Könnt ihr euch vorstellen, auf zwei schmalen Holzbrettern in 190 Meter Tiefe zu fahren? Um Braunlage mit Strom zu versorgen, ist das nötig. Denn in der Grube Samson im Nachbarort Sankt Andreasberg, befindet sich die weltweit letzte betriebene Fahrkunst. Das war der Fahrstuhl der Bergleute, der durch Wasserkraft betrieben wurde. Auch heute fahren die Mitarbeiter der Harz Energie noch immer auf den schmalen Brettern in bis zu 190 Meter Tiefe, um die Wasserkraftwerke instand zu halten. Somit wird jährlich mehr als 70 Prozent des Energiebedarfs aus Wasserkraft für Braunlage und Sankt Andreasberg umweltfreundlich selbst generiert. Die Grube Samson ist inzwischen ein Bergwerksmuseum und Erlebniszentrum, wo ihr auch an Führungen teilnehmen könnt.

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Fakt 7: Das Geheimnis des Kapellenflecks

3,5 Kilometer südlich von Braunlage, mitten im Wald am Kaiserweg, findet ihr den Kapellenfleck von Braunlage. Einer Sage nach sorgte ein Fluch der Heiligen Jungfrau dafür, dass die einst hier errichtete Kapelle nur an wenigen Tagen im Jahr sichtbar war. Denn die Menschen hatten den heiligen Ort in eine "Mördergrube" verwandelt, einen Schlupfwinkel unter der Erde, in dem sich Räuber und Mörder versteckten und wurden deshalb verbannt. Ein Bergmann, der sich in der Nähe dieses Ortes aufhielt wusste nichts von diesem Fluch und hörte ein Glöckchen läuten. Er sah die verfluchte Kapelle, vor der bunte Zelte standen und eine feiernde, laute Volksmenge empfing ihn. Der Bergmann betrat die Kapelle zum Beten und legte an der Kirchentür sein Handwerkszeug ab. Axt, Schlegel, Eisen und Grubenlicht waren seine stetigen Begleiter. Nachdem er sein Gebet gesprochen hatte und die Kapelle verließ, war sein Werkzeug verschwunden. Unter dem Spott der anwesenden Menschen suchte er seine letzten Taler zusammen und kaufte sich neues Werkzeug. Mit wenigen Pfennigen Restgeld und seinem neuen Werkzeug in der Tasche zog er weiter. Zuhause angekommen war die Überraschung groß. Denn sein neues Werkzeug glänzte, es war aus purem Gold! So hat ihm sein Besuch am Kapellenfleck großes Glück beschert.

Wenn ihr den "Kappellenfleck" heute seht, erinnert nichts an eine Kapelle, stattdessen seht ihr nur einen kleinen Rastplatz im Wald. Allerdings haben Ausgrabungen am Kapellenfleck im 19. Jahrhundert einen kirchenartiger Grundriss freigelegt.

Fakt 8: Über 19.500 Bäume für Braunlage

Im Oktober 2020 haben Freiwillige fast zwei Wochen lang über 19.500 Bäume im Bereich des Wurmbergs in Braunlage gepflanzt. Damit hat die Zahl der Baumsetzlinge in dieser Zeit die Zahl der Braunlager Bewohner fast um das vierfache überstiegen. Was romantisch und idyllisch klingen mag, hat einen ernsten Hintergrund: Aufgrund der drei letzten heißen Sommer und dadurch entstandener Trockenschäden und starker Borkenkäferbefalle sind über 4.000 ha Wald im Niedersächsischen Forstamt Lauterberg abgestorben, über 200 ha Wald davon im Braunlager Bereich des Wurmbergs.

Fakt 9: Die längste Seilbahn Norddeutschlands

Ihr kennt den Wurmberg? Oder ist er euch vielleicht besser bekannt als Wormberch, Wormsberg oder Wormberg? So wurde der höchste Berg von Niedersachsen nämlich früher genannt. Der Wurmberg ist mit 971,2 m ü. NHN (Normalhöhennull über dem Meeresspiegel) der höchste Berg in Niedersachsen, weshalb Braunlage auch sein Wahrzeichen in dem Berg gefunden hat. Das Besondere ist, dass ihr den Wurmberg ganz gemütlich innerhalb von 12 Minuten "erklimmen" könnt - und zwar mit der längsten Seilbahn Norddeutschlands, die eine Länge von 2.800 Metern hat. Oben angekommen könnt ihr den Ausblick vom höchsten Berg Niedersachsens genießen, den Streichelzoo besuchen oder euch in eines der Restaurants setzen und euch stärken. Wenn ihr lieber zu Fuß gehen möchtet, schafft ihr es in rund 1,5 Stunden auf den Gipfel.

Fakt 10: Partnerstadt Touques

Seit 1965 betreiben Braunlage und St. Andreasberg eine Städtepartnerschaft mit Tougues, einer Gemeinde in Frankreich. Viele private Kontakte entstanden, sodass einige junge Leute Praktika in der jeweiligen Partnerstadt durchgeführt haben. Eine junge Französin bekam sogar eine Festanstellung. Vor allem haben Schulabgänger vor Aufnahme des Studiums einige Monate in der Partnerstadt verbracht, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Es hatte sich eine tiefe Freundschaft entwickelt, sodass seit 1967 regelmäßige Treffen stattfanden, die bis heute anhalten.

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