09. September 2020 – Lea Biskup

Gemüse-Recycling für zuhause

So funktioniert Regrowing!

Aus den Resten von Gemüsesorten könnt ihr dank "Regrowing" ganz einfach neue Pflanzen heranziehen! Mit dieser Art des Gemüse-Recyclings schont ihr nicht nur euren Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Und mit den richtigen Gewächsen macht "Regrowing" sogar richtig Spaß! Wir haben es für euch auf "Einsteiger-Level" ausprobiert.

Was für unsere Großeltern noch selbstverständlich war, aber über die Jahre leider in Vergessenheit geriet, erlebt heute in Zeiten von bewussterem und nachhaltigerem Umgang mit Lebensmitteln sein Comeback: Das Nachwachsen lassen von Gemüse aus dessen Resten, auch als "Regrowing" (aus dem englischen für "nachwachsen") bezeichnet.

Einige Gemüsesorten sind bestens für den Einstieg ins Regrowin“ auf der eigenen Fensterbank geeignet. Sie benötigen keine außergewöhnlichen Temperaturen, Licht- oder Luftfeuchtigkeitsverhältnisse. Und das Beste ist: Ihr könnt quasi dabei zuschauen, wie die Pflanzen nachwachsen! Die Fortschritte sind tatsächlich täglich sichtbar.

Besonders gut für den Anfang eignen sich beispielsweise:

  • Frühlingszwiebeln
  • Lauch/Porree
  • Stangensellerie
  • Meerrettich
  • Romana Salat
  • Rote Bete

Aber auch Pilze, Kartoffeln, Zwiebeln und weitere Gemüsesorten, die bei uns häufig verwendet werden, können mit Regrowing neu herangezogen werden. Wir haben uns als blutige Regrowing-Anfänger einmal an Frühlingszwiebeln, Lauch und Romana Salat versucht und die Entwicklung in der ersten Woche für euch festgehalten.

Für Regrowing benötigt ihr:

  • Pflanzen, die für Regrowing geeignet sind – unsere Exemplare stammen aus dem Supermarkt um die Ecke. Ob ihr für das Projekt Bio-Produkte verwendet oder nicht, macht für das Nachwachsen lassen keinen Unterschied
  • Gläser
  • Ein Plätzchen, z. B. auf der Küchenfensterbank mit durchschnittlichen 20-25 Grad Celsius, trocken und hell (nicht zwingend sonnig)
  • für später: Einen Topf mit Erde gefüllt

Regrowing-Versuchsobjekt 1: Frühlingszwiebeln

(Fotos: Antenne Niedersachsen)
(Fotos: Antenne Niedersachsen)

Schneidet das untere, weiße Ende der Frühlingszwiebel mit den Wurzeln daran bei etwa 5 Zentimetern gerade ab und stellt es in ein mit Wasser gefülltes Glas. Das Wasser sollte nicht zu hoch stehen – es reicht, wenn die Wurzeln damit bedeckt sind. Alles, was ihr nun tun müsst, ist mindestens jeden zweiten Tag das Wasser auswechseln und der Rest passiert von ganz allein!

Schon einen Tag später sollte in der Mitte eine erste Erhebung zu sehen sein, die in den nächsten Tagen als neuer "Stängel" fleißig in die Höhe wächst. Sollte nach zwei Tagen noch keine Veränderung zu sehen sein, wird wahrscheinlich auch nichts mehr passieren – dann könnt ihr diese Pflanze am besten direkt gegen eine neue austauschen.

Bei normalem Verlauf bilden sich nach ca. fünf bis sieben Tagen neben dem gewachsenen Stängel die ersten neuen Triebe. Dann ist es Zeit, euren Setzling in Erde einzupflanzen, wo er munter weiter wächst. Wenn ihr ihn bei ausreichender Größe aberntet, könnt ihr natürlich mit dem Ende des neuen Gewächses wieder genauso vorgehen und die nächste Generation Frühlingszwiebel heranziehen.

Regrowing-Versuchsobjekt 2: Lauch

(Fotos: Antenne Niedersachsen)
(Fotos: Antenne Niedersachsen)

Auch hier schneidet ihr einfach das untere, weiße Ende der Lauchstange mit den Wurzeln dran bei etwa 5 Zentimetern gerade ab und stellt es in ein mit Wasser gefülltes Glas. Das Wasser sollte nur die Wurzeln bedecken. Jetzt solltet ihr lediglich jeden zweiten Tag das Wasser auswechseln, den Rest macht der Lauch selbst.

Schon am nächsten Tag sollte in der Mitte eine Erhebung zu sehen sein, die in den nächsten Tagen fleißig in die Höhe wächst und weitere Blätter mitzieht. Sollte nach zwei Tagen noch immer keine Veränderung zu sehen sein, wird wahrscheinlich auch nichts mehr passieren – tauscht diese Pflanze am besten gegen eine neue aus.

Nach circa sieben bis zehn Tagen könnt ihr euren herangewachsenen Setzling in Erde einpflanzen, damit er dort weiter wachsen und Wurzeln bilden kann. Wenn ihr ihn bei ausreichender Größe aberntet, könnt ihr auch hier mit dem Ende des neuen Gewächses auf die gleiche Weise die nächste Generation Lauch heranziehen.

Regrowing-Versuchsobjekt 3: Romana Salat

(Fotos: Antenne Niedersachsen)
(Fotos: Antenne Niedersachsen)

Schneidet den unteren Teil eines Romana Salatherzens bei etwa 5-7 Zentimetern gerade ab. Wenn das Ende des Strunks unterhalb der Blattansätze schon sehr braun ist, könnt ihr davon eine dünne Schicht ringsum abschneiden, bevor ihr das Pflanzenende in ein mit Wasser gefülltes Glas stellt. Achtet darauf, dass das Wasser nur den Strunk und nicht die übrig gebliebenen Blattansätze bedeckt. Mindestens jeden zweiten Tag solltet ihr das Wasser auswechseln, das war es in Sachen Pflege dann auch schon.

Einen Tag später sollten in der Mitte die ersten kleinen Blätter nachwachsen, aus denen sich in den Folgetagen richtige Salatblätter entwickeln.

Sollte nach zwei Tagen noch keine Veränderung zu sehen sein, wird wahrscheinlich auch nichts mehr passieren – tauscht diese Pflanze am besten direkt gegen eine neue aus.

Bei normalem Verlauf bilden sich nach ca. zwei Wochen am Strunk kleine neue Wurzeln – für euch das Zeichen, euren Setzling in Erde einzupflanzen, wo er dann munter weiterwachsen kann. Und wenn ihr ihn bei ausreichender Größe aberntet, könnt ihr mit dem Ende des neuen Gewächses direkt die nächste Generation Salat heranziehen.

Do it yourself!

Probiert es aus! Ihr werden sehen, Gemüse-Recycling ist ganz einfach. Mit etwas Erfahrung und Geduld gelingen euch irgendwann vielleicht sogar Süßkartoffeln, Ingwer oder Ananas. Das Regrowing mit diesen Sorten ist allerdings deutlich aufwändiger und zeitintensiver – so können schon mal ein paar Jahre bei optimalen Temperaturen und Lichtverhältnissen vergehen, bis die Ananas eine neue Frucht trägt.

Deshalb erst einmal viel Spaß mit Frühlingszwiebel & Co.!

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