13. August 2021 – Jana Niebuhr

Wusstet ihr...

10 Fakten über... Hoya

Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya liegt mit ihren insgesamt knapp 17.000 Einwohnern, verteilt in den zehn Mitgliedsgemeinden, am nördlichen Zipfel des Landkreises Nienburg (Weser). Hättet ihr gewusst, dass es dort Orte ohne Straßennamen gibt oder dass Hoya einmal so groß war wie das Saarland? Noch mehr interessante Fakten könnt ihr hier lesen.

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Foto: picture alliance/dpa

1. Die Mitte Niedersachsens

In der Mitgliedgemeinde Hoyerhagen kann man ihn zwischen Felder und Wiesen finden: Den Mittelpunkt Niedersachsens. Die geographische Mitte Niedersachsens wurde im Jahr 2003 mit der Bestimmung des nördlichsten Punktes Niedersachsens bei Cuxhaven, dem südlichsten Punkt bei Staufenberg im Landkreis Göttingen, dem westlichsten Punkt bei Vennebrügge im Landkreis Grafschaft Bentheim und dem östlichsten Punkt bei Schnackenburg/Elbe im Landkreis Lüchow-Dannenberg berechnet. Sie wird gekennzeichnet durch einen extra angefertigten Stein. Hier wird im Frühjahr eine Fahne gehisst, während dabei traditionell das Niedersachsenlied gespielt wird. Bis zum Herbst flattert dann die Niedersachsenflagge zusammen mit dem Wappen Hoyerhagens als zusätzliches Kennzeichen für Niedersachsens Mitte.

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Die geographische Mitte Niedersachsens liegt mitten in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Quelle: Antenne Niedersachsen / Jana Niebuhr

2. Kurze Kreuzfahrt gefällig?

Die Weser schlängelt sich durch die Grafschaft Hoya und einige der umliegenden Gemeinden wie ein blauer Wurm. Der einzige Weg über den Fluss befindet sich augenscheinlich bei der Weserbrücke in Hoya. Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit die Weser zu überqueren. Und zwar mit einer der letzten Fähren der Mittelweser. Dies dauert zwar ein paar Minuten länger, aber dafür lernt ihr die Weser von einer ganz anderen Seite kennen. Dieser besondere Weserübergang zwischen Gandesbergen und Schweringen wurde in der Vergangenheit hauptsächlich für den landwirtschaftlichen Verkehr genutzt. Mittlerweile ist die Weserfähre Schweringen aber ein wahrer Touristen-Magnet geworden.

3. Wer braucht schon Straßennamen?

Ob ihr's glaubt oder nicht, es gibt tatsächlich Ortschaften ohne Straßennamen. Eine der letzten Gemeinden ohne Straßennamen ist die Mitgliedgemeinde Hilgermissen der Samtgemeinde Hoya. Die Adressen sind zusammengesetzt aus Dorfnamen und Hausnummer, zum Beispiel "Wechold 3". Wechold ist einer der Orte in der Gemeinde Hilgermissen. Die Hausnummern werden nach Zeitpunkt der Erbauung verteilt. Das älteste Haus in jedem Dörfchen der Gemeinde trägt demnach die Nummer 1 als Hausnummer. 2019 fand nach einigen Diskussionen eine Abstimmung über die Straßennamen statt. "Zweigeteilt" ist ein gutes Wort, um das Ergebnis der Wahl zu beschreiben. Doch am Ende blieben mit rund 60% Mehrheit die alten Adressen bestehen.

4. Die Grafen von Hoya - eine Geschichte des Größenwahns

Anders als die meisten Kleinstädte hat Hoya eine Geschichte voller Grafen, Schlösser und Sagen. Und die Geschichte der Grafen ist sogar recht eindrucksvoll. Wie genau die Grafen nach Hoya kamen, ist nur sagenhaft übermittelt, aber ab 1202 steht mit Heinrich, Sohn des Friesen, der erste Graf von Hoya urkundlich fest. Über die nächsten mehr als 100 Jahre hat sich die Grafschaft Hoya sehr ausgeweitet. Zuerst wurde die Freigrafschaft Nienburg gekauft. Und obwohl das zu Auseinandersetzungen mit dem Bistum Minden führte, wurde nicht aufgehört sich auszuweiten. Steyerberg, Libenau und Stolzenau gehörten bald im Süden dazu. Auch im Norden wurde einiges mit aufgenommen, die Grafen kauften und kauften. Nördlich reichte die Grafschaft zu ihrer größten Zeit bis nach Bremen, südlich dann bis nach Minden heran. Im Westen wurde sie von den Grafschaften Diepholz und Oldenburg begrenzt, im Osten von der Weser. Damit ergibt sich zu Hochzeiten ein Gebiet, dass mit 2.250 Quadratkilometern etwa so groß war wie das heutige Saarland. Heute hat die Samtgemeinde Grafschaft Hoya nur noch eine Fläche von ungefähr 215 Quadratkilometern.

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Das ehemalige Grafenschloss steht unter Denkmalschutz und wurde auf den Grundrissen einer mittelalterlichen Burg gebaut., Foto: picture alliance/dpa

5. "Die Zwerge im Schlosse zu Hoya"

Passend zu der Geschichte der Hoyaer Grafen, gibt es eine Sage, die in der Samtgemeinde wahrscheinlich schon jeder mal gehört hat. Wer schon einmal in Hoya war, hat bestimmt auch schon den Zwergenbrunnen in der Innenstadt gesehen. Die Zwerge stehen in der Mitte des Brunnen und halten verschiedene Gegenstände in den Händen. Einen Rind, ein Schwert und ein Tuch. Passend dazu geht die Sage "Die Zwerge im Schlosse zu Hoya" so:

In einer Nacht kam ein kleines Männlein zum Grafen von Hoya. Dieser erschrak, doch das Männchen sagte: "Fürchte dich nicht und höre meine Bitte an: In der nächsten Nacht möchten ich und meine Gesellen in diesem Schloss feiern. Niemand außer dir soll davon wissen. Es wird niemandem im Schloss etwas Böses geschehen und wir Zwerge werden dir und deinem Geschlecht bis in alle Zeit dankbar sein." Der Graf stimmte zu, weil er mit dem Zwergenvolk gut gestellt sein wollte. In der nächsten Nacht kamen viele Zwerge ins Schloss und aßen und feierten. Am Morgen danach kam der gleiche Zwerg wieder zu dem Grafen und bedankte sich herzlich. Er überreichte dem Grafen drei Geschenke: Ein Schwert, ein Salamanderlaken und einen Ring mit einem roten Stein, in den ein Löwe geschnitten war. Dazu sagte er: "Den goldenen Ring, das Salamanderlaken und das Schwert sollst du gut verwahren und deine Nachkommen auch, denn solange diese drei beieinander bleiben, wird es um die Grafschaft wohl stehen. Geht aber eins davon verloren, werden Unglück und Zwietracht über das gräfliche Haus kommen." Lange verwahrten die Hoyaer die Geschenke sicher und mit Sorgfalt. Auffällig war, dass wenn ein Graf von Hoya starb, der rote Löwe in dem Ring kurz ganz blass wurde. Unter der späteren Regentschaft von Graf Jobst von Hoya und seinen Brüdern gingen das Salamanderlaken und das Schwert für immer verloren. Daraufhin stritten sich die Brüder und es kam zum Krieg. Dem letzten Grafen von Hoya legte man den Ring mit ins Grab. Es gibt auch einige Stimmen, die meinen, dass das Gelb und Schwarz in der Hoyaer Fahne auf das Salamanderlaken zurückzuführen sind.

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Die Zwerge am Brunnen halten jeder eines der Geschenke für den Grafen in den Händen. Quelle: Antenne Niedersachsen / Jana Niebuhr

6. Radioaktives Eitzendorf?

Schon seit vielen Jahren wird ein Standort für ein Atommüllendlager gesucht. Kurzzeitig stand Gorleben als Endlagerstandort fest, doch dem ist jetzt nicht mehr so. Seit 2020 steht ein Ort der Grafschaft Hoya als möglicher Standort auf einem Zwischenbericht mit Teilgebieten der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BEG): Eitzendorf in der Gemeinde Hilgermissen. Der Grund dafür liegt unter der Erde. Unter der Geländeoberkante, in 420 bis 1500 Metern Tiefe, liegt ein knapp 13 Kilometer langer Salzstock. Insgesamt sind in dem Bericht 90 Teilgebiete in ganz Deutschland aufgelistet. Eitzendorf hat also noch eine reelle Chance nicht als Atommüllendlager zu enden, zumal der Salzstock schon zweimal zuvor auf eine mögliche Eignung geprüft wurde und jedes Mal ausgeschieden ist.


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7. Entlang der Weser

Vielleicht wart ihr sogar schon einmal in der Grafschaft Hoya, ohne es zu wissen! Bei einer Gesamtstrecke von 500 Kilometern kann man bei den vielen Orten, die man auf dem Weser-Radweg durchfährt, schon einmal durcheinander kommen. Der Radweg gehört zu den beliebtesten Radfernwegen Deutschlands. Auf der Etappe von Nienburg (Weser) nach Verden (Aller) könnt ihr durch einige Mitgliedgemeinden Hoyas und schließlich auch durch die Kleinstadt selbst fahren. Damit ihr die Grafschaft Hoya bei eurer nächsten Radtour direkt erkennt, solltet ihr Ausschau nach dem Grafenschloss an der Weser in Hoya oder der Stiftskirche in Bücken halten. Auch an der Windmühle Margarethe in der Ortschaft Eystrup oder an dem noch betriebenen Laufwasserkraftwerk in Wienbergen, am Rande der Samtgemeinde Hoyas, könnt ihr stets erkennen, dass ihr in der Grafschaft seid.

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Der Weser-Radweg verläuft mit einer Länge von 520 Kilometern zwischen Hann. Münden im Weserbergland und Cuxhaven an der Nordsee., Foto: picture alliance/dpa

8. Von Landkreis zu Samtgemeinde mit zwei Rathäusern

Die Samtgemeinde Grafschaft Hoya hat zwei Rathäuser. Und das, obwohl sie nicht einmal besonders groß ist mit ihren 215 Quadratkilometern Fläche. Wie kam es also dazu?

Aktuell ist die Samtgemeinde Hoya dem Landkreis Nienburg (Weser) zugehörig. Das war aber nicht immer so. Bis 1974 war Hoya sogar ein eigener Landkreis. Von 1974 bis 2009 lag die Samtgemeinde Grafschaft Hoya neben der Samtgemeinde Eystrup, bis sich schließlich alle zehn Gemeinden und die Samtgemeinderäte dazu entschieden, zu fusionieren. Jetzt gibt es nur noch die Samtgemeinde Grafschaft Hoya mit ihren zehn Mitgliedsgemeinden. Aber eine Sache ist nach der Fusion geblieben: Zwei Verwaltungssitze. Ein Rathaus steht in Eystrup, eins in Hoya.

9. Die Schweckendieckstraße

Mitten in Hoya liegt die Schweckendieckstraße. Man könnte denken, es handelt sich um eine völlig normale Straße. Die Geschichte hinter diesem Straßennamen ist allerdings alles andere als normal. Sie ereignete sich im Jahr 1782 in Gibraltar:

Schweckendieck wurde am 3. Mai 1745 in Hoya geboren. Im Jahr 1775 trat er in das hannoversche Bataillon de la Motte in Verden ein. Der englische König Georg III benötigte Verstärkung im Freiheitskampf der US-Kolonien und da er auch Kurfürst von Hannover war, schickte er das Bataillon mit Schweckendieck nach Gibraltar. Dort war die Lage sehr ernst. Spanien und Frankreich belagerten zu Land und zu Wasser die Festung an der Meerenge zwischen Spanien und Afrika, welche die Briten 1704 eroberten. Im Jahr 1782 kam dann Schweckendiecks großer Moment: Die Briten befanden sich in einer brenzligen Lage, sie waren von Reserven abgegrenzt, in der Festung herrschten Hunger und Krankheit. Die Franzosen machten sich für einen Angriff bereit, doch Schweckendieck hatte eine besondere Idee. Der hauptberufliche Nagelschmied erfand einen Ofen, in dem Eisenkugeln schnell und in hoher Zahl erhitzt werden konnten. Die Briten feuerten die heißen Schweckendieck-Kugeln auf die Belagerungsschiffe und Geschützplattformen, welche zu brennen begannen. So konnten die Briten die große Belagerung durchbrechen.

Schweckendieck kehrte noch im gleichen Jahr in seine Heimat zurück. Der Dank des britischen Königreichs fiel mit einer erhöhten Pension und einem lobenden Schreiben eher bescheiden aus. Heute ist in Gedenken an ihn eine Straße in Hoya benannt.

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Nach dem Nagelschmied Schweckendieck wurde in Hoya eine Straße benannt. Quelle: Antenne Niedersachsen / Jana Niebuhr

10. Einmal wieder im Mittelalter

Jedes Jahr wieder kann man in Hoya in das mittelalterliche Leben eintauchen. Der Katharinenmarkt findet um das Kulturzentrum Martinskirche statt. Es gibt keine technischen Geräte, jeder schlüpft in eine besondere altertümliche Rolle und selbst das Essen wird nach mittelalterlichen Rezepten angefertigt. Eine wahre Tradition der Grafschaftsbürger.

Die Geschichte hinter dem Katharinenmarkt beginnt mit der Tochter Katharina des Grafen Otto III. Im Jahr 1400 wurde sie im Schlosse zu Hoya geboren. Zwölf Jahre später wurde sie im Kloster Wienhausen bei Celle zur Äbtissin erwählt. Ihre Eltern waren sehr froh darüber, zumal sie außerdem einen Besuch in der Heimat angekündigt hatte. Graf Otto III. verfügte daraufhin einen Markt zu Ehren seiner Tochter Katharina. Darum wird der mittelalterliche Markt auch heute noch Katharinenmarkt genannt.

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