29. September 2020 – Maximilian Wilsmann

Laub, Liebe, Lebkuchen

Erstaunliche Fakten zum Herbstanfang

Wusstet ihr dass sich die Erde im Herbst schneller dreht? Nein? Wir auch nicht! Oder dass euch der Oktober die Zukunft voraussagen kann? Diese und weitere spannende Fakten zum Herbst lest ihr hier.

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Die Erde dreht sich im Herbst schneller

Unglaublich, aber wahr: Wenn auf der Nordhalbkugel Herbst ist, dreht sich die Erde schneller. Grund dafür sind die Blätter, die von den Bäumen fallen. Das Laub, das auf unseren Böden liegt, rückt mit seinem Gewicht näher an die Erdachse heran und sorgt so für eine messbare Beschleunigung der Erdumdrehung. Vorstellen könnt ihr euch das wie bei einer Pirouette beim Eiskunstlauf: Zieht der Eiskunstläufer seine ausgestreckten Arme bei der Pirouette zum Körper hin, wird die Drehung immer schneller und schneller. Das Phänomen, das Physiker "Drehimpulserhaltung" nennen, sorgt auch im Herbst dafür, dass sich unsere Erde im Herbst etwa eine tausendstel Sekunde schneller als im Sommer dreht.

Absolutes Herbst-Insiderwissen: Die Erde dreht sich nur in unseren Wintermonaten schneller! In den unseren Sommermonaten ist das nicht der Fall. Gründe dafür sind, dass es auf der Südhalbkugel in Afrika, Australien und Südamerika weniger Waldflächen gibt als bei uns und dass das Laub dort nicht von den Bäumen fällt. Die dortigen Waldflächen sind überwiegend Tropenwälder, die Laub über das ganze Jahr hinweg austauschen. So entsteht gar nicht erst die große Laubmenge, die zu Boden fällt. Bei uns liegt diese Laubmenge immerhin bei 14 bis 18 Millionen Tonnen ;-)

Warum gibt es zwei Daten für den Herbstanfang?

Wann ist denn nun der offizielle Herbstanfang? Klar ist: In unseren Kalendern stehen zwei unterschiedliche Daten für den Herbstanfang. Einmal den meteorologischen (auch "klimatologischen Herbstanfang") am 01. September und einmal den kalendarischen Herbstanfang, der in Deutschland und auf der gesamten Nordhalbkugel 2020 am 22. September beginnt.

Der meteorologische Herbstanfang fällt mit dem 01. September immer auf den ersten Tag des Monats. Der Grund dafür ist simpel: Mit Hilfe der meteorologischen Jahreszeitenanfänge soll jeder der vier Jahreszeiten eine feste Länge gegeben werden, damit einheitliche Wetter- und Klimaaufzeichnungen und Vergleiche über größere Zeiträume möglich und einfacher sind.

Der kalendarische Herbstanfang fällt dieses Jahr auf den 22. September und variiert von Jahr zu Jahr. Das liegt daran, dass sich der kalendarische Herbstanfang nach der Herbst-Tagundnachtgleiche und dem Stand der Sonne orientiert. Während der Tagundnachtgleiche sind der Tag und die Nacht in etwas gleich lang. Das trifft im Jahr auf insgesamt zwei Kalendertage zu, wenn die Sonne über den Äquator auf die Südhalbkugel wandert und dort den Frühling einleitet sowie ein halbes Jahr später, wenn die Sonne erneut über den Äquator wandert und auf die Nordhalbkugel zurückwandert, um bei uns den Frühling einzuleiten.

Liebeshoch im Herbst

Von wegen Frühlingsgefühle! In Deutschland werden die meisten Kinder in den Monaten Juni bis September geboren. Wenn wir die Dauer einer Schwangerschaft als Rechengrundlage nehmen, bedeutet das, dass die meisten Kinder in den Herbstmonaten gezeugt werden. Ein Hoch also auf diese Kuschel-Jahreszeit! ;-)

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Mythos: Das kalte Herbstwetter macht krank

Falsch! Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen sinkenden Temperaturen und steigenden Erkältungszahlen. Denn Kälte allein löst noch keine Erkältung aus. Aber aufgepasst! Nässe und Kälte schwächen unsere Abwehrkräfte sowie unser Immunsystem. Dadurch haben Viren und Bakterien deutlich leichteres Spiel: Sie sind die wahren Übeltäter, die im Herbst für (grippale) Infekte und Erkältungen sorgen. Wenn uns kalt ist, ziehen sich unsere Blutgefäße zusammen und bestimmte Regionen unseres Körpers werden weniger durchblutet, wie z. B. die Schleimhaut unserer Nase. Dadurch können unsere körpereigenen Abwehrzellen nichts mehr groß gegen die Krankheitserreger ausrichten. Diese kommen dann wesentlich leichter über die Nase oder den Rachen in unser Körperinneres, können sich dort festsetzen und für eine Erkältung sorgen.

Im Herbst herrscht "allgemeines Lebensrisiko"

Wenn vom "allgemeinen Lebensrisiko" die Rede ist, geht es sich nicht um Erkältungen, sondern um Kastanien! Ja, richtig gelesen. Wenn ihr im Herbst euer Auto unter einer Kastanie oder eine Eiche parkt, kann es passieren, dass euer Auto von herunterfallenden Früchten getroffen wird. Entstehen dabei Dellen, seid ihr leider nicht versichert und müsst die Reparatur selbst bezahlen. Es gehört zum "allgemeinen Lebensrisiko", dass herunterfallende Früchte auf Autos fallen.

Bringt Oktober Frost und Wind, wird der Januar gelind

Im Oktober könnt ihr bereits in die Zukunft schauen! Denn der Herbstmonat sagt voraus, wie das Wetter im Januar wird bzw. werden soll. Das besagen nicht nur viele Bauernregeln, auch statistisch lässt sich eine Abhängigkeit des Januarwetters vom Oktober erkennen: Schneit und friert es bereits im Oktober, wird der folgende Januar häufig mild.

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Der Herbst macht dick

Ja, es ist leider wahr: Im Herbst nehmen wir im Durchschnitt zu. Und schlimmer noch: Die Pfunde, die wir in den Herbst- und auch Wintermonaten zulegen, sind leider nicht mit natürlichen Gewichtsschwankungen erklären. Vielmehr verleiten uns Leckereien wie leckere Braten oder vorzeitiges Weihnachtsgebäck dazu, im Herbst mehr Kalorien zu uns zu nehmen. Dazu kommt noch, dass es im Herbst wieder früher dunkel wird und wir uns deshalb nicht mehr so viel bewegen wie im Sommer.

Mehr Unfälle nach der Zeitumstellung

Ein trauriger Nebeneffekt den die Zeitumstellung mit sich bringt, ist, dass die Zahl der Unfälle auf den Straßen steigt. Grund dafür ist, dass die Zeitumstellung bei einigen Menschen für Unkonzentriertheit sorgt. Gleichzeitig verschiebt sich für uns Menschen durch die Zeitumstellung auch der Tagesrhythmus der Wildtiere, sodass sie häufiger unterwegs sind, wenn viele Autos über die Straßen rollen. Was ihr bei einem Wildunfall tun solltet, lest ihr hier.

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