Tipps für die perfekte Erholung

Das macht einen guten Urlaub wirklich aus

Was macht also einen guten Urlaub wirklich aus? Ist es die Entfernung zum Arbeitsplatz? Der fehlende Alltag? Die vielen neuen Eindrücke? Hier erfahrt ihr, was einen Urlaub wirklich erholsam macht...

Lecker essen, den Sonnenuntergang genießen und durch die romantischen Altstadtgassen schlendern: Viele geraten ins Schwärmen, wenn sie an ihren letzten relaxten Sommerurlaub denken. Andere wiederum genießen ihre Auszeit nur dann in vollen Zügen, wenn sie sich sportlich betätigen können: Klettern, Surfen, Fallschirmspringen und das Ganze am besten am selben Tag. Je abwechslungsreicher, desto besser. Doch all die Aktivitäten ließen sich mit ein wenig Fantasie eigentlich auch in der heimischen Region realisieren. Was macht also einen guten Urlaub wirklich aus? Ist es die Entfernung zum Arbeitsplatz? Der fehlende Alltag? Die vielen neuen Eindrücke? Oder doch das Wissen, dass die Tage bis zum Urlaubsende gezählt sind? Der Beitrag nennt die Zutaten, die einen Urlaub wirklich erholsam machen.

Daten, Fakten, Analysen: Das sagt die Wissenschaft

Im Rahmen der Erholungsforschung gibt es die sogenannte Effort-Recovry-Theorie. Diese beschäftigt sich mit dem Zyklus von Anstrengung und Erholung im Arbeitsleben. Die Basis der Theorie ist, dass der permanente Arbeitsstress die Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und sich langfristig negativ gesundheitlich bemerkbar macht. Wenn die Anforderungen im Job über euren verfügbaren Kapazitäten liegen, geratet ihr in eine Überlastungsspirale, die im schlimmsten Fall in den Burnout führt. Stressmanagement im Alltag kann dieser Abwärtsbewegung entgegenwirken. Nur, wenn ihr euch den ständigen fordernden Reizen der Arbeit komplett entzieht, könnt ihr euch erholen.

Optimal ist es, wenn die Arbeit regelmäßig für längere Zeit unterbrochen wird. Die Abwesenheit der Arbeitsbelastung ist ein wichtiger Aspekt, doch er ist bei Weitem nicht der einzige Punkt. Eine Forschergruppe rund um Jessica de Bloom hat 2009 viele wissenschaftliche Untersuchungen zu den Wirkungen von Urlaub ausgewertet und in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Die Haupterkenntnis ist überraschend. Urlaub hat eine relativ geringe positive Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden, wenn man den Zustand kurz vor und kurz nach dem Urlaub vergleicht. Vier Jahre später widmete sich de Bloom mit einigen anderen Wissenschaftlern der Frage, welche Erholungseffekte sich während des Urlaubs zeigen. Unterschieden wurden dabei sportliche, soziale und passiver Erfahrungen und Aktivitäten. Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen weiterführenden Untersuchungen lauten:

  • Die ersten Urlaubstage zeigen wachsendes Wohlbefinden, welches am 8. Tag den Höhepunkt erreichte.
  • Danach nimmt die Wirkung wieder ab.
  • Sobald Urlauber an den Arbeitsplatz zurückkehren, verfliegt der Erholungseffekt innerhalb der ersten Arbeitswoche.
  • Die meisten waren innerhalb weniger Tage nach dem Urlaub wieder auf demselben Level wie vor dem Urlaub.

Öfter einen kleinen Urlaub nehmen

Mit Blick auf die Wissenschaft lässt sich sagen, dass ein langer Urlaub keinen größeren Erholungseffekt bringt als ein kurzer Urlaub von 8 bis 10 Tagen. Gesundheit und Wohlbefinden steigern sich rasch innerhalb der Anfangsphase und halten sich nach dem Ende des Urlaubs nur kurz. Wer den größtmöglichen Effekt aus dem zur Verfügung stehenden Jahresurlaub ziehen will, teilt die Urlaubstage deshalb am besten in kleine Wochen-Pakete auf und verteilt sie regelmäßig über das Jahr. Beginnt die Arbeit nach dem Urlaub an einem Mittwoch, fällt der Einstieg viel leichter, weil das Wochenende nah ist. Auf diese Weise lässt sich der Erholungseffekt ausdehnen und intensiver genießen.

Welche Aktivitäten und Erfahrungen tragen zur Erholung bei?

Eine wichtige Erfahrung, die wesentlich für den Erholungseffekt ist, ist die erweiterte Selbstbestimmung. Wer über seine Zeit frei entscheiden kann, fühlt sich besser. Autonomie bedeutet für manche allerdings auch, dass sie nicht mit einer Gruppe wegfahren oder sich einem komplett durchgeplanten Tagesablauf unterwerfen wollen. Sie entscheiden sich etwa für ungeplante freie Tage in einem Hotel, sodass sie sich weder um Essenszubereitung noch um das Aufräumen oder die aktive Freizeitgestaltung kümmern müssen, wenn Sie nicht wollen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Faktor Schlaf. Ein langer, guter Schlaf während des Urlaubs ist ein signifikanter Einflussfaktor, der sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden auswirkt. Guter Schlaf wirkt bis zu zwei Wochen nach und damit länger als jeder andere Urlaubsaktivität oder Erfahrung. Wer den Rat beherzigt und den Jahresurlaub auf mehrere Urlaubswochen aufteilt, tut gut daran, sich im Schlafen auch außerhalb der Urlaubszeit zu üben. Bestimmte Entspannungs- und Meditationstechniken machen es möglich, sich jederzeit und an jedem Ort zu entspannen und leichter einzuschlafen. Auf diese Weise lässt sich der Erste-Nacht-Effekt ein gutes Stück reduzieren. Beim Erste-Nacht-Effekt geht es darum, dass die erste Nacht in einem fremden Bett meistens unruhig verläuft. Es hat sich bewährt, im Hotel ein Zimmer in den oberen Stockwerken zu bevorzugen, eine Lage in der Nähe des Fahrstuhls oder der Durchgangstüren zu vermeiden und weit weg von der Küche und ihrer Abluft zu nächtigen. Wer all das beherzigt und bei der Zimmerbuchung dem Faktor Ruhe den Vorzug gibt, schafft optimale Voraussetzungen für einen erholsamen Urlaub und fühlt sich über das Jahr gesehen seltener buchstäblich “reif für die Insel“.

Weitere Aspekte für Ferien mit dem optimalen Erholungseffekt

  • persönliche Begegnungen
    Authentische, persönliche Begegnungen mit anderen tragen zur Erholung bei. Am besten finden diese Begegnungen mit geliebten Menschen statt. Partner, Familie und vertraute Freunde sind ideale Begleiter. Und natürlich darf der Familienhund für die nötigen Kuschel- und Spieleinheiten auch nicht fehlen.
  • moderate Bewegung
    Wenn ihr euch bewegt, kurbelt ihr die Produktion eurer Endorphine an. Das erzeugt eine gute Stimmung. Morgens am Strand spazieren oder joggen und das Rauschen des Meeres genießen ist ein idealer Start in den perfekten Urlaubstag. Wenn ihr euch ganz und gar diesem wunderbaren Glücksgefühl am Morgen hingebt, profitiert er am meisten von diesem unbezahlbaren Erholungseffekt.
  • Natur genießen
    Mit dem Rad durch den Wald, mit dem Kanu über den Fluss oder zu Fuß durchs Gebirge: Die Nähe zur Natur wirkt sich positiv auf unsere Wahrnehmung aus. Der Stress verfliegt und wir schlafen erholsamer. Tatsächlich regeneriert ihr im Wald, am Meer oder in den Bergen wesentlich effektiver als bei einem Spaziergang durch den Stadtpark oder einer Tasse Kaffee in der Fußgängerzone - egal wie gemütlich die Sitzgelegenheit dort auch sein mag.

Oft, kurz und intensiv: So holt ihr das meiste aus eurem Urlaub heraus

Fasst man nun die Erkenntnisse alle zusammen, so lautet die kurze Formel so: Macht oft, kurz und intensiv Urlaub! Den besten Erholungseffekt erreicht ihr, wenn ihr mit lieben Menschen zusammen seid, Wert auf erholsamen Schlaf legt und euch in eurem persönlichen Tempo viel an der frischen Luft und vorzugsweise in der Natur bewegt. Wichtig ist, dass ihr die Arbeit Arbeit sein lasst und euch ganz im Moment befindet. Das kann im Übrigen auch ganz gut zu Hause funktionieren. Genießt die Auszeit bewusst, dann holt ihr das Beste aus euren Urlaubstagen heraus und profitiert am meisten.

Abbildung 1: pixabay.com © 5477687 (CC0 Creative Commons)
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