30. Juli 2021 – Lea Biskup

Mit Interview zum Nachhören

Darum will ein Hausarzt Impfverweigerer nicht mehr behandeln

Ein Hausarzt aus Wallenhorst möchte nur noch geimpfte Patienten behandeln und sieht sich massiver Kritik ausgesetzt bis hin zu Drohungen am Telefon. Im Interview mit anders&wach erklärt er die Beweggründe für seine Entscheidung. Unter anderem behandelt er Palliativpatienten, die er keinem zusätzlichen Risiko aussetzen will.

Foto: picture alliance/dpa

"Die Beschimpfungen gehen [...] in einen Bereich, wo man Angst um Leib und Leben haben muss", berichtet der Hausarzt im Antenne Niedersachsen Interview mit dem Schollmayer. Er erzählt dem anders&wach-Moderator davon, dass das Gesundheitsamt seine Praxis am Donnerstag (29.07.) besuchte. Seinen Angaben zufolge ging eine anonyme Anzeige ein, dass seine Behandlungsräume unsauber wären. "Das Gesundheitsamt konnte aber nichts beanstanden.

Der Arzt begründet seine Entscheidung, nur geimpfte Patienten behandeln zu wollen, damit, dass er seine anderen Patienten und Angestellten schützen will. Zudem gehören zu seinem Kundenstamm auch Palliativpatienten, die er damit nicht unnötigen Gefahren im Wartezimmer aussetzen möchte. Der Mediziner betont, dass er vor der Ablehnung der Behandlung eines Ungeimpften immer ein Aufklärungsgespräch über das Impfen anbietet. Erst wenn sich der Patient danach weiterhin nicht impfen lassen will, lehnt der Hausarzt die Behandlung ab. Notfälle behandelt er aber in jedem Fall – egal ob geimpft oder ungeimpft.

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30.07.2021
Hausarzt im Interview mit dem Schollmayer
Im Interview erklärt der Arzt, dass er pauschal keine Patienten ablehnt, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, sondern das Gespräch mit diesen Personen sucht. Eine langfristige Zusammenarbeit mit ungeimpften Personen könne er sich jedoch nicht vorstellen, weil aus seiner Sicht das Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis gestört sei und er seine anderen Patienten, von denen einige Palliativpatienten sind, sein Team und sich selbst vor dem Coronavirus schützen möchte.
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Die Ärztekammer Niedersachsen verweist darauf, dass eine "normale" Behandlung auf Grund eines fehlenden Vertrauensverhältnisses abgelehnt werden kann, solange beispielsweise andere Ärzte in der Region zur Verfügung stehen. Allerdings werfe die pauschale Ablehnung der Behandlung Ungeimpfter auch rechtliche Fragen auf. "Ob die Ablehnung eines Patienten gerechtfertigt ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden", heißt es von der Ärztekammer Niedersachsen.

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