07. April 2021 – Johannes Barthold

Wusstet ihr...?

10 Fakten über Sarstedt

Knapp 20.000 Menschen leben in Sarstedt - der nördlichsten Stadt des Landkreises Hildesheim. Der Ort, an dem sich die Innerste und Leine küssen, hat einiges zu bieten!

Am Sarstedter Rathaus hängt die Flagge der Stadt, deren Motiv ein Kleeblatt ist. (Foto: Jürgen Kirchhoff)
Am Sarstedter Rathaus hängt die Flagge der Stadt, deren Motiv ein Kleeblatt ist. (Foto: Jürgen Kirchhoff)

Fakt 1: Der Klavier-Pionier aus Sarstedt

Pianisten auf der ganzen Welt verdanken den weichen Klang ihres Instrumentes der Innovation von Johann Heinrich Pape. Der Sarstedter wanderte mit 20 Jahren nach Paris aus, um dort Klaviere zu bauen. Als er später mit seiner eigenen Fabrik sesshaft wurde, erfand er eine neue Mechanik, bei der die Hämmer von oben auf die Saiten des Pianos schlagen. Heutzutage kennt kein modernes Klavier mehr den Hammeranschlag von unten. Außerdem fand Pape heraus, dass die Hammerköpfe statt mit Leder auch mit Filz oder Pergament bedeckt sein können, um einen weicheren Klang zu erzeugen. Wegen seiner Innovationen erhielt Pape 1834 die Goldmedaille der Pariser Weltausstellung. Außerdem wurde 1897 eine Straße im 13. Stadtbezirk von Paris nach ihm benannt.

Heutzutage schlagen Hammer mit einem Filzbezug von oben auf die Saiten, welche durch die einzelnen Tasten angeschlagen werden.
Heutzutage schlagen Hammer mit einem Filzbezug von oben auf die Saiten, welche durch die einzelnen Tasten angeschlagen werden., Foto: ahavelaar - stock.adobe.com

Fakt 2: Der Schwerkraft auf der Spur

In Sarstedt werden neue Technologien für die Aufspürung von Gravitationswellen erprobt. So schaffen es die Forscher mithilfe einer besonderen Methode, dem so genannten Quetschlicht, Gravitationswellen im Gravitationswellendetektor "Geo600" besser sichtbar zu machen. Auch Dank dieser Technologie der Sarstedter Forscher konnten US-amerikanische Wissenschaftler mit ihren LIGO-Detektoren zum ersten Mal Gravitationswellen nachweisen. Dafür erhielten die Forscher 2017 den Nobelpreis für Physik. Ohne die Forschung aus Sarstedt wäre dies kaum möglich gewesen.

Ein Mitarbeiter sitzt vor Bildschirmen im GEO600-Detektor neben einem Pappaufsteller von Albert Einstein.
Ein Mitarbeiter sitzt vor Bildschirmen im GEO600-Detektor neben einem Pappaufsteller von Albert Einstein. , Foto: picture alliance/dpa

Fakt 3: Seltsame Mittel für den reinen Zucker

Dort wo heute die Kanuten des FSV Sarstedt ihren Sport ausüben, befanden sich Mitte des 19. Jahrhunderts hunderte Zentner gestapelter Knochen. Doch warum lagen dort so viele tote Überreste? Die damals noch junge Zuckerrübenindustrie war auch in Sarstedt eine viel versprechende Zukunftsbranche, da dank der Rüben kein Zucker mehr aus den Zuckerplantagen Amerikas importiert werden musste. Allerdings war für die Reinigung des Rübenzuckers Knochenmehl nötig. Das schwarze Pulver war ebenfalls für Gerbereien, fellverarbeitende Betriebe und Webereien von Bedeutung, weshalb in den Sarstedter Bruchwiesen eine Knochenbrennerei stand.

Der Ort am Rande der Stadt eignete sich perfekt, um die Knochen toter Tiere zu verbrennen und diese zu Knochenmehl zu verarbeiten, ohne die Bürger mit dem entstehenden Gestank zu belästigen. Glücklicherweise ist heutzutage kein Knochenmehl mehr nötig, um reinen Zucker herzustellen!

Auf einer alten Landkarte ist die Knochenbrennerei noch eingezeichnet. Wo einst zahlreiche Knochen lagen, steht nun das Vereinsheim des FSV Sarstedt. (Foto: Werner Vahlbruch)
Auf einer alten Landkarte ist die Knochenbrennerei noch eingezeichnet. Wo einst zahlreiche Knochen lagen, steht nun das Vereinsheim des FSV Sarstedt. (Foto: Werner Vahlbruch)

Fakt 4: Das haben Blutplasma und Schokolade gemeinsam

Das Sarstedter Unternehmen Kelvion ist einer der weltweit führenden Hersteller von Wärmetauschern. Seit den 1920ern verkauft das Unternehmen seine Systeme in die ganze Welt. So trägt Sarstedter Technik einerseits dazu bei, dass Blutpasma effizient gekühlt werden kann und andererseits, dass Schokolade in der Produktion genau die richtige Temperatur hat, um in verschiedenste Formen zu fließen. Die Pasteurisierung von Milch ist dank des Unternehmens möglich, denn dieses hatte den dafür nötigen Plattenwärmeaustauscher entwickelt.



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Fakt 5: Der erste Öl-Ofen

Die Vosswerke Sarstedt waren ein Traditionsunternehmen, welches bereits seit 1844 Haushaltsherde und später Öfen sowie Großküchen herstellte. Das Unternehmen belieferte große Kreuzfahrtschiffe und hat im Jahr 1921 den mit Öl befeuerten Ofen erfunden.

Dieser an die Stadt Sarstedt geschenkte Herd einer Nachfahrin von dem Gründer der Vosswerke, August Voß, kann im Heimatmuseum der Kulturgemeinschaft bestaunt werden. Diese feine und filigrane Emaillearbeit wurde 1891 in der Modellwerkstatt der Vosswerke hergestellt. Ludwig und Friedrich Voss haben diesen Herd ihrer Nichte Alice im Jahre 1891 geschenkt, als sie mit ihrer Mutter aus den USA in Sarstedt zu Besuch war. (Foto: Kulturgemeinschaft Sarstedt)
Dieser an die Stadt Sarstedt geschenkte Herd einer Nachfahrin von dem Gründer der Vosswerke, August Voß, kann im Heimatmuseum der Kulturgemeinschaft bestaunt werden. Diese feine und filigrane Emaillearbeit wurde 1891 in der Modellwerkstatt der Vosswerke hergestellt. Ludwig und Friedrich Voss haben diesen Herd ihrer Nichte Alice im Jahre 1891 geschenkt, als sie mit ihrer Mutter aus den USA in Sarstedt zu Besuch war. (Foto: Kulturgemeinschaft Sarstedt)

Fakt 6: Versammelt an einer langen Tafel

"Sarstedt - Gemeinsam isst besser!" lautet das Motto der längsten Frühstückstafel von Sarstedt. Alle zwei Jahre lädt das Stadtmarketing Sarstedt mit Geschäftsleuten aus der Innenstadt zu einem Bürgerfrühstück in der Innenstadt ein. Zu diesem Zweck wird eine 150 Meter lange Frühstückstafel aufgebaut, an der rund 450 Menschen Platz finden. Die eingeladenen Bürgerinnen und Bürger können so mit den Inhaberinnen und Inhabern der Geschäfte ins Gespräch kommen und ihre mitgebrachten Frühstücksleckereien austauschen.

(Foto: Stadtmarketing Sarstedt)
(Foto: Stadtmarketing Sarstedt)

Fakt 7: Niedersächsischer Erfindergeist im Lockdown

Lockdown im Frühjahr 2020: Der alteingesessene Sarstedter René Blume und sein Hotelmitarbeiter Camillo Di Renzo vertreiben sich die Lockdown-Langeweile, indem sie Limoncello herstellen und an Freunde verschenken. Das traditionelle Rezept von Verwandten Di Renzos aus Apulien kommt so gut an, dass die beiden auf die Idee gekommen sind, das Getränk zu verkaufen. Blume, dessen Familie bereits seit 500 Jahren in Sarstedt lebt, und Di Renzo verkaufen seit November den Lockdown-Limoncello und haben dem Sarstedter Ortsteil Heisede so sein eigenes Getränk gegeben!

Mittlerweile bieten bereits 22 Supermärkte in der Region das Getränk namens "Don Camilloooo" an und die beiden Sarstedter haben bereits Arancello (Orangenlikör) und Mandarinetto (Mandarinenlikör) ins Sortiment aufgenommen. Bis zum Sommer wollen die Sarstedter in 100 Märkten zu kaufen sein.

Die beiden Inhaber von Don Camilloooo präsentieren ihren Limoncello. (Foto: Don Camilloooo)
Die beiden Inhaber von Don Camilloooo präsentieren ihren Limoncello. (Foto: Don Camilloooo)

Fakt 8: Der Urmensch aus Sarstedt

2008 wurden in einem Kiesabbaugebiet bei Sarstedt sehr alte Knochenteile eines Menschen gefunden. Der Anthropologe Prof. Alfred Czarnetzki bezeichnete diesen Fund wegen des hohen Alters der Knochen als Sensation. Dem Tübinger Wissenschaftler zufolge seien diese Überreste fast identisch mit Menschenknochen, die auf der indonesischen Insel Java gefunden wurden. Demnach stand einige Zeit im Raum, dass es sich bei diesen Knochenteilen um die ältesten Menschenknochen auf deutschem Boden handeln musste. Dies wäre der nördlichste Fund von Überresten des Homo Erectus überhaupt. In der Fachwelt gilt diese Vermutung nicht als sicher, allerdings dauern die Untersuchungen noch an. Fest steht wohl, dass bei Sarstedt bereits vor Jahrtausenden Menschen gelebt haben müssen.

Fakt 9: Fünf Millionen Streichhölzer

Sarstedt war einst ein bedeutender Standort für die Zündholzindustrie. So gab es in der Stadt zwischenzeitlich drei große Fabriken, welche Zündhölzer herstellten. Diese bestanden damals aus flüssigem Phosphor und Schwefel, weshalb sie sich auch ohne Reibefläche leicht entzünden ließen. Diese Zündholzer konnten einfach durch das Reiben an der Hose zum Brennen gebracht werden. Jener Umstand barg allerdings auch ein Risiko. So brannte 1868 eine der Fabriken mitsamt des Lagerbestands von fünf Millionen Streichhölzern ab. Die große Ära der Sarstedter Zündholzindustrie endete, als 1906 die letzten Produktions- und Lizenzrechte für Streichhölzer an ein süddeutsches Unternehmen fielen.

Fakt 10: Eine Ausstellung in der ganzen Stadt

Die Corona-Pandemie hat befeuert, dass immer weniger Menschen die Innenstädte besuchen, um einkaufen zu gehen. Die Stadt Sarstedt hat sich dieser Entwicklung allerdings nicht ergeben und die Kampagne "#KauflokalSarstedt" ins Leben gerufen. Im Zuge dieses Projekts wurden die Aussagen von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt, die immer noch gerne in der Stadt einkaufen. Diese Aussagen wurden als Plakate über die gesamte Stadt verteilt aufgehängt. So waren im Sommer 2020 knapp 140 Bekenntnisse zur Innenstadt überall in Sarstedt zu sehen!

(Foto: Stadtmarketing Sarstedt)
(Foto: Stadtmarketing Sarstedt)

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