20. Oktober 2021 –

Unterschiedliche Umsetzung

Weil: Noch Vorsicht mit Corona-Regeln - Unterschiede in Gastronomie

Mehrere prominente Stimmen fordern bereits, den bundesweiten Corona-Ausnahmezustand im November auslaufen zu lassen. Niedersachsens Regierungschef mahnt, nichts zu überstürzen. Die Gastronomen im Land handhaben 2G und 3G immer noch unterschiedlich.

Ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Zutritt zur Arena - 2G-Regel" steht am Eingang vor einem Basketball-Bundesligaspiel der BG Göttingen
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Zutritt zur Arena - 2G-Regel" steht am Eingang vor einem Basketball-Bundesligaspiel der BG Göttingen, Foto: picture alliance/dpa

Ministerpräsident Stephan Weil warnt vor einem vorschnellen Aus aller Corona-Maßnahmen. "Was keinesfalls passieren darf mit Blick auf den Herbst und Winter, ist ein ersatzloses Streichen der Schutzregeln", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. "Wir haben immer noch schwierige Monate vor uns." Die Restaurants, Gaststätten und Hotels im Land achten laut dem Branchenverband Dehoga weiter verstärkt auf die Einhaltung - ob sie dabei den 2G- oder 3-G-Standard anlegen, ist aber uneinheitlich.

Weil betonte, vor dem Herbst und Winter mit wieder höheren Infektionsrisiken in Innenräumen gelte es, vorsichtig zu bleiben. "Wir sehen, dass in der Gruppe der Ungeimpften die Inzidenzen noch wesentlich höher sind", sagte er. Man werde daher "sehr genau hinschauen müssen, wie der Bund sich in dieser Frage aufstellt".

In der Debatte, ob die sogenannte epidemische Lage - im März 2020 vom Bundestag festgestellt und immer wieder verlängert - bald aufgehoben werde könne, zeigte sich auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) eher skeptisch: Es sei noch nicht an der Zeit, sich ganz von den Schutzregeln zu verabschieden. Ihr Kollege im Bund, Jens Spahn (CDU), plädierte für ein Auslaufen der Corona-Notlage. Die epidemische Lage ist Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen in Deutschland.

Weil sagte: "Ich kann mich da nur der Sicht von Daniela Behrens anschließen. Wir müssen versuchen, die Impfquote insgesamt noch weiter zu erhöhen." Dies sei ihm auch bei einer Reise nach Portugal klar geworden, von der er am Dienstagabend zurückkehrte. Viele Menschen hätten ihm erläutert, dass die hohe Impfbereitschaft dort aus den Erfahrungen der heftigen Corona-Welle stamme, die im Februar durch das Land ging und einen harten Lockdown brachte. "Und heute steht Portugal sehr gut da", so Weil. "Die deutlich besseren deutschen Erfahrungen in der Pandemie machen uns das Werben ums Impfen im Vergleich wesentlich schwerer. Das ist schwer einzusehen."

Unterschiedliche Handhabung in der Gastronomie

Niedersachsens Gastronomen handhaben die Kontrolle ihrer Kundschaft rund einen Monat nach der Ausweitung der 2G-Regelung derweil oft noch unterschiedlich. 2G - also die Zulassung ausschließlich Geimpfter oder Genesener - und 3G mit Einschluss negativ Getesteter würden etwa zu gleichen Teilen angewandt, sagte Dehoga-Landesgeschäftsführerin Renate Mitulla der dpa. Die Überprüfung der Impf- oder Testnachweise sei sehr zeitintensiv und angesichts des Personalmangels eine zusätzliche Belastung. Wenn etwa ein Restaurant auf das 2G-Modell umstelle, könnten zwar mehr Tische aufgestellt werden. Viele Gastronomen stellten jedoch auch mit dem 2G-Modell weniger Tische auf als vor der Pandemie, um etwas mehr Abstand einhalten zu können.

Die 2G-Regel war in Niedersachsen vor rund einem Monat deutlich ausgeweitet worden - etwa in der Gastronomie sowie bei Kultur- oder Sportveranstaltungen. Betreiber und Veranstalter, die sich entscheiden, nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt zu gewähren, sind in ihren Betrieben und Einrichtungen von der Durchsetzung der Maskenpflicht und Abstandsregeln befreit. Wer unter 18 Jahre alt ist, kann bei 2G zudem ohne Corona-Test, Impfung oder Genesung in ein Restaurant oder zu einer Veranstaltung gehen.

Auch Fußballvereine dürfen mit der 2G-Regel wieder mehr Fans in die Stadien lassen. Das Staatstheater Hannover will im Dezember auf das 2G-Modell umstellen. "Wir haben nur sehr wenige und vereinzelte Rückmeldungen bekommen von Menschen, die sich durch die neue Regel von einem Theater- oder Opernbesuch ausgeschlossen fühlen", erklärte eine Sprecherin. Der weitaus größere Teil begrüße das Modell.

(dpa)

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