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Kleinkinder auf dem Fahrrad

Anhänger, Sitz, Trailerbikes: Radeln mit Kleinkind

Ob schnell mal Einkaufen oder raus ins Grüne: Mit dem Fahrrad bleiben Familien flexibel. Für kleine Kinder, die selber noch nicht fahren können, braucht man allerdings eine passende Lösung. Wir stellen euch hier die gängigsten Transport-Systeme mit ihren Vor- und Nachteilen vor, und sagen euch, was der Spaß so ungefähr kostet.


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 (Foto: muro - Fotolia)

Es ist vielleicht verlockend, sich schnell mal mit dem Kind im Arm oder dem Baby im Tragetuch aufs Fahrrad zu schwingen, aber das Risiko, das dabei was passiert, ist einfach zu groß. Besser also, beim Radfahren mit Baby oder Kleinkind auf etablierte Transportsysteme zu setzen. Die entscheidende Frage für Familien lautet: Welches passt zu uns?


Bevor es losgeht

Gut zu wissen: Die Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt erst Personen ab 16 Jahren Kinder mit dem Rad zu transportieren. Mitfahren dürfen Kinder bis max. 7 Jahre (Ausnahme: behinderte Kinder). Pflicht sind auch Sicherheitsvorkehrungen, damit keine Füße in die Speichen geraten können. Im Fahrrad-Anhänger sind max. 2 Kinder erlaubt. Zwar keine Pflicht, aber dringend zu empfehlen: Anschnallen und Helm aufsetzen.

Checkt euer Zuhause: Passt der Anhänger überhaupt durch die Tür? Wohin mit dem wuchtigen Lasten-Rad? Solche Fragen solltet ihr unbedingt vorher klären.

Checkt das eigene Rad: Hält mein Rad das zusätzliche Gewicht aus? Sind die Bremsen stark genug? Kann der Kindersitz am Fahrrad-Rahmen montiert werden? Solche Fragen sind von Laien oft schwer zu beantworten. Ein Besuch beim Fachhändler (mit Rad oder Fotos davon) lohnt sich also.


Kindersitz (hinten)

Es ist die häufigste Methode mit Kind von A nach B zu kommen: Ein am Erwachsenen-Fahrrad montierter Kindersitz. Dafür muss das Kind aber erst mal sicher sitzen können, was meist mit 10 Monaten der Fall ist. Ein Kindersitz kann zwar vorne oder hinter angebracht werden, der Fahrrad-Club ADFC empfiehlt aber eindeutig, den Sitz hinter dem Fahrer anzubringen, das das Kind besser geschützt ist. Vorne dürfen Kinder ohnehin nur bis 15kg mitfahren (ca. 3 Jahre). Die meisten Heckträger könnt ihr dagegen bis 22kg nutzen (ca. 5 Jahre).

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 (Foto: Avanne Troar - Fotolia)

Vorteile

  • Unkompliziert in der Handhabung
  • Mit verstellbarer Rückenlehne können die Kids auch mal einschlafen
  • Kinder sind nahe bei Mama oder Papa
  • Vergleichsweise günstig

Nachteile

  • Bei einem Sturz fällt das Kind tief
  • Keine freie Sicht fürs Kind
  • Einkaufen kann schwierig werden. Der Gepäckträger ist zugebaut, und ein Rucksack geht auch nicht. Eine Satteltasche ist aber möglich
  • Das Fahrrad steht alleine nicht mehr stabil. Hier kann ein Zweiradständer helfen.
  • Das Kind hat kaum Bewegungsfreiheit. Damit sind Kindersitze eher was für Kurzstrecken.

Kosten

  • Kindersitze gibt es zwischen 40 – 150 €

Fahrradanhänger

Ein Fahrrad-Anhänger gilt als das sicherste Transportsystem, denn die kleinen Mitfahrer sind durch einen stabilen Alu-Rahmen geschützt. Ein Umkippen ist wegen des niedrigen Schwerpunktes so gut wie ausgeschlossen. Mit speziellen Schalen oder Sitzhängematten können sogar schon Babys mitfahren, allerdings nur in wirklich gut gefederten Anhängen, und wenn die Eltern entsprechend vorsichtig fahren und Huckelpisten meiden.

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 (Foto: tinadefortunata - Fotolia)

Vorteile

  • Sicherheit
  • Schutz vor Wind und Wetter
  • Ihr könnt bis zu zwei Kinder gleichzeitig transportieren.
  • Extra-Stauraum
  • Viele Modelle lassen sich auch als Buggy nutzen.
  • Für größere Radtouren geeignet

Nachteile

  • Relativ hoher Preis. Zubehör kostet noch extra
  • Keinen direkter Kontakt zum Kind
  • Vor allem die Zwei-Sitzer brauchen viel Platz – auf dem Radweg und Zuhause.
  • Im Stadtverkehr bekommen die Kleinen unten mehr Abgase ab.

Kosten

  • Günstige Einsitzer gibt es zwar schon ab 100 €, aber komfortable und gut gefederte Modelle mit Platz für Zwei gibt es erst ab 400 – 500 €. Das geht dann rauf bis zu 1.200 €.

Trailerbikes (Nachziehräder zum Dranhängen)

Trailerbikes sind eine recht exotische Lösung. Hier wird das Elternfahrrad zur Zugmaschine, wobei es zwei verschiedene Ansätze gibt. Entweder Halbfahrräder ohne Vorderrad, die mit einer Stange am Elternrad befestigt werden, oder das Tandem-Kupplungssystem, in dem ihr normale Kinderräder befestigt. In beiden Fällen sitzen die Kinder im Sattel und können mitstrampeln, aber da nur das Hinterrad aufliegt können sie nicht lenken und umkippen. Trailerbikes sind erst was für größere Kinder ab 4 Jahre.

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Vorteile

  • Das Kind ist zu groß für den Anhänger, aber zu klein für die Straße: Diese Lücke schließen Trailerbikes.
  • Kinder sind mittendrin statt nur dabei, und lernen nebenbei viel übers Radfahren.
  • Mit Einschränkungen auch für größere Radtouren geeignet.
  • Beim Kupplungssystem seid ihr flexibel unterwegs. Die Kinder können erst mal mitradeln und später gezogen werden.

Nachteile

  • Das System ist eine Zwischenlösung hin zum eigenen Fahrrad und nur für eine sehr begrenzte Zeit sinnvoll.
  • Dafür ein relativ hoher Preis
  • Kinder können runterfallen, wenn sie z.B. unbemerkt einschlafen sollten.
  • Das Fahrrad wird sehr lang.

Kosten

  • Das Kupplungssystem für normale Kinderräder gibt es für knappe 250 €. Feste Trailerbike-Systeme liegen zwischen 300 € rauf bis zu 1.500 €.

Lastenräder /Transporträder / Cargo-Bikes

Fahrräder mit Ladefläche werden immer beliebter. Anders als beim Auto lässt der Gesetzgeber Bastlern viele Freiheiten Es gibt Lastenräder als Zwei- oder Dreiräder, einige haben eine Holzbox mit Gurten hinten, andere eine mit Stoff umspannte Konstruktion vorne, und manchmal können sogar Rollstuhlfahrer mitnehmen.

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 (Foto: picture alliance / dpa)

Vorteile

  • Viel Platz für die Kids, damit auch gut für längere Radtouren
  • Oft wettergeschützte Kabinen mit viel Stauraum
  • Kinder nicht so abgeschottet wie im Anhänger
  • Lastenräder sind auch ohne Kinder drin nützlich
  • Coole Optik

Nachteile

  • Teuer
  • Brauchen viel Platz. Nichts für schmale Treppen und enge Türen
  • Plötzlich hat man selbst mit dem Fahrrad Parkplatzprobleme.
  • Ungewohntes Fahrverhalten (z.B. großer Wendekreis)
  • Lastenräder können recht schwer sein und das Radfahren anstrengend machen.

Kosten

  • Ein neues Transport-Rad als Familienkutsche ist unter 1.000 € kaum zu haben. „Günstige“ Modelle gibt es so ab 1.250 €. Es geht aber noch deutlich teurer…

Quelle: www.adfc.de