9. September 2017 STARS for FREE 2017
9. September 2017
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Kreis Leer

Der Patientenbus - so geht's im Kreis Leer zum Arzt

Neue (Fach-)Ärzte braucht das Land. Weil die aber nicht kommen, fahren im Landkreis Leer Patientenbusse ältere Menschen zu den Ärzten in der Stadt.


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Seit dem 1. Oktober 2016 kooperieren die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), die Bezirksstelle Aurich und der Landkreis Leer für ein Jahr mit einem Busunternehmen. Unser Reporter Daniel Flüß hat ein Patientenmobil begleitet.

Der Fahrdienst zum Stadt-Arzt

Um kurz vor halb 10 hält das Patientenmobil in einer kleinen Einfahrt vor einem roten Backsteinhaus in Stapelmoor. Die 83-jährige Hilde macht lächelnd die Haustür auf und geht schnellen Schrittes Richtung Bus. Die elektronische Trittleiter fährt aus, Hilde steigt ein und sichert sich in dem 6-Sitzer den Platz hinten am Fenster.

Es ist ihre fünfte Fahrt mit dem Patientenbus. Heute geht's zum Zahnarzt nach Leer. "Sonst hätte ich keine Möglichkeit zum Arzt zu kommen", sagt sie uns, "Die Verwandten wohnen woanders und meine Nachbarn müssen tagsüber arbeiten". Unterwegs hält der Bus noch an zwei weiteren Häusern. Vier Personen müssen heute Vormittag zum Zahn-, Augen- und HNO-Arzt.

Taxifahrerin und Pflegerin in Einem

Carola aus Weener ist eine der Fahrerinnen des Patientenmobils. Ihr Job ist eine Mischung aus Taxifahrer und Pfleger. Sie holt ihre Fahrgäste an der Haustür ab, begleitet sie zum Mobil, bringt sie in die Arztpraxis, holt sie ab und fährt sie wieder bis vor ihre Haustür. Heute sind sie und ihre Kollegin mit zwei Wagen zwischen Weener und Leer unterwegs. "Das Angebot wird immer besser angenommen, bis Ende Juli haben wir schon Aufträge drin."

10-15 Landärzte fehlen

Carola sagt: "Das Problem hier in der Gegend ist, dass es vor allem an Fachärzten auf dem Land fehlt." Knapp 10-15 Mediziner fehlen laut ihr, um zwischen Leer und Papenburg eine gute Versorgung auf dem Land zu garantieren. Vor allem Fachärzte sind Mangelware.

Hat das Patientenmobil eine Zukunft?

Knapp 150 Personen haben Carola und ihre Kollegen seit dem Start des Pilotprojektes am 1. Oktober 2016 bisher transportiert. Im September 2017 soll Bilanz gezogen werden, ob es mit dem Patientenmobil auch in Zukunft weitergehen soll.

Hilde aus Stapelmoor drückt die Daumen, dass das Projekt weitergeht: "Zur Bushaltestelle ist es für mich zu weit und das Taxi ist zu teuer. Das wären hin und zurück über 50 Euro." Für die Fahrt mit dem Patientenmobil hat sie heute insgesamt 9 Euro gezahlt.