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Emsland

Ärztemangel - für Sögel im Emsland (k)ein Thema

Der Ärztemangel auf dem Land ist offensichtlich - jetzt nehmen Bewohner in Sögel die Sache selbst in die Hand.


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Im Emsland laufen die Dinge eigentlich gut – fast keine Arbeitslosigkeit, die Wirtschaft brummt und schön ist es ja auch zwischen Papenburg und Salzbergen. Doch auch hier herrscht, wie oft auf dem Land, Ärztemangel. Die Samtgemeinde Sögel hat aus der Not eine Tugend gemacht und die Sache einfach selbst in die Hand genommen. Und es funktioniert.

Darlehen für das Verbleiben der Ärzte

2009 hat die Samtgemeinde die ersten Maßnahmen gegen den Ärztemangel ergriffen, "damals war abzusehen, dass wir in den kommenden Jahren rund ein Drittel der Ärzte durch ihren Ruhestand verlieren", sagt Bürgermeister Günter Wigbers. Und das, obwohl die Samtgemeinde weiter wächst, die Menschen älter werden und deswegen öfter zum Arzt müssen. Die Gemeinde hat damals begonnen, Mediziner, aber zum Beispiel auch Pflegepersonal, mit günstigen Darlehen für den Wohnungsbau in der Region zu halten. Die Ärzte sollten dadurch in Sögel sesshaft werden. "Das hat gut geklappt", sagt Wigbers. Doch den Sögelern war das noch nicht genug.

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Stipendium für Medizinstudenten

Seit einigen Jahren gibt es ein Stipendienprogramm für Medizinstudenten . Sie bekommen 350 Euro im Monat und verpflichten sich im Gegenzug, nach der Facharztausbildung mindestens fünf Jahre in der Samtgemeinde als Arzt zu arbeiten. Wer sich nach dem Studium doch für einen anderen Ort entscheidet muss das Geld zurückzahlen. Fünf Studenten werden mittlerweile durch das Stipendium gefördert. Die erste ist bald fertig. "Die junge Frau ist Allgemeinmedizinerin und möchte hier auch praktizieren. Das wäre für uns wie ein Sechser im Lotto", sagt Bürgermeister Wigbers. Für das Stipendium müssen sich die Studenten bewerben, Anfragen gab es genug. "Wir haben uns dann bewusst für Bewerber aus der Region entschieden, weil hier die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass sie auch wirklich kommen", so Wigbers. Zum Studium gehen die Emsländer dann zwar weg – einige sogar bis nach Rumänien – der Kontakt bleibt aber bestehen. Die Studenten werden zum Beispiel vor Weihnachten eingeladen um sich auszutauschen und sich weiter kennenzulernen.

Auch Fachärzte sind in Sögel gefragt

Die Samtgemeinde war mit dem Stipendium nicht nur ein Vorreiter für Allgemeinmediziner, sondern auch für angehende Fachärzte. "Wir sind der Meinung, dass wir auch Fachärzte in der Samtgemeinde brauchen. Es kann nicht sein, dass die Bürger sich sonst einen Tag frei nehmen müssen, um zu einem Facharzt nach Papenburg oder Lingen zu fahren." Die Lage haben die Mitarbeiter sogar mal getestet, gleich mehrere haben versucht einen Termin beim Hautarzt zu bekommen, das Ergebnis: Zwischen vier und sechs Monaten mussten die Sögeler auf einen Termin warten – mittlerweile gibt es eine Hautarztstelle in Sögel.

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Arbeitsplätze im Versorgungszentrum

Ein besonderes Projekt: Es gibt ein medizinisches Vorsorgungszentrum, das von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in Sögel betrieben wird. Auch hier hatte sich die Samtgemeinde darum bemüht und hätte es zur Not auch ohne die KVN umgesetzt. "Wir waren einfach der Meinung, dass wir auch nach den Lebensumständen der Menschen gehen müssen. Nicht jeder Mediziner will heute eine eigene Praxis. In dem Versorgungszentrum gibt es auch Arbeitsplätze mit Halben- oder Dreiviertelstellen." Und die werden gut angenommen, das Angebot soll sogar weiter ausgebaut werden.

Gelohnt hat sich die Anstrengung auf jeden Fall findet Wigbers, "wir haben heute mehr Ärzte als 2009. Wenn wir uns nicht bemüht hätten, dann hätten wir heute Probleme."