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"Musical.ly" mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert

Die App "Musical.ly" ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Jetzt erhebt ein Verbraucherschutzportal Missbrauchsvorwürfe. Was der App vorgeworfen wird, und wie ihr euer Konto entsprechend einstellt, das erfahrt ihr hier.


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 (Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

Was ist "Musical.ly"?

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Lisa und Lena (Foto: picture alliance / Christian Cha)

Seit 2014 gibt es "Musical.ly". Auf der App können die Nutzer kurze Videos hochladen, bei denen sie ihre Lippen synchron zu Popsongs oder Filmzitaten bewegen. Inzwischen zählt die App mehr als 200 Millionen Nutzer weltweit. Dazu zählen auch die deutschen Zwillinge Lisa und Lena, die mit über 28 Millionen Followern zu den erfolgreichsten Nutzern der Plattform gehören.

Warum steht die App in der Kritik?

"Musical.ly" ist für Nutzer unter 13 Jahren verboten - eigentlich! Denn weder das Geburtsdatum noch die E-Mail-Adresse, mit der man sich anmeldet, werden überprüft. Außerdem wird jeder neu angelegte Account automatisch so eingestellt, dass die veröffentlichten Videos von jedem gesehen werden können. Genau darin liegt derzeit das Problem: das Verbraucherportal "mobilsicher.de" warnt von Missbrauch und sexueller Nötigung auf der App.

Denn viele junge Menschen, vor allem Mädchen, eifern ihren Idolen so sehr nach, dass sie nicht nur deren Lieder in ihrem Videos synchronisieren, sondern sich häufig auch wie diese kleiden oder deren Tanzschritte einüben. Dabei wird häufig sehr viel Haut gezeigt! In den Kommentarleisten solcher Videos finden sich dann anzügliche Kommentare von anderen Nutzern, die versuchen, direkt an die Videos zu kommen und diese zu speichern, oder mit den Mädchen Kontakt aufnehmen wollen. Häufig werden die Nutzerinnen auch per Direktnachricht kontaktiert. Viele dieser aufreizenden Videos wurden von jungen Mädchen ins Netz gestellt, die häufig nicht älter als sieben oder acht Jahre sind.

Wie will "Musical.ly" das Problem beheben?

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 (Foto: picture alliance / Alexandra Sto)

Das Unternehmen teilt mit, dass die genannten Beispiele von Missbrauch nicht typischen Inhalte oder Nutzungsmuster der App wiederspiegeln. Allerdings spricht eine Sprecherin der App von einem "komplexen Problem", das es als Industrie zu lösen gelte. Die Schutzmaßnahmen seien zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht tadellos. Bisher gewährleistet "Musical.ly" eine Moderation rund um die Uhr, um die Möglichkeiten einer missbräuchlichen Nutzung der App lediglich zu reduzieren. Einige Hashtags, unter denen sich häufig derart freizügige Videos finden lassen, sind mittlerweile allerdings schon nicht mehr aufrufbar.

Wie können sich Nutzer schützen?

"mobilsicher.de" appelliert an die Eltern der Nutzer. Denn den Kindern fehlt häufig das kritische Bewusstsein: während sie die kurzen Clips drehen, denken sie an ihre Freundinnen, denen sie die Videos später zeigen wollen, nicht aber an das große Publikum, das sich außerdem auf der Plattform rumtreibt. Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern das Konto einrichten und die wichtigsten Privateinstellungen vornehmen. Insbesondere die Standortdaten sollten deaktiviert werden.