Geklaute Daten

Facebook-Skandal: Alles, was wir bisher wissen

Was ist eigentlich genau passiert? Wer ist wie beteiligt? Und - was jetzt?Wir schlüsseln für euch auf, was es mit dem Datenleck bei Facebook auf sich hat, was das für euch bedeutet und wie ihr euch vor dem Datenklau schützen könnt.


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 (Foto: picture alliance / Dominic Lipin)

Wollt ihr wissen, ob eure Daten im Facebook-Skandal weitergegeben wurden? Überprüft es hier.

Facebook-Skandal - Was ist passiert?

Der britische Wissenschaftler Aleksandr Kogan hatte für eine vermeintlich wissenschaftliche Studie eine Umfrage auf Facebook gestartet. Dafür nutzte er eine Quiz-App. Die Daten der Nutzer, die an der Umfrage teilnahmen, wurden dann an die Analysefirma "Cambridge Analytica" weitergereicht - ohne das Wissen der Nutzer. "Cambridge Analytica" ist ziemlich umstritten, nicht nur weil sie unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump während der Präsidentschaftswahlen gearbeitet hat.

Und genau dafür wurden die Daten der Facebook-Nutzer verwendet: "Cambridge Analytics" soll damit über die politische Einstellung der Nutzer geschlussfolgert und versucht haben, ein mögliches Wahlverhalten zu erkennen. Außerdem soll gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung für Donald Trump geworben worden sein, wodurch der Nutzer möglicherweise unbewusst beeinflusst wurde. Von der Republikanischen Partei habe die Firma dafür insgesamt sechs Millionen Dollar erhalten.

Wie viele Nutzer sind betroffen?

Bis zu 87 Millionen Menschen weltweit könnten von den Datenskandal auf Facebook betroffen sein. Maximal 310.000 davon sind deutsche Facebook-Mitglieder. Zwar haben sich nur etwa 65 Nutzer aus Deutschland an der Umfrage beteiligt, die den Skandal schließlich ausgelöst hat, die Analysefirma hat aber neben den Nutzer-Daten auch die Daten der Facebook-Freunde dieser Nutzer gesammelt. "Cambridge Analytica" bestreitet allerdings, die Daten so vieler Facebook-Mitglieder gesammelt zu haben. Die Firma spricht von "nur" 30 Millionen gesammelten Nutzerdaten.

Wie reagiert Facebook?

Die Nutzer von Facebook sind jetzt natürlich wütend und fragen sich, wie sicher ihre Daten sind. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat tagelang über den Skandal geschwiegen. In einem Interview mit dem US-Amerikanischen Nachrichtensender "CNN" entschuldigte er sich dann aber schließlich bei den Nutzen und sprach von einem groben Vertrauensbruch. Er versicherte die Datenschutzrichtlinien zu verschärfen. Kritiker werfen dem Facebook-Chef jedoch vor, dass er seit Jahren von der Daten-Problematik gewusst habe. Auch Aleksandr Kogan, der Urheber des Skandals, behauptet, mit gutem Willen gehandelt zu haben: er wollte auf den laxen Umgang mit den Daten aufmerksam machen.
Mitte April wird sich Zuckerberg dem US-Kongress stellen müssen und über das Datenleck aussagen.

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 (Foto: picture alliance / Peter Dasilva)

Was sind die Konsequenzen?

Facebook steht nach diesem Datenskandal massiv in der Kritik, insbesondere natürlich bei den Mitgliedern des sozialen Netzwerks. Unter dem Hashtag "#deletefacebook", auf deutsch "löscht Facebook", haben viele Nutzer zum Löschen des eigenen Accounts aufgerufen. Auch die Aktie des Unternehmens an der Börse stürzte ein. Außerdem fordert beispielsweise ein sehr mächtiger Facebook-Investor, dass Marc Zuckerberg seinen Chefposten des Unternehmens abgibt. Zuckerberg aber behauptet, er sei nach wie vor der Richtige für den Job.

Der Chef von "Cambridge Analytica", Alexander Nix, wurde suspendiert. Neben der Analyse von mehreren Millionen Nutzerdaten hat er außerdem gegenüber Reportern mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten im US-Wahlkampf geprahlt.

Aleksandr Kogan ist weiterhin Dozent für Neurowissenschaften an der Universität Cambridge. Er fühlt sich von Facebook und "Cambridge Analytica" zum Sündenbock gemacht. In einem Interview sagte er, sein einziger Fehler wäre gewesen, nicht genug Fragen gestellt zu haben. Sein Verhalten zum Zeitpunkt der Datenweitergabe an "Cambridge Analytica" findet er angemessen.

Wie könnt ihr eure Daten schützen?

Marc Zuckerberg sagte in einem Interview, dass es Jahren dauern wird, das Problem um die Datensicherheit zu lösen. Ihr wollt eure Daten trotzdem jetzt schon so gut es geht schützen, ohne euch bei Facebook abzumelden und euer Konto zu löschen? Dann könntet ihr zum Beispiel verhindern, dass Facebook eure Daten an andere Apps weitergibt.