Wasserknappheit

Das Wasser wird in Garbsen knapp

Der Wasserverband Garbsen-Neustadt (WVGN) hat gegenüber seinen Verbrauchern eine Empfehlung ausgesprochen: Ab Donnerstag Mittag sollen Kunden das Trinkwasser nicht mehr zum Rasen sprengen, Auto waschen oder Planschbecken befüllen nutzen dürfen. Denn das Wasser wird in Garbsen knapp. Wir haben nachgehakt.


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 (Foto: picture alliance/dpa)

In Garbsen und der Region herrscht Wasserknappheit. Der Wasserverband Garbsen-Neustadt (WVGN) hat seinen Kunden deshalb verboten, Rasen zu sprengen oder die Autos zu waschen.

Das Wichtigste vorweg: Niemand muss Angst haben, dass es in Garbsen und Umgebung bald kein Wasser mehr gibt. Trotz Trockenheit ist die Trinkwasserversorgung dem Umweltministerium zufolge sichergestellt. Schuld an einzelnen Engpässen seien technische Schwierigkeiten und nicht der Wassermangel, wie das Ministerium am Donnerstag in Hannover mitteilte. So könne etwa der Druck in den Leitungen abfallen, wenn viele Menschen den Wasserhahn zur selben Zeit aufdrehten. Die Talsperren im Harz seien gut gefüllt.

Wir haben mit Sebastian Kratz, dem kaufmännischen Leiter und stellvertretenden Geschäftsführer des WVGN gesprochen und wollten wissen: Warum wird das Wasser in Garbsen nach nur ein paar Tagen Hitze knapp?

Ein paar heiße Tage und bereits jetzt wird das Wasser in Garbsen knapp. Wie kann das sein?

Ausschlaggebend sind die sehr heißen Tage gewesen. Das geht auch anderen Wasserversorgern so. Bei uns sind in den letzten Tagen die Behälterstände sehr stark gesunken. Wir hatten aufgrund der Hitze Wasserabgaben, die weit über unseren normalen Abgaben liegen und die sogar die Höchstwerte des letzten Jahres übersteigen.

Bisher hatten wir die Möglichkeit uns vom benachbarten Versorger enercity Wasser zu beschaffen. Dieser hat momentan eine Baustelle, weshalb die von enercity zur Verfügung gestellten Wassermengen sehr gering sind. Zusätzlich ist der Wasserverbrauch der Haushalte durch Rasensprenger, Swimming-Pools etc. angestiegen.

Wie lange reicht das Wasser in Garbsen noch aus?

Das hängt davon ab, wie viel Wasser weiterhin von den Leuten verbraucht wird und wie sich das Wetter entwickelt. Bei hohen Temperaturen erwarten wir eine entsprechend höhere Abgabe von Wasser. Dann würde das Wasser nur noch für einige Tage ausreichen, aber nicht mehr für mehrere Wochen.

Also kann es passieren, dass kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kommt?

Bevor das passiert, sprechen die Wasserversorger entsprechende Empfehlungen aus. Zusätzlich fahren die Wasserversorger den Wasserdruck herunter, damit weniger Wasser durch die Leitungen gespült wird und es zu weniger Wasserverbrauch kommt. Das spüren die Verbraucher dann auch an ihrem Wasserhahn. Enercity hat ausreichende Wasserreserven. Allerdings wird die Wasserzuleitung nach Hannover durch die Baumaßnahmen eingeschränkt. Da die Stadt Hannover für enercity an erster Stelle der Versorgung steht, erreicht nur ein geringerer Wasseranteil die benachbarten Versorger.

Drohen mir Strafen, wenn ich entgegen der Empfehlung des Wasserverbandes Garbsen-Neustadt meinen Rasen sprenge?

Wir fahren keine Kontrollen. Wir werden Leute aber entsprechend darauf hinweisen, wenn wir jemanden sehen sollten, der seinen Rasen sprengt. Es geht um ein gesundes Maß des Wasserverbrauchs. Unser Ziel ist es, die allgemeine Wasserversorgung aufrecht erhalten zu können. Wir benötigen das Trinkwasser ebenfalls für die Löschwasserversorgung, für Krankenhäuser oder für Dialysepatienten. Deshalb ist es wichtig, an den nicht unwichtigeren Punkten Wasser einzusparen.

Ist der heiße Sommer 2018 Schuld an der jetzt herrschenden Wasserknappheit?

Nein, das hat nichts mit dem heißen Sommer 2018 zu tun. Wir haben genügend Wasser. Der heiße Sommer 2018 wird sich erst in 20 oder 30 Jahren bemerkbar machen. Allerdings ist es so, dass sich die abgefragten Wasser-Spitzenmengen pro Tag in den letzten Jahren erhöht haben.

Können die Wasserversorger nicht einfach mehr Wasser speichern?

Der Wasserverbrauch wurde für die einzelnen Gebiete vor vielen Jahren berechnet. Um diesen berechneten Bestand zu erhöhen, bedarf es verschiedener Maßnahmen. Es beginnt bereits bei der Wasserförderung. Dafür werden Bewilligungen benötigt, das Wasser an bestimmten Stellen entnehmen zu dürfen. So eine Bewilligung zu bekommen kann allerdings Jahre dauern. Ebenfalls müssen die Aufbereitung und die Rohrnetze für den ansteigenden Wasserverbrauch entsprechend ausgelegt sein. Wenn wir aktuell unsere Kapazitäten erweitern wollen würden, sprechen wir von einem Planungszeitraum von 10 Jahren.

(mit Material der dpa)