Wenn einer eine Reise tut

Sitten und Gepflogenheiten im fernen Japan

Japan ist ein Land voller Gegensätze. Alte Tempel inmitten modernster Hochhäuser, Traditionen und westliche Einflüsse – all das schafft den Facettenreichtum des Landes. Doch um dieses Land wirklich zu verstehen, muss erst Bekanntschaft mit seiner Kultur geschlossen werden.


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 (Foto: DN6 - Fotolia)

Der Inselstaat - Zwischen hochmodernen Großstädten und uralten Tempeln

  • Das Land der aufgehenden Sonne

Nihon oder Nippon, die japanische Bezeichnung für Japan, wird in seiner Bedeutung auch mit Land der aufgehenden Sonne übersetzt. Als ostasiatischer Inselstaat, der viele ursprüngliche Siedler aus den nahegelegenen China aufweist, bekam er diese Bezeichnung ganz zu Recht:

Von China aus gesehen, geht die Sonne zuerst in Japan auf.

Doch wer Japan kennt, wird diese Bedeutung auch gerne symbolisch auf das Land übertragen. Japan ist ein Land mit einem florierenden Wirtschaft und einer hohen kulturellen Vielfalt.

Mit seiner Größe von knapp 378 km² gehört es zu den vier größten Inselstaaten der Welt. Vier Hauptinseln und 6.848 kleinere Inseln ermöglichen eine landschaftliche Vielfalt, die von Küstenregionen über Sanddünen in Tottori und Moorlandschaften in Gunma bis hin zu den „Japanischen Alpen“ führt. Mit am bekanntesten ist der Fuji-San (Fudschijama), der höchste Berg Japans. Mit seiner eisbedeckten Spitze ragt der Vulkan 3776 Meter empor.

Durch die Gebirgskette, die Japan durchzieht, sind insgesamt nur etwa 20 Prozent des Landes für Besiedlung, Industrie und Landwirtschaft nutzbar. Zwei Drittel des Landes sind dabei von Wäldern bedeckt. Diese geographischen Besonderheiten führen je nach örtlicher Gegebenheit zu stark unterschiedlichen Besiedlungsdichten. So finden sich in Japan abgelegene, idyllische Naturlandschaften sowie alte Kulturstätten, aber auch riesige Großstädte, die den einzelnen Präfekturen zugeordnet sind.

  • Die Hauptstadt Japans fasst mehr als ein Zehntel der deutschen Bevölkerung

Zu der bevölkerungsreichsten Präfektur gehört Tokio. Diese Gebietskörperschaften sind vergleichbar mit den einzelnen Bundesländern hierzulande. Auf einer Fläche von 2.187 km² vereint die Präfektur Tokio somit über 13,6 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 6223 Einwohner pro km² deutlich über dem Landesdurchschnitt von 337 Einwohnern pro km².

Als Metropole findet sich hier alles zwischen Vergangenheit und Zukunft was Mensch und Kultur hervorgebracht haben. Von bunten und blinkenden Werbeanzeigen, riesigen Wolkenkratzern und fantastischen Ausblicken über die Stadt bis hin zu ruhigen Parks und alten Bauwerken, Schreinen und Tempeln. Menschen in traditioneller Kleidung und Personen in verrückten Outfits. Die Facetten und Eindrücke sind unendlich.

Allein neun Millionen der Einwohner Tokios entfallen noch auf den eigentlichen Kernbereich der Stadt. Damit umfasst die Hauptstadt Japans mehr als ein Zehntel der Bevölkerung von Deutschland. Entsprechend ist das Angebot des Zentrums immer noch gigantisch.

Unzählige Wolkenkratzer und Shoppingmöglichkeiten schaffen futuristische Elemente. Kaufhäuser über zehn Etagen und langen Ladenpassagen zeugen vom Konsumwillen des Menschen. Hier finden sich die neuesten Modetrends, Beauty-Artikel, niedliche Glücksbringer, neueste Elektronik und traditionelle Waren. Es gibt wahrlich nichts, was es nicht gibt.

Bunte Spieleautomaten und Fotoautomaten für spaßige Fotokreationen dienen zum Zeitvertreib. Der 332,6 Meter hohe Tokio Tower, der optisch stark an den Eifelturm erinnert, lockt jährlich an die drei Millionen Besucher mit seinem Ausblick über die Stadt.

Ein ähnliches Bild findet sich in den anderen Großstädten Japans wieder. Geschäfte, Besichtigungstower und teilweise futuristisch anmutende Wolkenkratzer gehören auch zu den anderen Millionenstädten wie Yokohama, Osaka, Nagoya oder Kobe.

Wer hingegen mehr den traditionellen Werten Japans nachhängt, ist in vielen Museen der Städte gut aufgehoben. Ob japanische Farbholzschnitte, chinesisches Porzellan, Kalligrafie- oder einheimische Volkskunst, das Angebot an sehenswerten Kunstwerken ist riesig. Zudem finden sich auch innerhalb der Zentren kleine, aber beschauliche Tempelanlagen und Mönchs-Kloster.

  • Heilige Hirsche in unberührter Natur

Erstaunlich ist die unmittelbare Nähe der großen Zentren zu nahezu unberührter Natur. Keine Stunde von der drittgrößten Stadt Japans entfernt liegt Nara. Zwischen 710 und 784 war dies die Hauptstadt Japans. Relikte aus dieser Zeit sind große Tempelanlagen in grüner Natur.

Mit am imposantesten ist der Todaiji-Tempel. Der weltweit größte Holzbau beherbergt die berühmte Buddha-Statue Daibutsu, die 16,2 m bemisst und 751 erbaut wurde.

Auf dem Weg dorthin begegnen einem freilaufende Rehe und Hirsche. Geschätzt sind es an die 1300 Tiere. Da diese Tiere in Nara als heilig gelten, dürfen sie nicht getötet werden und leben dort im Einklang mit den Bewohnern. So kommt es nicht selten vor, dass ein Auto halten muss, da ein Reh über die Straße geht, oder Anwohner sich beim Warten die Bushaltestelle mit einem Hirsch teilen.

Genügend Rückzugsmöglichkeiten finden die Tiere in Wäldern und Parkanlagen.

Doch in einem Land, das zu zwei Drittel aus Wald besteht gibt es noch weitere Flecken sehenswerten Boden. Einige der schönsten Orte für unberührte Natur befinden sich im Süden auf der vierten Hauptinsel Kyuashu. Traumhafte Küsten und Strände bieten einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt Heimat. Die kleine Insel Nokonoshima ist zudem als Blumeninsel bekannt und gibt einen Einblick in die japanische Flora.

„Kleine Inseln bieten Brutstätten für Schildkröten“

Die nahegelegene Insel Yakushima beherbergt alte Zedern und ist Brutstätte für Schildkröten, die jedes Jahr zur Eiablage die Strände der Insel nutzen.

Mit auf der größten der Hauptinseln, auf Honshu, befindet sich der Fudschijama. Schon von Tokio aus lässt sich der imposante Vulkan bestaunen. Aus der Nähe wirkt er noch um einiges majestätischer. Mehrere Routen führen den Vulkan hinauf, der zu den heiligen Stätten in Japan gehört. Ruhiger jedoch ist die Region rund um den Vulkan. Seen und Parks zu Füßen des Berges bieten neben einem angenehmen Klima ein Gefühl von Naturverbundenheit und Freiheit. Ebenso lässt sich der Ausblick auf den Fujijama von der kleinen Halbinsel Enoshima aus betrachten.

Die Buchten sind für ihre malerische Landschaft bekannt. So lassen sich in Japan ohne weiteres alle Landschaftsbereiche von Strand bis schneebedeckte Vulkanspitze miteinander kombinieren.

Japanische Einwohner: die asiatische Kultur hautnah erleben

  • Essen in Japan

Bei den Grundnahrungsmitteln ist Japan stark von seiner Eigenheit als Inselstaat beeinflusst. Umgeben von Meer, lebt das Land mit seinen insgesamt 6852 Inseln zum großen Teil von Fisch. Dieser findet sich in vielen Gerichten, allen voran dem bekannten Sushi, wieder. Frisch und in roher Form enthält er gesunde Fette und Vitamine, aufgrund des mitservierten Reis gilt die Speise zudem als sehr kalorienarm.

Um etwas vom leckeren Sushi zu kosten, muss nicht lange erst gesucht werden. An jeder Ecke finden sich in Japan Restaurants oder Essgelegenheiten. Durch die Abbildungen auf den Speisekarten lässt sich leicht erahnen, ob etwas Passendes für den eigenen Geschmack dabei ist.

Je nach Lokalität werden die Gerichte zusätzlich in eingeschweißter Form ins Schaufenster gestellt. So wissen Kunden, was sie im Restaurant erwartet. Dabei lassen die eingeschweißten Mahlzeiten schon erkennen, dass bei der Zubereitung viel Wert auf das optische Erscheinungsbild gelegt wird.

Auch privat legen Japaner auf die Ansehnlichkeit einer Mahlzeit großen Wert. Schon das Frühstück ist bei ihnen ein wahrer Augenschmaus. Als eine der wichtigsten Tagesmahlzeiten, fällt das Frühstück bereits sehr reichhaltig aus. Zum Start in den Tag gibt es Suppe, Fisch, Reis und Gemüse. Jeder Bestandteil des Frühstücks wird in einer separaten Schale angerichtet und serviert. Gängiger Weise ist es das Frühstück deftig ausgerichtet, wobei auch einige dazu neigen auf süße Bestandteile wie süße Omeletts zurückzugreifen. Mittags wird meistens in der Kantine oder einem Restaurant gegessen. Zur Mittagszeit liegen die Preise auch in einem preisgünstigen Rahmen. Bei Abendessen steigen die Preise hingegen wieder an. So kann es passieren, dass abends das Essen im selben Restaurant um das Dreifache teurer ist, als zur Mittagszeit. Dies hängt damit zusammen, dass abends oft Arbeitsessen auf Firmenkosten stattfinden.

Die Auswahl der Mahlzeiten hat sich dabei mittlerweile dem Westen angepasst. Neben landestypische Spezialitäten wie Shabu-Shabu (hauchdünnes Fleisch, mit Pilzen und Gemüse in Brühe gegart und mit Erdnuss-Sesamsoße serviert) oder Kaiseki (leckere Kleinigkeiten der Saison), finden sich Gerichte wie Tonkatsu, bei dem es sich um ein paniertes Schnitzel mit Kohl und Senf handelt. Aber auch neue Essens-Kreationen lassen sich im Land der aufgehenden Sonne entdecken.

Neben dem Essen gibt es in Japan auch eine große Bandbreite an Getränken. Eins der Standardgetränke, was auch in einigen Restaurants umsonst ausgeschenkt wird, ist grüner Tee. Dieses Getränk ist so populär, dass sogar Softdrinks auf Grünteebasis angeboten werden. Ein weiteres landestypisches Getränk ist Sake. Dieser Reiswein besitzt eine hohe symbolische Bedeutsamkeit bei religiösen Zeremonien. So wird er an Hausaltären und Schreinen den Göttern geopfert. Allerdings wird er ebenso häufig im ganz normalen Alltag getrunken.

  • Wohnen in Japan

So sehr sich die Japaner in ihren Essgewohnheiten von uns unterscheiden, so sehr unterscheiden sie sich auch in ihren sonstigen Lebensgewohnheiten. Dabei hat sich zwischen ihrer ursprünglichen, traditionellen und der heutigen Wohnweise einiges geändert.

„Traditionelle Wohnungen sind schlicht und funktional“

Die traditionelle Bauweise der Häuser lehnte sich stark an die buddhistische Lebenshaltung an. Das alltägliche Leben wurde in die Natur eingebunden. Schlicht und funktionell wurde die Raumgestaltung an den Bedarf angepasst. Große Fenster und Türöffnungen wurden aufgrund des Klimas verwendet und ermöglichten eine einfache Querlüftung. Die Häuser standen frei, umgeben von Gärten. Das Innenleben ist in den typischen Bauwerken ist schlicht gehalten. Reisstrohmatten auf dem Boden, wenige Möbel, ein Sitzkissen und eventuell ein flacher Tisch zieren die Räumlichkeiten.

Aufgrund der gestiegenen Besiedlungsdichte hat sich diese Wohnart jedoch verändert. Das einzige was nach wie vor gleichgeblieben ist, ist die Tradition, die Schuhe vor dem Betreten der Wohnung auszuziehen. Es ist daher kein seltener Anblick, dass sich im Flur oder vor den Wohnhäusern Schuhregale befinden.

Das Wohnen selber ist allerdings sehr viel beengter geworden. In Großstädten wie Tokio bleiben oftmals nur zehn Quadratmeter Fläche zum Leben. Schränke für Kleidung finden dort keinen Platz. Für viele findet ein Leben aus dem Koffer statt. Die Küche ist grade mal so groß, dass ein Kühlschrank und ein Herd hineinpassen. Das Bad staucht auf engstem Raum ein kleines Waschbecken, Dusche und WC zusammen. Japaner vergleichen daher oftmals ihren Wohnraum mit einem Vogelkäfig

Wer in Japan etwas mehr Platz möchte, muss auf weniger besiedelte Randgebiete ausweichen. Auch für Touristen sind die Hotelzimmer eher klein gehalten. Die Gestaltung der Badezimmer erinnern manchmal an Flugzeug-Toiletten. Das eigentliche Zimmer umfasst meistens nicht mehr als ein Bett, einen kleinen Tisch und einen Stuhl.

  • Einkaufen in Japan

Im Kontrast zu den beengten Wohnverhältnissen in den Großstädten stehen die dortigen Konsummöglichkeiten. Die riesigen Einkaufspassagen befinden sich in Bahnhofsnähe. Wie eine kleine unterirdische Stadt, reihen sich dort Geschäfte und Ladenlokale aneinander. Doch die Verhältnisse sind dort keineswegs beengt. Das Shoppingerlebnis unterscheidet sich nicht wirklich von oberirdischen Passagen.

Erstaunlich ist das große Angebot für Kleinigkeiten, die hierzulande als Staubfänger oder Schnickschnack bezeichnet würden. Das Optische spielt eine große Rolle. Hauptsache die Gegenstände sind niedlich und hübsch. So finden sich Blöcke, Kalender oder Notizzettel in tausend verschiedenen Designs. Schmuck, ob fürs Haar, die Fingernägel oder das Handy sind in ausreichend Varianten erhältlich.

Wer eine Tasse, ein T-Shirt oder einen Zahnputzbecher mit einem Logo einer bestimmten Marke oder einer bekannten TV-Serie sucht, wird sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in einem der Läden finden. Auch modisch lassen sich extravagante Teile entdecken, die erst Monate später ihren Weg nach Europa finden werden.

Bekannt ist Japan für seine Elektronik. Günstig und in guter Qualität lassen sich Büroelektronik, Kameras und Technik für Videospiele erwerben. Allerdings muss hier auf passende Netzteile sowie Kompatibilität zu unserem Stromnetz geachtet werden. Während wir bei uns eine Netzspannung von 230 Volt haben, beträgt die Netzspannung in Japan nur 100 Volt. Sind die Geräte nicht auf 230 V ausgerichtet, sind sie bei uns nicht nutzbar.

„Mehr als nur Shopping: Tanzdarbietung im Einkaufszentrum“

Neben dem reinen Shoppingvergnügen bieten die Einkaufszentren noch weiteren Unterhaltungswert. So finden in einigen Kaufhäusern Gesangs – oder Tanzauftritte statt, die Abwechslung von Konsum schaffen und Essplätze, die bei Magenknurren gegen den Hunger helfen.

Etwas gemächlicher geht es in kleineren Städten zu. Hier befinden sich die Einkaufszentren teils noch komplett oberirdisch und sind vergleichbar mit unseren Fußgängerzonen. Doch dem Shoppingflair zum Trotz gibt es einige Begebenheiten, die in jeder Stadt und ganz besonders in kleineren Städten beachtet werden sollten. Im Umgang miteinander ist immer sehr auf Höflichkeit zu achten und im eigenen Verhalten sollte sich jeder bewusst sein, dass es große kulturelle Unterschiede gibt. So sind einige Handlungen, die bei uns völlig normal sind, in Japan extrem unhöflich oder gar beleidigend.

Die Etikette: Wichtige Verhaltensregeln für Japan

  • Japanische Umgangsformen

Traditionen sind grundlegender Bestandteil der Japanischen Kultur. Dass diese teilweise so weit entfernt von unserer Kultur sind, mag unter anderem mit der räumlichen Distanz zwischen den beiden Ländern zusammenhängen. Wer Japan bereist, sollte sich daher über örtliche Gepflogenheiten informieren, um nicht am ersten Tag in ein Fettnäpfchen zu treten.

Grundsätzlich gelten Japaner als sehr höflich und erwarten dieselbe Höflichkeit von ihrem Gegenüber. Kritik in der Öffentlichkeit ist etwas Fremdes für einen Japaner. Genauso wird es als No-Go gewertet, wenn sie in der Öffentlichkeit auf einen Fehler aufmerksam gemacht werden. Das Gesicht zu verlieren ist eine der demütigsten Dinge, die ihnen widerfahren können.

„Warum Japaner nicht nach dem Weg gefragt werden sollten“

Daher ist es auch nicht unbedingt ratsam in Japan nach dem Weg zu fragen. Um den Fragenden nicht zu enttäuschen, kommt es durchaus vor, dass der Japaner einen in irgendeine Richtung schickt, um nicht eingestehen zu müssen, dass er den Weg nicht kennt. Demnach ist das japanische Ja „Hai“ auch nicht überzubewerten. „Hai“ ist in der Bedeutung gleichzusetzen mit „Ja, ich höre zu“. Häufig wird so auch „Hai“ gesagt, obwohl kein echtes „Ja“ gemeint ist. Die Frage, ob der richtige Weg der Straße entlangführt, kann also mit einem „Hai“ beantwortet werden und trotzdem falsch sein.

Aber auch anders herum empfinden Japaner ein Nein ihres Gegenübers als persönlich verletzend. Wird einem ein Geschenk oder auch nur ein kostenloser Flyer angeboten, bietet es das Gesetz der Höflichkeit, dass dieser dankend angenommen wird. Dies sollte vor allem in kleineren Städten beachtet werden, wo Touristen nicht so häufig sind und die Traditionen noch stärker gelebt werden.

  • Do’s and Don’ts für Geschäftsreisende in Japan

Für Geschäftsreisende gelten noch einmal gesonderte Umgangsformen. Bei der Begrüßung wird der Gegenüber mit seinem kompletten Titel angesprochen, ans Ende des Namens wird die Endung „San“ angehängt. Dies ist gleichbedeutend mit dem hiesigen „Frau“ beziehungsweise „Herr“.

Statt eines Händeschlags wird sich zur Begrüßung verbeugt. Immer häufiger findet sich auch eine Kombination aus Handschlag und Verbeugung.

Dabei ist die Verbeugung je nach Rang und Geschlecht unterschiedlich. Je niedriger der Rang, desto tiefer die Verbeugung. Dabei wird sich mit gradem Rücken verbeugt. Üblicherweise ist ein Verbeugungswinkel von 45° angebracht. Während Männer ihre Arme dabei seitlich am Körper anlegen, legen Frauen ihre Arme auf dem Schoss zu einem Dreieck zusammen.

Des Weiteren gehört es auf Geschäftsreisen zum guten Ton untereinander die Visitenkarten auszutauschen. Diese werden mit beiden überreicht und ebenso mit beiden Händen entgegengenommen. Als unhöflich gilt es, die erhaltene Visitenkarte direkt wegzustecken. Stattdessen wird sie vor sich auf dem Tisch liegen gelassen. Bei der Verwendung von Visitenkarten sollte vor allem auf Hochwertigkeit Wert gelegt werden.

Für Mitbringsel, die als Geschenk gedacht sind gilt ähnliches. Die Verpackung ist wichtiger als der Inhalt. Eine hübsche Verpackung mit Schleifchen zeugt von der Wertschätzung seines Gegenübers. Mit weißem Papier und einem farbigen Band kann nicht viel falsch gemacht werden. Auch hier wird das Geschenk mit zwei Händen überreicht.

Als Geschenk-Inhalt eignen sich:

  • Alkohol
  • Süßigkeiten
  • CD’s
  • Lokale Spezialitäten (Bierkrüge, Kuckucksuhren etc.)

Generell gilt lieber etwas Essbares schenken als Blumen. Zudem sollte das Geschenk nicht zu groß sein. Lieber eine Kleinigkeit schenken und dafür öfter. Wird selber ein Geschenk erhalten, wird es dankend angenommen und bei Seite gestellt. Ausgepackt wird erst, wenn der Beschenkende nicht mehr dabei ist.

Bei Geschäftsessen entspricht es der Etikette, dass der Gastgeber die Rechnung übernimmt. Vor der Mahlzeit werden fechte Handtücher gereicht, mit denen die Hände gereinigt werden sollten.

Gerne gesehen werden:

  • Erwiderung der Trinksprüche
  • Alle Speisen zu probieren
  • Das eigene Glas während des Einschenkens mit zwei Händen zu halten
  • Getränke dem Nachbar einzuschenken (nicht sich selbst)

Gemieden werden sollte:

  • Sich selbst Sake nachschenken
  • Warme Speisen vor kalten Speisen essen
  • Stäbchen ins Essen stecken
  • Mit Stäbchen essen, wenn der Umgang damit nicht beherrscht wird

„Pünktlichkeit wird in Japan groß geschrieben“

Zu vereinbarten Geschäftsterminen ist Pünktlichkeit oberstes Gebot. Für gewöhnlich werden geschäftliche Termine nicht alleine wahrgenommen, es sollte daher immer noch mindestens eine weitere Person anwesend sein. Im japanischen gilt im Geschäftlichen sowie im Privaten, dass eine Hand die andere wäscht. Verpflichtungen einander gegenüber werden ernstgenommen und auch von der anderen Seite erwartet.

Während der Gespräche ist ebenso auf ein höfliches Miteinander zu achten. Als extrem unhöflich gilt es, den Gesprächspartnern während sie reden ins Wort zu fallen. Ebenso ist bei den Treffen Geduld angebracht. Persönliche Beziehungen werden langsam aufgebaut und bei Verträgen Einzelheiten und Details erst am Ende besprochen. Dabei ist es üblich Dinge zu umschreiben anstatt direkt einen bestimmten Punkt anzusprechen.

Wer auf seinen Geschäftsreisen bei seinen Partnern ein gutes Standing möchte sollte folgende Don’ts vermeiden:

  • Zu spät erscheinen
  • Dem Gesprächspartner ins Wort fallen
  • Zu bestimmten Verhandlungspunkten direkt „Nein“ sagen
  • Direkt mit Anwälten erscheinen
  • Dem Gesprächspartner den Rücken zuwenden
  • Beim Lachen oder Gähnen die Zähne zeigen
  • Do’s and Don‘ts für Touristen

Als Tourist gibt es genauso Punkte zu beachten, um nicht negativ ins Bild zu fallen. Dies fängt bereits beim Aufenthalt im Hotel an. In Japan werden vor dem Betreten einer Wohnung immer die Straßenschuhe ausgezogen. Dies gilt genauso für das Hotelzimmer.

Es wird höchst ungern gesehen, wenn der Gast sich während seines Aufenthalts nicht daran hält. Dabei ist es in Ordnung die Schuhe direkt hinter der Tür auszuziehen und im eigenen Hotelzimmer stehen zu haben.

Erstrecht gilt es bei dem Besuch eines Tempels sich an das Ausziehen der Schuhe zu halten. Meist steht vor solchen Tempeln eine extra Ablagefläche für Schuhe, oder sie werden draußen auf den Stufen abgelegt.

Ein weiteres No-Go ist ein auffälliges Verhalten in der Öffentlichkeit. Lautstarkes Fluchen und Schimpfen ist dabei genauso verpönt wie lautes Naseputzen. Bestenfalls wird das Putzen der Nase auf eine der öffentlichen Toiletten verlegt.

Genauso wird es nicht gerne gesehen, wenn in der Öffentlichkeit während des Gehens gegessen und getrunken wird. Essen hat in Japan einen hohen Stellenwert und daher sollte sich dafür entsprechend Zeit genommen werden. Daher sollte sich zum Essen oder Trinken auf eine Bank niedergelassen werden.

In den meisten Fällen ist das Essen auf offener Straße allerdings auch gar nicht wirklich nötig, da sich alle paar Meter Restaurants, Bars oder kleine Imbisse befinden. Doch genau bei dieser Gelegenheit besteht schon das nächste Risiko für einen Fauxpas. Während es hierzulande als unhöflich gilt kein Trinkgeld zugeben, ist es in Japan genau anders herum. Mehr Geld für die dargebrachte Leistung zahlen zu wollen kann als Beleidigung aufgefasst werden. Es sollte daher nur der ausgewiesene Betrag gezahlt werden.

Beim Essen selber gibt es weitere Benimmregeln, denen Beachtung geschenkt werden sollte. Dies gilt vor allem für die Nutzung der Essstäbchen.

„Essen niemals mit den Stäbchen aufspießen“

Das Essen sollte niemals mit den Stäbchen aufgespießt werden. Wird das Essen geteilt und ein Gemeinschaftsteller benutzt, muss das Essen von diesem erst auf einen kleinen eigenen Teller überführt werden, bevor es gegessen wird.

Wird etwas Sushi vom eigenen Teller abgegeben, sollte vorher bestimmt werden, welches Stück abgegeben wird. Das suchende Herumkreisen der Stäbchen über dem Teller wird nicht gerne gesehen. Genauso wenig wird es gemocht, wenn die Stäbchen in eine Schale mit Reis gesteckt werden, da dies an ein Beerdigungsritual erinnert.

Wer all diese genannten Regeln beachtet, wird in Japan mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv aufgenommen und schöne Erinnerung an seine Reise mit nach Hause nehmen.

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