Hintergrund

Hundegesetz, Wesenstest - Zahlen und Fakten zu Kampfhunden

Zwei schreckliche Tragödien innerhalb weniger Tage: In Groß Buchholz beißt ein Staffordshire-Mischling seine zwei Besitzer tot, im hessischen Bad König stirbt ein Säugling nach einem Biss in den Kopf.


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 (Foto: picture alliance / Marcus Brandt)

Eine deutschlandweite Regelung zur Haltung von Kampfhunden gibt es nicht. Welche Rassen als gefährlich gelten, listen die einzelnen Bundesländer auf.

Häufig werden Rassen wie Pitbull Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier oder American Staffordshire Terrier als gefährlich eingestuft. Für sie gilt auch ein bundesweites Importverbot.

In Hessen, wo jetzt ein Baby getötet wurde , ist das Halten von gefährlichen Hunden in einer speziellen Verordnung aus dem Jahr 2003 geregelt. Zur Liste der gefährlichen Hunde gehören zehn Rassen und Gruppen, darunter ist der Pitbull-Terrier oder der Staffordshire-Terrier.

Einige Bundesländer erfassen "Listenhunde"

Ein Halter braucht für diese "Listenhunde" - das Wort Kampfhund wird von den Behörden nicht verwendet - eine Erlaubnis der Ordnungsbehörden der jeweiligen Kommunen. Der Halter muss auch eine Sachkundeprüfung ablegen. Außerdem muss für den Hund eine "positive Wesensprüfung" vorliegen.

In Zusammenarbeit mit den drei Regierungspräsidien des Landes wird die Liste der gefährlichen Hunde regelmäßig angepasst. Zuletzt wurde 2008 der Rottweiler in die Liste neu aufgenommen. Aus der Liste gestrichen wurden die Rassen Mastiff, Mastino Napoletano und Fila Brasileiro.


Die Regelungen in Niedersachsen

In Niedersachsen ist die Haltung von Hunden im sogenannten "Hundegesetz" (NHundG) von 2011 geregelt. Hundehalter müssen einen Sachkundenachweis erbringen ("Hundeführerschein"). Der Hund muss gechipt sein, und es muss eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen sein.

In Niedersachsen gibt es keine pauschale Beurteilung aufgrund der Rasse. Hier gelten Hunde nur individuell als gefährlich - etwa wenn sie Menschen oder Tiere gebissen haben oder besonders angriffslustig sind. Nach Angaben des Agrarministeriums sind landesweit von aktuell knapp 350.000 Hunden im Melderegister etwa 460 Tiere (rund 0,1 Prozent) als gefährlich gekennzeichnet. Für sie wird eine besondere Zulassung für die Haltung benötigt. In der Öffentlichkeit gilt Leinenzwang und Beißkorbpflicht.

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Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Das Statistische Bundesamt zählte von 1998 bis 2015 insgesamt 64 Todesopfer.

Hundebisse werden bundesweit nicht statistisch erfasst. Für das Jahr 2010 zählte die gesetzliche Unfallversicherung 3610 gemeldete Bissverletzungen - davon etwa 75 Prozent durch Hunde und Katzen. In einer Dissertation, die Beißstatistiken der Bundesländer für 2012 auswertet, werden knapp 3000 Hundebisse an Menschen gezählt. Wenn die Attacken tödlich enden, sind demnach meist Menschen Opfer, die sich schlecht verteidigen können - also Ältere und kleine Kinder.

Bundesweit Aufsehen erregte im Juni 2000 der Fall des kleinen Volkan. Zwei freilaufende American-Staffordshire-Mischlinge stürzten sich auf einem Schulhof in Hamburg auf das spielende Kind und zerfleischten den Sechsjährigen. Daraufhin wurden in den Bundesländern die Gesetze verschärft. In Hannover biss der Staffordshire-Terrier-Mischling „Chico“ Anfang April seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn tot. (dpa)