Lieber zurück ins Büro

Was wurde aus dem Trend Heimarbeit?

Neue Möglichkeiten und Technologien im Multimediabereich sollten es möglich machen: Der Heimarbeitsplatz als Alternative zur täglichen Fahrt ins Büro.


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(Foto: pixabay.com/ Life-Of-Pix)

Heimarbeit anstatt der täglichen Fahrt ins Büro war für viele Arbeitnehmer ein lange gehegter Wunsch, der durch multimediale Kommunikationskanäle in Erfüllung gehen sollte. Doch was ist aus den Träumen von flexiblen Arbeitszeiten, einer besseren Work-Life-Balance und dem Königsweg für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geworden? Jüngste Entwicklungen zeigen, dass es immer mehr Arbeitnehmer vom heimischen Schreibtisch wieder zurück ins Büro zieht. Hat sich der viel gepriesene Trend zum Heimarbeitsplatz etwa schon wieder überlebt?

Es sollte ein wahrer Durchbruch in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden. Der so genannte Telearbeitsplatz oder das Home Office hatten viel Potential, das Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zu ihrem Vorteil nutzen sollten. Tatsächlich haben sich in vielen Branchen auch Modelle entwickelt, die mit flexibleren Arbeitszeiten und der Aufhebung einer ständigen Anwesenheitspflicht im Unternehmen vor allem für Frauen, die mit Kindern wieder in den Beruf einsteigen möchten, neue Möglichkeiten eröffnet haben. Ein Schritt in die richtige Richtung, da waren sich Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierung einig. Um die guten Ansätze weiter auszubauen, wurden vielfältige technische Möglichkeiten geschaffen. Hierzulande ging ein Projekt des Harzer Freifunkvereins mit gutem Beispiel voran. Eine Verbesserung der Internetverbindung im Oberharz war das Ziel des Projektes. Dort sah es mit einem stabilen Internetzugang vielerorts bis vor kurzem nämlich noch schlecht aus. Für den Umzug ins Home Office natürlich ein echtes Ausschlusskriterium. Die Verbindungslücke konnte der Freifunkverein sehr erfolgreich durch private Router schließen, deren Nutzer ihr WLAN kostenfrei auch für andere Nutzer zur Verfügung stellen. Eine detaillierte Beschreibung des Projektes und wie Ortsansässige sich daran beteiligen können, ist unter harz.freifunk.net zu finden.

Auch andernorts hat sich viel getan, um Arbeitnehmer, die schwerpunktmäßig am Schreibtisch oder am Computer arbeiten, zumindest räumlich vom Unternehmen unabhängig zu machen. Zunächst erlebte die Arbeitswelt auch eine merkliche Bewegung in Richtung Home Office und so mancher Arbeitnehmer, der schon lange von mehr Flexibilität geträumt hatte, nahm die neuen Möglichkeiten dankbar in Anspruch. Lange hat der Trend allerdings nicht angehalten. Seit einigen Jahren schon ist zumindest hier in Deutschland die Euphorie deutlich abgeklungen und der Wechsel an den heimischen Schreibtisch ist branchenübergreifend stark zurückgegangen.

Wie das Statistische Bundesamt angibt, ist die Zahl der Männer, die zumindest gelegentlich von zu Hause aus arbeiten, von 2008 bis 2014 um 19 Prozent gefallen, bei Frauen sind es immerhin 14 Prozent. Das zeigt, dass der Trend zum Home Office tatsächlich vor allem für Frauen interessant ist, die vielfach Familie und Beruf sinnvoll miteinander verknüpfen müssen. Damit hätten die neuen Modelle zumindest eine ganz wichtige Zielgruppe auch langfristig angesprochen. Grundsätzlich ist der Trend aber merklich rückläufig, wenn auch bislang nur in Deutschland.

Das Potential wird nicht ausgeschöpft

Im europäischen Umfeld unterscheidet sich Deutschland in puncto Heimarbeit deutlich von vielen anderen Ländern. Vor allem die skandinavischen Länder kultivieren flexible Arbeitszeitmodelle schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich und setzen damit vor allem ein Zeichen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Während auch in vielen anderen europäischen Ländern noch immer ein wahrer Run auf die Heimarbeitsplätze herrscht, zieht es viele deutsche Arbeitnehmer wieder zurück in den Schoß des Unternehmens.

Und das gerade jetzt, wo der Gesetzgeber mit so gutem Beispiel voran gehen und das Home Office fest im Arbeitsrecht etablieren wollte. Zu Beginn des Jahres hatte die SPD angekündigt, einen Rechtsanspruch auf einen Heimarbeitsplatz gesetzlich zu verankern, zumindest für die Berufsbilder, für die dies sinnvoll ist. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gilt das immerhin für rund 40 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland. Nur zwölf Prozent können allerdings bislang ihre Tätigkeit tatsächlich vom Büro unabhängig ausüben. Den Ergebnissen der Studie zufolge sind fehlende Möglichkeiten und eine mangelnde Bereitschaft auf Seiten der Arbeitgeber vielfach der Grund dafür, dass das ungemeine Potential, das flexiblere Arbeitsmodelle bergen, hierzulande noch längst nicht ausgeschöpft wird.

Bessere Technik erleichtert die Arbeit

Ein Grund für die Rückkehr ins firmeneigene Büro ist wahrscheinlich die bessere technische Ausstattung, die Arbeitnehmer vor Ort nutzen können. Schnelle Internetverbindungen, modernste Computer- und Drucktechnologie und unbegrenzter Zugriff auf erforderliche Büromaterialien können die Arbeit erleichtern. Die Computertechnologie schreitet mit großen Schritten voran und ein Computer, der heute angeschafft wird, um das Home Office adäquat auszustatten, kann ein einem Jahr längst überlebt sein.

Auch die neue Generation der PageWide-Drucker wird wohl ausschließlich im Firmenbüro zu bewundern sein. An das Potential der leistungsfähigen Business-Drucker kommen die für das Home Office erhältlichen Laser- und Tintenstrahldrucker längst nicht mehr heran. Über die neue Technologie, die in der neuen Generation der Drucker Verwendung findet, informiert Prindo. Während Unternehmen es sich leisten können, in Sachen Büroausstattung mit der Entwicklung der Technik Schritt zu halten, ist dies im privaten Umfeld kaum zu leisten.

Isolation und unklare Grenzen schrecken viele ab

Mit dem Umzug der Arbeit in das heimische Umfeld wurde ein lange gehütetes Tabu gebrochen. Im 20. Jahrhundert war das eigene Zuhause ein Ort absoluter Privatheit. Die Grenze zwischen Beruf und Freizeit wurde klar gezogen und streng verteidigt. Selbst ein Anruf des Chefs nach Feierabend galt zu dieser Zeit beinahe als Übergriff. Heute, im Zeitalter des Handys, ist zumindest diese Grenze nahezu verschwunden. Der moderne Mensch ist nahezu immer und überall erreichbar, im Feierabend und im Urlaub. Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben wird dadurch deutlich schwieriger und verschwindet mit der Einführung des Home Office nahezu ganz.

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) warnt zudem vor der doppelten Belastung, die ein Heimarbeitsplatz vor allem für Familien mit Kindern mit sich bringt. Wer zu Hause präsent ist, muss zwangsläufig auch auf die dort herrschenden Bedürfnisse reagieren. Sich zumindest während einer Kernarbeitszeit ganz aus den häuslichen und familiären Geschehnissen herauszuziehen, zeigt sich in der Praxis als nahezu unmöglich. Wenn die Arbeitsleistung darunter leidet, kann sich ein flexibleres Arbeitsmodell auch für alle Beteiligten durchaus zum Nachteil entwickeln.

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(Foto: fotolia.com/ kite_rin)

Auch die Kommunikation zwischen Vorgesetztem und Arbeitnehmer oder der Mitarbeiter untereinander kann durch das Homeoffice leiden. Viele Singles, die im Home Office arbeiten, beklagen die Isolation, die mit dem Umzug in die eigenen vier Wände einhergeht. Wer den ganzen Tag nur auf sich selbst gestellt ist, kann leicht die soziale Komponente vermissen, die die Arbeit im Team mit sich bringt. All diese Aspekte wirken sich negativ auf die Beliebtheit der Heimarbeitsplätze aus und zeigen deutlich, dass hierzulande noch ein starkes Umdenken einsetzen muss, um den Trend zum Home Office wieder zu stärken und das vorhandene Potential langfristig auszuschöpfen.