Hannover

Neuer Heimathafen für die Industrie 4.0?

Für die Wirtschaft spielt "Industrie 4.0" mittlerweile eine zentrale Rolle. Beim jüngsten Spitzentreffen der Industrie, der CeBIT in Hannover, ging es fast an jedem Stand um die Vernetzung von Maschinen. Ein Rückblick zeigt, dass auch niedersächsische Firmen äußerst innovativ sind.


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(Foto: © falco (CC0 1.0) – pixabay.com)

2011 tauchte der Begriff Industrie 4.0 erstmals im Rahmen der Cebit auf. So gesehen kann Hannover als der Geburtsort der vernetzten Industrie bezeichnet werden. "Industrie 4.0" meint die Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen und Produkten. Mit der digitalen Vernetzung sollen individuell maßgeschneiderte Produkte günstig, hochwertig und schnell produziert werden. Das funktioniert zum Beispiel, indem Maschinen Fertigungsprozesse koordinieren, Roboter mit Menschen kooperieren und fahrerlose Transportfahrzeuge Logistikaufträge erledigen. Flexible Einzelkomponenten ersetzen starre Gesamtsysteme.

Industrie 4.0 in der Region

Produktivitätssteigerungen durch Industrie 4.0 schätzen der Branchenverband Bitcom und das Fraunhofer-Institut bis 2025 auf 23 Prozent, das sind rund 79 Milliarden Euro. Dieses Plus gilt allein schon für die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, chemische und Automobilindustrie, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Landwirtschaft. Das macht die "vierte industrielle Revolution" zur riesigen Chance auch für die niedersächsische Wirtschaft. Bis dato meldet die aus Industrieverbänden bestehende "Plattform Industrie 4.0" 238 Projekte in Deutschland, die entsprechende Innovationen entwickeln, zum größten Teil in der produzierenden Industrie. Von großem Nutzen könnte für diese das aktuelle Gemeinschaftsprojekt der TU Clausthal und des Braunschweiger Ingenieurdienstleisters c4c sein.

Die "Selbstlernende Fehlerbehebungsunterstützung für Fertigungsanlagen" wurde auf der jüngsten CeBit vorgestellt. Das System erkennt und analysiert Fehler in Fertigungsanlagen und empfiehlt, wie diese zu beheben sind. So werden Stillstand und hohe Kosten vermieden. c4c hat auch die „EnyFlow-App“ entwickelt, die Energieströme von Maschinen auf einem iPad sichtbar gemacht und so ein energieeffizienteres Arbeiten ermöglicht. Neuheiten präsentiert auch immer wieder das Groß Berkeler Unternehmen Lenze, zuletzt mit seiner modularen Soft- und Hardware für flexible Maschinenkonzepte: Damit können Maschinen hochflexibel, intelligent und vernetzt arbeiten und individualisierte Produkte zu Konditionen einer Serienfertigung herstellen.

Chancen für Fachkräfte

Insgesamt listet die Plattform Industrie 4.0 in Niedersachsen derzeit 12 Projekte. Weitere Unternehmen werden ihren Weg in die Digitalisierung finden. Denn digitale Lösungen bieten ein riesiges Potenzial für die regionale Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Ein Blick auf Jobportale wie stepstone.de zeigt deutlich, dass Fachkräfte in der Elektro- und Informationstechnik sowie im Maschinenbau begehrt sind, insbesondere interdisziplinäre Kompetenzen spielen eine Rolle. Deutschlandweit hängen rund 15 Millionen Arbeitsplätze von der produzierenden Wirtschaft ab. Und laut einer Bitkom-Umfrage wird die vernetzte Fabrik von morgen weitere Jobs schaffen.