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Ein Leben ohne Handy! Panik?

Mehrere Tage ohne Handy sein - für viele von uns ein absoluter Albtraum, für andere gar kein Problem. Constance Kappler aus unserer Antenne Niedersachsen-Nachrichtenredaktion ist ungewollt seit mehreren Tagen auf Handy-Entzug. Wie fühlt sich das an? Und könntet ihr ohne Handy überleben?


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Wir schreiben den 6. November 2018. Seit vier Tagen ist Constance Kappler aus unserer Antenne Niedersachsen-Nachrichtenredaktion auf Handy-Entzug. Kein Brummen, kein Klingeln, kein kleines, blinkendes Licht am Bildschirmrand - das Handy ist nicht da, wenn auch ungewollt. Alles begann mit einem vermeintlich einfachen Batteriewechsel bei ihrem iPhone 6, der sich zu einer absoluten Handy-Odyssee entwickeln sollte.

Das Leben ohne Handy

Seit dem 2. November, 14 Uhr ist Constance handylos. Eigentlich sollte sie das Handy noch am gleichen Tag zurückerhalten, doch der Batteriewechsel bei ihrem iPhone 6 stellt sich als komplizierter heraus als gedacht. Und für Constance beginnen die dramatischen Tage ohne Handy. Schnell steht fest: ohne das Handy ist ihr Alltag nicht mehr wie er war. Es muss der alte Wecker ausgepackt werden, denn das Wecken mit dem Handy ist erstmal passé. Einkaufszettel werden wieder geschrieben, denn die Notiz-App ist nicht verfügbar. Musik hören, das Navi im Auto, Eilmeldungen per Push-Nachrichten, der Wetterbericht, der Kalender - alles nicht mehr da.

Mögliche Entzugserscheinungen

Mediziner ordnen unser ständiges Bedürfnis nach Kommunikation und Information über unsere Handys in die Gruppe der Suchterkrankungen ein. Die Symptome des Handyentzugs ähneln denen von Alkohol- und Nikotinsucht: starkes Verlangen, Konzentrationsstörungen, Schlafverlust oder Vereinsamung im realen Leben und Vernachlässigung des Berufs. In Extremfällen können Handysüchtige sogar vermehrt an Ängstlichkeit oder depressiven Verstimmungen leiden.

Digital Detox

Und wie war das bei Constance? "Ich habe schon gemerkt, wie abhängig ich von meinem Handy bin. Ich war die ersten Tage ohne Handy wirklich extrem angespannt", erklärt sie. Das Smartphone war ein fest verankerter Teil in ihrem Leben. Constance hat sich so sehr auf ihr Handy verlassen, dass sie andere Gegenstände aus ihrem Leben verbannt hat. Eine Armbanduhr? So etwas benötigt man doch mit einem Smartphone nicht mehr! Ein Taschenkalender? Der ist in Zeiten von digitalen Kalendern doch überflüssig. Bis der Augenblick kommt und das Smartphone ist weg. "Tatsächlich habe ich sogar weniger Kontakt zu Leuten gehabt. Denn ich konnte die sozialen Medien und WhatsApp ohne mein Handy gar nicht mehr nutzen. E-Mails konnte ich auch immer erst überprüfen, wenn ich zuhause war und meinen Laptop hatte", so Constance weiter.

Nach den ersten drei Tagen ohne Handy hatte Constance das Schlimmste überstanden. Statt Anspannung stellte sich sogar eine gewisse Art der Entspannung bei ihr ein. "Da ich ja notgedrungen ohne Handy unterwegs war, war es ganz spannend, dass ich plötzlich andere Dinge wahrgenommen habe. Ich habe nicht mehr die ganze Zeit auf meinen Handybildschirm gestarrt. Gleichzeitig habe ich aber festgestellt, wie viele Menschen um mich herum das machen. Das war schon etwas gruselig." Aber Constance ist ehrlich zu sich selbst. "Sobald ich mein Handy wieder habe, werde ich vermutlich wieder genauso oft mein Handy nutzen, wie vorher auch", sagt sie lachend. Irgendwann, wenn ihr Handy den Batteriewechsel überstanden hat und endlich wieder bei ihr ist.