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Warum richtige Zahnpflege so wichtig ist

Die Werbung hat schon vor mehreren Jahrzehnten eine ebenso knappe wie einleuchtende Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der richtigen Zahnpflege gefunden: Auch in Zukunft noch kraftvoll zubeißen zu können ist aber noch lange nicht der einzige Grund, auf die Gesundheit der Zähne zu achten. Das Vernachlässigen der Mundhygiene kann eben nicht allein zu Schäden an Zahnfleisch und Zähnen führen, sondern noch sehr viel weitreichendere Folgen haben.


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(Foto: fotolia.com © Igor Mojzes)

Bewusstsein für die Zahngesundheit

Für die Pflege der Zähne gibt es inzwischen nicht nur eine Unzahl von herkömmlichen Produkten, sondern immer raffiniertere technische Hilfsmittel. Darüber hinaus sorgen Aktionstage wie der Tag der Zahnschmerzen – der erst unlängst am 9. Februar begangen wurde – oder der Tag der Zahngesundheit – der im letzten Jahr anlässlich seiner 25. Wiederholung ein Jubiläum feiern dürfte – dafür, dass Zahn- und Mundhygiene nicht aus den Köpfen der Menschen verzichten.

In Anbetracht solcher Initiativen und der zur Reinigung verfügbaren Mittel sollten die üblichen Zahnerkrankungen wie Karies oder Parodontose kaum mehr eine Rolle spielen. Tatsächlich ist aber durch den stressigen Berufsalltag keine Seltenheit, dass eine ausgewogene und gesunde Ernährung zugunsten des Verzehrs von Fast Food in den Hintergrund rückt. Problematisch ist dabei nicht allein der Kalorien-, sondern auch der Zuckergehalt. Die vermeintlich schnelle Lösung, ebenfalls von der Werbung propagiert, ist diesem hektischen Lebenswandel angepasst – Zahnpflegekaugummis beheben nicht nur die lästigen Begleiterscheinungen wie Mundgeruch, sondern fördern zudem mit minimalem Aufwand die Mundhygiene.

In manchen Bereichen mag die beworbene Wirksamkeit solcher Kaugummis tatsächlich greifen, bis zu einem gewissen Grad können sie beispielsweise bei der Karies-Prophylaxe helfen. Das gilt ebenfalls für die Remineralisation der Zähne durch besonders kalzium- und fluoridhaltige Kaugummis, denn anders als bei Tabletten zum Schlucken kommt durch das anhaltende Kauen ein sehr viel größerer Anteil der Mineralien wirklich an. Bei der Beseitigung von Zahnbelag (Plaque) oder Speiseresten sind die Kaugummis hingegen deutlich weniger wirksam, vor allem im Vergleich mit dem ausgiebigen Putzen mit der Zahnbürste. Ersetzt werden kann die ausgiebige Zahnpflege also auf diese Weise nicht.

Parodontose und ihre Folgen

Das sollte sie vor allem nicht, weil Parodontose nach wie vor ein großes Problem ist. Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) weist in ihrem Jahrbuch 2015 in dieser Hinsicht kontinuierlich steigende Zahlen aus. Die jeweils im Vergleich zum Vorjahr ermittelten prozentualen Werte schwanken zwar in ihrer Höhe – seit 2003 ist der Anstieg aber anhaltend, so dass 2014 erstmalig mehr als eine Million Patienten wegen einer Parodontoseerkrankung behandelt werden mussten.

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(Foto: fotolia.com © koti)

Dabei wäre das bei der richtigen Zahnhygiene vielfach gar nicht notwendig. Die bakteriell bedingte Entzündung des Zahnfleischs, die sich bei ausbleibender Behandlung von dort immer weiter auf den gesamten Zahnhalteapparat ausweiten kann, entsteht in erster Linie durch nicht entfernten Zahnbelag. Dieser bildet sich zunächst zwischen Zahn und Zahnfleisch, gelangt aber schnell auch in die Zahnzwischenräume und auf die Zahnoberfläche. Die in der Plaque enthaltenen Bakterien sorgen bei längerer Missachtung für eine Entzündung des Zahnfleischs.

Die ersten Anzeichen für eine Parodontose sind gerötetes oder angeschwollenes Zahnfleisch sowie Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder Zubeißen. Oft genug sorgt das Zusammenwirken von Bakterienbefall, Zahnbelag und unzureichender Mundhygiene für Mundgeruch – der kann zwar auch durch verschiedene systemische Grunderkrankungen ausgelöst werden, wahrscheinlicher ist aber der hier beschriebene Fall. Wird an dieser Stelle beispielsweise mit einer professionellen Zahnreinigung entgegengewirkt, kann der Krankheitsverlauf wahrscheinlich noch rechtzeitig gestoppt werden.

Sollte eine solche Intervention ausbleiben, besteht die Gefahr einer sich ausbreitenden Entzündung. Dabei wird das Zahnfleisch immer weiter zurückgebildet, Bakterien und Keime haben in der Folge eine größere Angriffsfläche. Das bringt Schäden an der Zahnwurzel bis hin zum Kieferknochen mit sich, schon vorher droht ein Verlust von Zähnen. Schwerer noch als diese ohnehin unangenehmen Begleiterscheinungen wiegen die möglichen Auswirkungen auf den gesamten Körper: Aus den Zahnfleischtaschen gelangen die Keime schlimmstenfalls bis in die Blutbahn und werden so bis zum Herzen transportiert. Eine schwedische Fallstudie hat das durch Parodontose erhöhte Herzinfarktrisiko bestätigt.

Zu den weiteren Risikofaktoren einer Parodontoseerkrankung gehörten demnach Diabetes und Rauchen. Durch den Verzicht auf letzteres und eine sorgfältige Pflege der Zähne und Zahnzwischenräume kann jedoch schon eine Zahnfleischentzündung und damit die Vorstufe zur Parodontose vermieden werden.

Zahngesundheit in der Schwangerschaft

Eigentlich eine Zeit der erwartungsvollen Vorfreude, bedeuten die hormonellen Veränderungen im Zuge einer Schwangerschaft auch erhöhte Risiken für die Zähne werdender Mütter. Die sind mehr Regel als Ausnahme und zunächst kaum einzudämmen: Durch die ausgeschütteten Hormone werden Gefäße erweitert, die Organe somit stärker durchblutet und das Bindegewebe aufgelockert. Im Fall der Mundschleimhaut führt das wiederum zu einer größeren Durchlässigkeit für Bakterien oder giftige Stoffwechselprodukte. Im Zuge dessen kommt es daher häufiger zu Zahnfleischentzündungen, die aus den oben beschriebenen Gründen möglichst sorgfältig behandelt werden sollten.

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(Foto: fotolia.com © ?????? ?????)

Sowohl hinsichtlich der Pardontose- wie auch der Kariesprophylaxe darf das Übelkeitsgefühl, das so häufig gerade die ersten Schwangerschaftswochen begleitet, kein Grund für das Auslassen der Zahnpflege sein. Zähne und Zahnfleisch brauchen im Gegenteil wesentlich mehr Aufmerksamkeit, um den Begleiterscheinungen der Schwangerschaft entgegenzuwirken. Beim Schutz vor Karies bleibt der sonst übliche Schutz durch den Speichel merklich aus. Die Schwangerschaftshormone bedingen einen Rückgang der Speichelproduktion, so dass der Zahnschmelz nicht im gewohnten Maß mineralisiert und schädliche Säuren neutralisiert werden.

Zahnerkrankungen betreffen aber eben nicht allein die Mutter, sondern bergen auch Risiken für das Kind. Durch chronische Entzündungen von Mundschleimhaut und/oder Zahnfleisch gelangen bakterielle Stoffwechselprodukte und die Abwehrstoffe des Immunsystems der Mutter in den Blutkreislauf. Das kann zu frühzeitigen Wehen führen, erwiesen ist aber auch der Zusammenhang zwischen Zahnfleischerkrankungen und Frühgeburten bzw. Reifgeborenen mit Untergewicht. Gefahren bestehen zudem nach der Geburt, denn Karies ist eine Infektionskrankheit, die Neugeborene noch nicht befallen hat. Durch Speichelkontakt – zum Beispiel durch das Ablecken von Löffeln oder Schnullern – kommen die Kariesbakterien erst in den Mundraum der Babys. Von der richtigen Kariesprophylaxe profitieren in diesem Fall also gleich zwei Personen.

Periimplantitis – Zahnpflege auch für Implantatträger

Auch für Implantatträger ist eine sorgfältige Mundhygiene unbedingt erforderlich, ansonsten können bakterielle Beläge zu einem ähnlichen Krankheitsverlauf führen wie bei einer Parodontose. Der medizinische Fachbegriff Periimplantitis bezeichnet dabei schon einen fortgeschrittenen Entwicklungsstand, bei der bereits die Knochen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die anfänglichen Symptome sind auch hier Entzündungen oder der Rückgang des Zahnfleischs mit entsprechendem Zahnfleischbluten beim Putzen. Betroffen ist bei unregelmäßiger Zahnpflege auch die Schleimhaut über einem Implantat. An diesem Punkt kann eine gründliche Reinigung und Entfernung der schädlichen Zahnbeläge Folgeschäden noch vorbeugen. Neben der Pflege zu Hause kann aber auch eine professionelle Zahnreinigung – bei der die Plaque mit verschiedenen Spüllösungen behandelt wird – helfen.

Bei Nichtbehandlung droht ansonsten eine Ausweitung der Entzündung, die schließlich den Knochen angreifen und diesen um das Implantat abbauen kann. Das ist aus verschiedenen Gründen problematisch, unter anderem kann einmal verlorener Knochen vom Körper selbst nicht mehr regeneriert werden. Ein Knochenverlust ist daher nicht einfach mit einer antimikrobiellen Therapie zu behandeln, an dieser Stelle wird ein chirurgischer Eingriff, also beispielsweise ein Auffüllen mit Knochenersatzmaterial, erforderlich. Schlimmstenfalls führt eine weit fortgeschrittene Periimplantitis zu einem Verlust des Implantates.

Mit einer regelmäßigen Zahnpflege – sprich: zweimal am Tag putzen – werden mögliche Gefährdungen für Zähne und Zahnfleisch vermieden. Die Verwendung weiterer Hilfsmittel wie spezieller Implantatzahnseide oder Zwischenraumbürstchen schützen ebenfalls vor Plaque und Entzündungen. Ratsam ist, nicht nur für Implantatträger, die Kontrolle in der Zahnarztpraxis. Wenn keinerlei Beschwerden vorliegen, muss die Angst vor dem Zahnarzt nicht öfter als zweimal im Jahr überwunden werden.