12 Millionen betroffen

Volkskrankheit Reizdarm – was ist das eigentlich?

Immer mehr Leute haben Bauchprobleme: Krämpfe, Blähungen, Durchfall oder Verstopfungen. Die Diagnose ist oft Reizdarm - über 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. Und für alle Betroffenen gibt es jetzt Neuigkeiten. Es könnte sich hierbei um einen Gendefekt handeln, der es behandelbar macht. Aber was ist denn Reizdarm eigentlich genau?


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Reizdarm betrifft immer mehr Menschen in Deutschland (Foto: picture alliance / dpa)

Ärzte definieren Reizdarm als vegetative Störung zwischen dem Nervensystem und der Darmmuskulatur. Einfach gesagt, ist es also eine Störung des Verdauungstraktes, die sich durch Krämpfe, Durchfall & Co bemerkbar macht.

Reizdarm ist die letzte Diagnose

Betroffene rennen von einem Arzt zum anderen, um eine Ursache für ihre Bauchschmerzen zu finden. Die Blutergebnisse sind okay, die Magen- und Darmspiegelung zeigen keinerlei Auffälligkeiten und auch sonst sind alle Tests im grünen Bereich. Reizdarm wird dann festgestellt, wenn man durch herkömmliche Untersuchungsverfahren keine Ursache feststellen kann.

Frauen leiden doppelt so häufig unter der Krankheit wie Männer. Das Reizdarmsyndrom ist zwar sehr unangenehm, aber dennoch harmlos.

Hier findet ihr übrigens noch mehr Infos zum Thema Reizdarm.


Reizdarm - ein Gen-Defekt?

Bisher gingen Ärzte und Forscher immer davon aus, dass Reizdarm nicht heilbar ist. Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich teils aber um einen Gen-Defekt. Das bedeutet eine enorme Erleichterung für viele der Betroffenen. Denn damit wäre Reizdarm mitunter heilbar.

Das betroffene Gen im Körper sorgt normalerweise dafür, dass die Verdauung von Kohlenhydraten und Zucker im Darm gesteuert wird. Bei Reizdarm-Patienten tritt es doppelt so häufig auf, wie bei gesunden Menschen. Und führt dazu, dass die Kohlenhydrate und der Zucker nicht gespalten werden können. Dadurch entstehen die Bauchbeschwerden.

Hier könnt ihr mehr über die aktuellen Forschungsergebnisse zum Gen-Defekt nachlesen.


Woran erkenne ich, dass ich betroffen bin?

Wenn ihr länger als drei Monate Beschwerden mit eurem Bauch habt - sei es stressbedingt oder durch Essen - könnt ihr euch den Reizdarm schon einmal vormerken. Jedoch solltet ihr zunächst einen Arzt aufsuchen, um zu schauen, ob es nicht doch eine andere Ursache haben könnte. Möglicherweise handelt es sich um eine Unverträglichkeit, Entzündung, Vergiftung oder mehr.

Macht hier den Test, ob ihr vielleicht unter dem Reizdarmsyndrom leidet.


Kann man Reizdarm behandeln?

Teilweise ja, teilweise nein. Wenn ihr vom Gen-Defekt betroffen seid, dann kann das Reizdarmsyndrom behandelt werden. Über Neuerungen und Behandlungsmethoden kann euch euer Arzt beraten. Wenn ihr den Gen-Defekt nicht habt, könnt ihr eure Probleme lediglich einschränken. Verschwinden werden sie leider nicht. Oft hilft eine Ernährungsumstellung.


Ernährungsumstellung schafft Abhilfe

Ob ihr vom Gen-Defekt betroffen seid oder nicht - wenn ihr das Reizdarmsyndrom habt, dann solltet ihr auf jeden Fall eure Ernährung umstellen. Ein Beispiel dafür ist die FODMAP-Ernährung. Dabei reduziert ihr die Problem verursachenden Kohlenhydrate und vermindert so die Symptome.

Trotz der sogenannten „Darm-Diät“ müsst ihr individuell für euch herausfinden, welche Lebensmittel ihr vertragt und welche nicht. Das unterscheidet sich bei jedem Menschen. Allerdings gibt es bestimmte Lebensmittel, die bei vielen Betroffenen Probleme verursachen. Eine Übersicht findet ist auf der Nahrungsmittel-Liste von FODMAP.

Ein guter Tipp: schreibt Tagebuch. So wisst ihr jeden Tag und nach jeder Mahlzeit, was ihr vertragt und was nicht. Und lasst euch Zeit beim Essen. Ruhe und langsames Essen hat noch keinem Bauch geschadet.