Thema "Impfen"

Impfen? (Nicht) so wichtig!?

Das Thema Impfen schlägt hohe Wellen. Nicht wenige sind skeptisch, hinterfragen den Sinn der aus ihrer Sicht zu vielen Impfungen im Kleinkindalter. Wir haben mit unserem Antenne Niedersachsen Hausarzt Dr. Uwe Gerecke darüber gesprochen.


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 (Foto: picture alliance / Karl-Josef Hi)

Masern galten als so gut wie ausgerottet. Das war vor 2016. Denn in diesem Jahr wurden in Europa plötzlich über 10.000 Fälle von Masern registriert, 2.500 davon in Deutschland. Und es kam zu Todesfällen. Seitdem wird das Thema Impfen wieder heiß diskutiert. Aber warum eigentlich? Ist Impfen nicht eine Selbstverständlichkeit?

"Wir nehmen die Infektionskrankheiten nicht ernst genug"

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"Wahrscheinlich sind die Erfolge der Impfungen selber Schuld daran, dass wir heute Infektionskrankheiten nicht mehr so ernst nehmen, wie noch vor vielen Jahren", sagt Antenne Niedersachsen Hausarzt Dr. Uwe Gerecke. Kurz nach dem Krieg starben noch jährlich über tausend Menschen an Diphterie. In den 60er Jahren waren mehr als 5.000 Menschen an Kinderlähmung erkrankt. Das sind natürlich Krankheiten, die wir heute gar nicht mehr sehen. Und deswegen denken wir auch nicht mehr so sehr an die Gefährlichkeit solcher Infektionskrankheiten.

Warum sind Masern so gefährlich?

Masern sind eine gefährliche Krankheit. "Dabei geht es nicht um den Hautausschlag, das Fieber oder das Krankheitsgefühl, sondern darum, dass im Schnitt eins von tausend Kindern an einer Hirnhautentzündung erkrankt, die tödlich sein kann", sagt Dr. Gerecke. "Das ist in den heutigen Zeiten nicht mehr verantwortbar."

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 (Foto: dpa)

"Es geht auch um den Schutz der anderen"

Beim Thema Impfen geht es laut Dr. Uwe Gerecke nicht nur um die eigene Gesundheit oder die Gesundheit des eigenen Kindes. "Es geht auch um den Schutz der anderen", so der Mediziner. Es gibt viele Kinder die können nicht geimpft werden, weil sie vielleicht an einer Immunschwäche oder anderen chronischen Krankheiten leiden. "Diese Kinder können nur geschützt werden, wenn all die anderen Kinder um sie herum geimpft sind, sodass en Virus keine Chance hat sich auszubreiten.

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Impfskeptiker

Viele sind sehr skeptisch, was das Thema Impfen angeht, einige lehnen Impfen komplett ab. Ihre Argumente: Impfungen muten dem Körper eines Kindes zu viel zu, die Nebenwirkungen würden unterschätzt werden. Langfristige Auswirkungen würden nicht erfasst. Dr. Uwe Gerecke kann diese Bedenken nachvollziehen. Natürlich setzt man das Kind einer gesundheitlichen Belastung aus. Doch in fast allen Fällen halten sich die Nebenwirkungen in Grenzen. Fieber, Mattigkeit und evtl. Hautausschlag sind meist schnell vorüber und vergessen. Ernste Nebenwirkungen gibt es, allerdings nur sehr selten. "Wir haben in Deutschland etwas 35 Millionen Impfungen pro Jahr, nur in dreißig Fällen werden dabei ernste Nebenwirkungen festgestellt", sagte Gerecke.

Immer wieder ist im Internet auch von einer Studie zu lesen, die belegt, dass Impfungen Autismus verursachen können. Dr. Uwe Gerecke kennt diese Studie. Was häufig nicht zu lesen ist: Die Studie konnte nicht wissenschaftlich nachvollzogen werden - der englische Arzt hat seine Zulassung verloren, weil später nachgewiesen wurde, dass die Studie gefälscht war.

Impfpflicht? So weit sind wir noch nicht...

In Deutschland müssen Eltern von Kindern ab sofort eine Impfberatung nachweisen, wenn sie ihr Kind bei einer Kita anmelden. Damit versucht der Gesetzgeber die Eltern dazu zu bringen, sich mit dem Thema Impfen sorgfältig auseinander zu setzen. Dazu rät auch Dr. Uwe Gerecke. Sich informieren, sich beraten lassen, Argumente austauschen. Von einer Impfpflicht sind wir in Deutschland aber weit entfernt. Auch Gerecke tut sich schwer mit dem Gedanken und setzt auf die Verantwortung der Eltern.

Wenn sich die Eltern einer Impfberatung verweigern, müssen sie also künftig von der Kita dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Kind kann von einer Kita abgelehnt werden.

Italien hat dagegen nach einer Masernepidemie in diesem Jahr jetzt die Impfpflicht für zwölf Krankheiten eingeführt, darunter Masern, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Nicht geimpfte Kinder bekommen keinen Krippen- oder Kindergartenplatz. Eltern schulpflichtiger Kinder müssen Bußen zahlen, wenn ihre Kinder nicht geimpft sind.

Info: Das sind die wichtigsten Impfungen

  • Tetanus
  • Diphterie
  • Kinderlähmung
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln

Impfpass verloren? Nicht so schlimm...

Wenn ihr euren Impfpass verloren habt, und nicht (mehr) wisst, wogegen ihr wann geimpft wurdet, dann solltet ihr zunächst versuchen, bei eurem Hausarzt nachzufragen, ob dort die Impfungen dokumentiert sind. Ist das nicht der Fall, kann man sich jederzeit neu impfen lassen. Eine doppelte Impfung kann keinen Schaden anrichten.