1. Dezember

Der Welt-AIDS-Tag – (k)ein Tag wie jeder andere

AIDS wird durch Küssen übertragen? Wer einem Infizierten die Hand schüttelt, setzt sich dem Risiko einer Infektion aus? Auch im Jahr 2015 ist noch längst nicht jedes Vorurteil zum Thema AIDS überwunden, noch immer weiß nicht jeder, dass Küssen und Händeschütteln absolut ungefährlich sind.


Der jährlich am 1. Dezember stattfindende Welt-AIDS-Tag soll die Krankheit in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses bringen. Denn seit Infizierten in den industrialisierten Ländern hochwirksame Medikamente zur Verfügung stehen, die den Ausbruch der Krankheit verzögern und damit die Lebenserwartung signifikant steigern, sind AIDS und HIV ein wenig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden – eine fatale Fehlentwicklung.

AIDS heute – die Faktenlage

Weltweit sind rund 35 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Nur 37 Prozent der Betroffenen haben einen Zugang zu den Medikamenten, die ihnen ein Leben mit dem Virus ermöglichen. In Deutschland sind rund 80.000 Menschen mit HIV infiziert. Stiftungen, Vereine und öffentliche Institutionen arbeiten unermüdlich daran, Menschen über HIV und AIDS aufzuklären. So schaffen sie die wichtigste Voraussetzung, um eine weitere Verbreitung der Krankheit einzudämmen: informierte Menschen, die sich risikobewusst verhalten.

Vom Knutschen, Zusammenleben und Arztbesuchen – AIDS in der Gesellschaft

Noch immer berichten HIV-positive Menschen darüber, dass sie diskriminiert werden und sich am Arbeitsplatz oder in der Freizeit stigmatisiert fühlen. Diese Diskriminierung resultiert häufig aus der Unwissenheit und Angst ihrer Mitmenschen. Das diesjährige Motto des Welt-AIDS-Tags „Positiv zusammen leben“ thematisiert diese Diskriminierung. In öffentlichkeitswirksamen Aktionen fanden Befragungen statt, in denen es um Alltagsthemen wie Küssen, Arztbesuche oder das Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen in einer WG ging. Auffällig war, dass die Befragten weniger Vorurteile und Bedenken äußerten, wenn sie besonders gut über das Thema informiert waren. Ein Grund mehr, Informationskampagnen aufrechtzuerhalten.

Aufrütteln, provozieren, informieren

AIDS-Initiativen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema auseinander. Die Berliner AIDS-Hilfe scheut sich beispielsweise nicht, dort anzusetzen, wo es wehtut. Mit ihrem jährlichen Trauermarsch rüttelt sie wach und erinnert an die AIDS-Toten nicht nur in der Hauptstadt. Provokativ sind die Bilder, mit denen die Kampagne www.stark-gegen-aids.de aufklären möchte. In comicähnlichen Zeichnung wird deutlich, worum es wirklich geht: u.a. darum, beim Sex Kondome zu benutzen. Apropos Kondome: Auch wenn Schüler noch immer vor Scham erröten, wenn sie ein Kondom über einen hölzernen Penis streifen, ist die Aufklärungsarbeit in den Schulen noch immer eine der tragenden Säulen der AIDS-Bekämpfung. Unter anderem die Deutsche Latex Forschungsgemeinschaft Kondome e.V. stellt zu diesem Zweck Lehrerinnen und Lehrer Pakete mit kostenlosen Infomaterialien und Kondomproben zur Verfügung.