Rechnungen

Handwerker Rechnungen: Was ihr dabei beachten müsst

Das Bad muss renoviert, der Teppich neu verlegt oder das Kinderzimmer gestrichen werden. Allesamt Arbeiten, die jeder selbst Zuhause durchführen kann, doch oft fehlen Zeit oder Lust: Ein Handwerker muss her!


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(Foto: fotolia.com © Andrey Popov)

Kleine Verschönerungen im Haus werden oft an den Profi weitergegeben. Manche Arbeit ist aber auch schlicht zu komplex wie etwa die Reparatur der Waschmaschine oder ein ernsthafter Defekt der Hauselektronik. In diesen Fällen wird in der Regel ein Handwerker gerufen, der den Schaden behebt und dabei sowohl schnell als auch fachlich versiert arbeitet. Vielen Verbrauchern ist jedoch nicht klar, dass sich die daraus resultierenden Handwerker-Rechnungen steuerlich absetzen lassen, vorausgesetzt, einige wichtige Dinge werden dabei berücksichtigt.

Die Handwerker-Rechnung in der Steuererklärung – Grundsätzliches

Damit die Handwerker-Kosten steuerlich geltend gemacht werden können, müssen zunächst einmal einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Selbst genutzte Wohnung – die wohl wichtigste Voraussetzung besteht darin, dass der Handwerksauftrag als Privatperson vergeben wird. Die Arbeiten müssen außerdem im eigenen Haus, in der eigenen Wohnung oder auf dem eigenen Grundstück durchgeführt werden.

Rechnung NICHT bar zahlen – ganz klar, Schwarzarbeit kann nicht von der Steuer abgesetzt werden. Für das Finanzamt ist es also wichtig, dass die legale Arbeit nachvollziehbar ist. Daher müssen Verbraucher eine offizielle Rechnung vorweisen, die nicht bar, sondern mittels Überweisung beglichen wurde. Das Finanzamt erkennt ausschließlich diese Form des Belegs an.

Höchstgrenze beachten – von dem Lohn, den der Kunde an den Handwerker zahlt, können 20 Prozent von der Steuerschuld abgezogen werden. Mitangesetzt wird die Mehrwertsteuer. Zusätzlich können außerdem noch Fahrt- und Maschinenkosten angerechnet werden.

Selbiges gilt auch für Verbrauchsmittel wie Abdeckplane oder Klebeband, die durch den Handwerker genutzt werden. Hierbei gilt es eine jährliche Höchstgrenze zu beachten, die bei 6.000 Euro liegt. Auf diese Weise können im Jahr bis zu 1.200 Euro zurückerhalten werden.

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(Foto: fotolia.com © BillionPhotos.com)

Welche Leistungen werden vom Finanzamt anerkannt?

Nicht jede beliebte Arbeitsleistung des Handwerkers wird automatisch vom Finanzamt akzeptiert. Vordergründig geht es hierbei hauptsächlich um den Arbeitslohn für handwerkliche Arbeiten, darunter fallen auch Fahrt- und Gerätekosten und die Entsorgung von Abfällen. Allerdings sind sämtliche Materialien, die für die Arbeiten nötig sind, nicht absetzbar – dazu gehören zum Beispiel Malerfarben, Tapeten oder zu verlegende Fliesen. Diese müssen vom Verbraucher also vollständig selbst getragen werden.

Nicht anerkannt werden zudem die Tätigkeiten von Gutachtern, wenn diese vorgeschriebene Sicherheitsprüfungen durchführen. Werden also die Heizungsanlage oder die Entsorgungsdienstleistungen geprüft, so ist diese Dienstleistung nicht absetzbar. Eine Ausnahme kann dann vorliegen, wenn die Arbeiten im Rahmen einer Modernisierung oder eines Umbaus durchgeführt werden. Abermals anders gestaltet sich die steuerliche Absetzbarkeit, wenn es um Instandhaltungsleistungen geht. Diese unterscheiden sich von Gutachtertätigkeiten und behandeln beispielsweise die Dichtheitsprüfung einer Abwasseranlage durch einen Handwerker (keinen Gutachter). Zuletzt wurde ein solcher Fall 2014 vor Gericht geklärt. Eben jenes Gerichtsurteil sorgte übrigens dafür, dass ein weiterer wichtiger und regelmäßiger Eingriff mittlerweile steuerlich berücksichtigt wird: Der Besuch des Schornsteinfegers.

Während die Kaminkehrer ihre Kosten früher noch aufteilen sollten in einen absetzbaren und einen nicht absetzbaren Teil, so ist dies mittlerweile nicht mehr notwendig. Davon profitieren hierzulande immerhin knapp 40 Millionen Haushalte.

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Die Handwerker-Rechnung bzw. der Handwerkerbonus sind schon oftmals vor Gericht behandelt worden und beschäftigen deutsche Richter aufgrund verschiedenster Einzelheiten auch heute noch. Eine Auswahl der wichtigsten Urteile diesbezüglich kann beim Handwerksblatt nachgelesen werden.

Steuern sparen durch einige wichtige Tipps

Damit das Absetzen der Steuern auch wirklich funktioniert, sollten Verbraucher dies am besten direkt mit dem jeweiligen Handwerker besprechen. Wird er vorher darüber informiert, dass der Kunde den Lohn später absetzen will, so weiß er meist schon Bescheid und weist Material- und Lohnkosten separat aus. Nichtsdestotrotz gilt es bei Erhalt der Rechnung jedoch nachzuprüfen, ob dies auch wirklich korrekt geschehen ist. Sollte dies nicht der Fall sein, so kann eine neue Rechnung verlangt werden. Andernfalls können die Kosten nicht abgesetzt werden, hier heißt es also hartnäckig bleiben.

Zusätzlich können unter Umständen noch weitere Vergünstigungen genutzt werden, sofern sich die handwerklichen Arbeiten mit Arbeiten überschneiden, die „die Beschäftigung von Minijobbern“ oder „haushaltsnahe Dienstleistungen“ fördern. Unter Umständen können hierbei alle drei Höchstgrenzen geschickt genutzt werden, um den Steuerabzug so positiv wie möglich zu gestalten.

Zusammengefasst: Diese Informationen und Belege sind für das Finanzamt wichtig

• Handwerkerrechnung beim Finanzamt einreichen.o Achtung, Materialkosten werden nicht berücksichtigt.
• Die Arbeitskosten müssen in der Handwerkerrechnung exakt ausgewiesen sein
• Sowohl Fahrtkosten als auch Arbeitskosten sind generell begünstigt, dementsprechend wichtig ist es, dass diese Posten nachvollziehbar sind.
• Auch Wartungsverträge sind vorlegbar, hierbei genügt bereits eine Rechnung, aus der die Arbeitskosten hervorgehen.
• Barzahlungen sollten unbedingt vermieden werden, damit die Kosten der Handewerkerleistung erstattet werden können. Das Finanzamt möchte einen Überweisungsbeleg oder einen Kontoauszug sehen. Gezahlt werden kann also per Überweisung, Verrechnungscheck oder EC-Karte.
• Wurde die Handwerkerrechnung bereits als Betriebsausgabe, Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastung geltend gemacht, wird der Steuerbonus nicht mehr gewährt.

Da die Regelungen immer wieder Veränderungen und Anpassungen unterliegen, lohnt sich bisweilen auch ein Blick auf die Website des ZDH, dem Zentralverband des Deutschen Handwerks. Dort wird stets die aktuelle Version des Flyers bezüglich des Steuerbonus zum Download angeboten. Die aktualisierte Form berichtet über neueste Rechtsprechung und Verwaltungsanweisungen. Derzeit aktuell: Die funktionsfähige Anwendung des Begriffs Haushalt bei der Gewährung des Bonus und die neuerliche Anerkennung von Schornsteinfegerleistungen als einheitliche Handwerkerleistung durch die Finanzverwaltung (Stand: 11.04.2016). Der Flyer ist übrigens auch dafür konzipiert, von Handwerksbetrieben direkt an den Kunden weitergereicht zu werden. Etwa als Beilage zu einem Kostenvoranschlag, sodass der Verbraucher sofort alle wichtigen Informationen vorliegen hat.

Nicht nur Verbraucher profitieren: Handwerker sollten den Steuerbonus ebenfalls berücksichtigen

Auch für Handwerker kann sich der Steuerbonus auszahlen: Denn sie können mit der korrekt ausgestellten Rechnung für sich und ihre Kundenfreundlichkeit werben. Ein effektives Marketinginstrument also, mit dem Handwerker Pluspunkte sammeln. Tatsächlich tun sich viele Dienstleister damit jedoch immer noch schwer und nutzen diesen Vorteil nicht für sich, sei es aus Gedankenlosigkeit, aufgrund des zu hohen Aufwands oder weil die Software des Betriebs nicht richtig bedient werden kann. Dabei kann die richtig aufgesetzte und transparente Rechnung in der Praxis effektiv dazu beitragen, dass die eigenen Preise leichter beim Kunden durchgesetzt werden.