Flugchaos

"Fliegen ist Glückssache" - Tägliches Chaos an den Flughäfen

Als Flugpassagier braucht man in diesen Wochen ein echt dickes Fell und viel Geduld.


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 (Foto: ajr_images - stock.adobe.com)

Für unseren Kollegen Stephan sollte es ein Städtetrip mit Freunden nach Brüssel werden. Er hatte sich gegen die Bahn und für das Flugzeug entschieden. Nach diesem Wochenende bereute Stephan die Entscheidung.

Brüssel Airlines sollte Stephan von Hannover nach Brüssel bringen und zwei Tage später wieder zurück. So weit, so gut. Der Rückflug wurde dann aber schon zweieinhalb Wochen vorher annuliert. Stattdessen bot man an, dass Stephan mit der Lufthansa über Frankfurt zurück nach Hannover fliegen kann. Na gut. Der Hinflug aber wurde dann fünf Stunden (!) vor Start - ohne Begründung - gestrichen. Ersatzangebot: wieder per Lufthansa erst nach Frankfurt, dann nach Brüssel. Aber hopphopphopp, denn dieser Flieger sollte schon in gut zwei Stunden abheben. Tat er aber nicht. Verspätung nach Frankfurt: knapp zwei Stunden. Anschlussflieger weg. Auf nächsten Flieger warten. Hat auch 50 Min. Delay. Ankunft Brüssel dann um 21:10 Uhr (statt wie geplant 17:20 Uhr). Ums kurz zu machen: Einen Rückflug gab es auch nicht. Flugzeug kaputt. Hunderte Passagier am Auskunftsschalter. Stephan entschied sich dann, die Bahn zu nehmen.
Von der Fliegerei hatte er die Nase voll.

Wieso gibt es soviel Chaos?

So wie Stephan ergeht es derzeit sehr vielen Fluggästen europaweit. "Fliegen ist aktuell echt Glückssache", bestätigte uns ein Flugbegleiter der Lufthansa, der ungenannt bleiben möchte. Hauptgrund ist der extrem eng getaktete Flugplan in den Sommermonaten, in denen das Passagieraufkommen besonders hoch ist. Dazu kommen dann hier und da mal Streiks oder auch vermehrt Gewitter und Unwetter, die die Pläne kräftig durcheinanderwirbeln. Und wenn dann noch technische Probleme an einem Flieger dazu kommen oder jemand beim Flugpersonal ausfällt, dann führt das zu massiven Verspätungen und Ausfällen.

Beispiel Hannover Airport

In Hannover gab es seit Jahresanfang 479 Annulierungen und 139 Verspätungen von mindestens drei Stunden. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es nur 169 Ausfälle und 60 Verspätungen. Die Zahlen haben sich also weit mehr als verdoppelt. Das ist alarmierend.

Was können die betroffenen Fluggäste tun?

Wenn der Flieger ausfällt oder sich massiv verspätet, ist das extrem ärgerlich. Und an diesem Ärger gibt es kein Vorbei. Wenn zum Beispiel der ersehnte Jahresurlaub mit einem Chaos am Flughafen startet, dann trösten auch irgendwelche Übernachtungs- und Essensgutscheine der Fluglinien wenig. Dennoch: Als Flugpassagiere habt ihr jede Menge Rechte.

Eure Rechte als Fluggäste

In der EU gibt es die sogenannten Fluggastrechte-Verordnung. Und wenn's Ärger gibt, dann winkt als Entschädigung Bargeld. Zwischen 125 und 600 Euro können Fluggäste als Entschädigung kassieren. Außerdem sind die Airlines verpflichtet, für Ersatzflüge zu sorgen und Übernachtung und Verprflegung sicherzustellen.

Das solltet ihr im Ernstfall beachten

  • Kontakt mit der Airline aufnehmen
    Im Vorfeld telefonisch oder eben direkt vor Ort am Schalter. Geht auf die Vertreter der Fluggesellschaft zu und fragt hartäckig nach den Alternativen ("Welchen Ersatzflug bieten Sie an?", "Wo bekomme ich Verzehrgutscheine?", "Wo werde ich übernachten?").
    Das ist wirklich sehr anstrengend, da oft das Bodenpersonal auch heillos überfordert ist. Hier gilt es irgendwie Nerven zu bewahren.
  • Sammelt alle Quittungen
    Wenn ihr keine direkte Hilfe bekommt, solltet ihr auf jeden Fall alle eure Ausgaben belegen können (z.B. für Hotel, Verpflegung, Bahntickets o.ä.). Sämtliche Quittungen könnt ihr dann im Nachhinein bei der Airline geltend machen. Tipp: Gönnt euch aber keine Luxus-Sause und gebt unnötig viel Geld aus. Umso höher stehen die Chancen, dass ihr die Kosten anstandslos erstattet bekommt.

Diese Flughelfer-Portale können euch helfen

Wenn es um die Einforderung der Entschädigungen geht, gibt es verschiedene Portale im Netz, die euch dabei helfen. Sie treten für euch bei der Airline ein. Die Erfolgsquote liegt bei knapp 100 Prozent. Ihr erspart euch hier selbst viel Aufwand und Ärger. Nachteil: Etwa ein Viertel der Entschädigungssumme behalten die Flughelfer-Portale im Erfolgsfall als Provision ein.

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 (Foto: picture alliance / dpa)