Alarmierende Studie

Wenn Smartphones unsere Kinder krank machen

Konzentrationsschwäche, Sprachlern-Störungen, Hyperaktivität. Die Studie der Bundesdrogenbeauftragten zum Thema Smartphone und Kinder ist wirklich besorgniserregend.


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 (Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Die wesentlichen Ergebnisse der Studie im Überblick

  • 70 % der Kinder im Kita-Alter benutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.
  • Es gibt einen Zusammenhang zwischen einer intensiven Mediennutzung und Entwicklungsstörungen der Kinder.
  • Bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr finden sich vermehrt Sprachentwicklungsstörungen sowie motorische Hyperaktivität bei denjenigen, die intensiv Medien nutzen.
  • Wird eine digitale Medienkompetenz nicht frühzeitig erlernt, besteht ein erhöhtes Risiko, den Umgang mit den digitalen Medien nicht kontrollieren zu können.

5.500 Kinder und Eltern wurden zum Thema befragt und die Ergebnisse der Studie des Bundesgesundheitsministeriums sprechen eine deutliche Sprache. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler mahnte Eltern denn auch, mehr auf die Mediennutzung ihrer Kinder zu achten. Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sagte, Kinder sollten nicht vor dem 12. Geburtstag ein Smartphone bekommen.

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 (Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Wie gelingt es, die Mediennutzung unserer Kinder zu kontrollieren?

Wir haben mit Psychologe Dr. Christian Lüdke gesprochen. Er teilt die Sorge, dass zu viel Medienkonsum für Kinder schädlich ist. Meist sind auch die Eltern keine guten Vorbilder. Deshalb empfiehlt er, dass in der Familie klare Regeln festgelegt werden. Zum Beispiel: Kein Handy am Esstisch, Handy raus aus dem Schlafzimmer, Handy nicht als Wecker benutzen. Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren sollten gar nichts mit einem Bildschirm zu tun haben. Im Vorschulalter ist eine halbe Stunde pro Tag okay, im Alter bis 12 Jahren sollte eigentlich eine Stunde Smartphonenutzung am Tag nicht überschritten werden. Und ab dem Teenie-Alter ist es wichtig, mit den Kindern darüber zu sprechen, in welchen sozialen Netzwerken sie unterwegs sind und welche Gefahren (z.B. Cybermobbing) es gibt.

Hilft das Pflichtfach "Medienkunde" in der Schule?

Der Umgang mit Medien ist zwar Thema im Schulunterricht - aber nicht regelmäßig und nicht ausreichend, kritisieren die Befürworter eines Pflicht-Unterrichtsfachs "Medienkunde". Unser Kollege Jonas Schweden arbeitet als Mediencoach für smiley e.V. - einem Verein zur Förderung der Medienkompetenz. Jonas ist in Schulen unterwegs, gibt Workshops und hält Vorträge zu diesem Thema. Er hält die Einführung eines Pflichtunterrichts zu diesem Thema für eine gute Idee: "Im Moment fehlt Schülern der Raum und die Zeit über die ganzen Apps wie WhatsApp, Snapchat und Instagram vernünftig zu sprechen." Ein solches Fach würde zum einen Wissen vermitteln, aber vor allem Anlässe schaffen, mit Schülern über die Mediennutzung ins Gespräch zu kommen.

Hilfe im Netz finden Eltern zum Beispiel bei der Initiative "SCHAU HIN!" unter www.schau-hin.info.