Gewitter-Angst

So nehmt ihr eurem Kind die Angst vor Gewitter

Gewitter können manchmal richtig gruselig sein - gerade für Kinder. Was ihr tun könnt, wenn euer Kind Angst vor Gewitter hat, erfahrt ihr hier.


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 (Foto: picture alliance / Bernd März/dp)

Für euch haben wir mit dem Psychologen Dr. Christian Lüdke gesprochen und ihn gefragt, wie ihr euren Kindern die Angst vor Gewitter nehmen könnt. Hier findet ihr seine Tipps.

Tipp 1: Dem Kind erklären, was ein Gewitter ist

Die Angst vor dem Gewitter ist eine uralte Angst, die in uns Menschen steckt. Sie wurde über die Menschheitsentwicklung hinweg immer weiter gegeben. Das Gewitter ist eine Naturgewalt, die die Menschen immer verängstigt hat, weil sie nicht kontrollierbar ist und den Menschen sehr klein werden lässt. Das geht bis in die Gegenwart: Kinder haben heute zum Teil immer noch Angst vor Blitz und Donner, weil sie etwas Außergewöhnliches sind. Die Eltern sollten dem Kind auf jeden Fall erstmal erklären, warum es überhaupt Blitz und Donner gibt und ihm sagen, dass es nicht gefährlich ist, wenn man bestimmte Grundlagen berücksichtigt. Das Kind muss wissen "Es kann mir nichts passieren. Selbst wenn es richtig blitzt und donnert, werden weder ich noch meine Familie oder Freunde vom Blitz getroffen."


Tipp 2: Dem Kind zeigen, dass es nicht alleine ist

Wenn ein Kind tatsächlich große Angst hat, geht es natürlich auch darum, wie alt es ist. Grundsätzlich sagt man, dass es bei Kindern von der Geburt bis etwa zum zehnten Lebensjahr zwei Ausnahmen gibt, in denen das Kind mit ins Bett der Eltern darf: Bei Gewitter oder wenn sie krank sind. In der Akutphase der Angst sollte das Kind auf jeden Fall zu den Eltern kommen, man sollte Körperkontakt herstellen, festhalten, bis das Gewitter vorbei ist. So lernt das Kind, dass es mit seiner Angst nicht alleine ist und seine Eltern da sind. Dann kann das es diese Angst sehr gut und schnell bewältigen.


Tipp 3: Dem Kind die eigene Gewitter-Angst nicht zeigen

Wenn man als Erwachsener oder als Elternteil große Angst vor Gewitter hat, dann gilt genau das gleiche wie bei allen anderen Ängsten: Man sollte diese Ängste auf gar keinen Fall dem Kind gegenüber zeigen, Panik bekommen, anfangen zu weinen oder zu schreien oder sich zurückziehen. All das würde das Kind enorm verunsichern und die Angst bei ihm größer werden lassen. In dem Punkt sollte man sich als Erwachsener wirklich zusammenreißen. Die eigene Angst sollte der Erwachsene lieber mit seinem Partner oder mit einer Freundin besprechen, jemanden anrufen, aber auf gar keinen Fall vor dem Kind zeigen.


Schlussendlich gilt: Wie die Eltern, so die Kinder

Starke Kinder brauchen starke Eltern oder umgekehrt: Mutige Eltern haben auch mutige Kinder. Und wenn die Eltern als Welt des Kindes stabil sind und dem ihm vormachen, wie es gehen könnte, dann schauen sich Kinder das sehr genau ab. Da braucht man sich keine übermäßig großen Sorgen zu machen.

In der Psychologie sagt man: Die Summe aller Ängste bleibt gleich. Das heißt: Wir Menschen haben immer Angst, jeder Mensch hat Angst. Was sich ändert ist lediglich die Angstrichtung, die Dinge, vor denen wir Angst haben. Mal haben wir Angst, dass dem Kind etwas passieren könnte, dass der Partner sich trennen könnte, wir haben Angst, den Beruf zu verlieren. Angst ist also etwas völlig Natürliches, sie gehört einfach zum Leben dazu. Das ist für viele Menschen schon eine ganz wichtige Information: Angst muss einem also überhaupt nicht peinlich sein. Sie ist der wichtigste Teil in unserem menschlichen Frühwarnsystem, weil sie uns letztendlich auch überlebensfähig macht. Und Angst um ein Kind zu haben, zeigt im Grunde genommen die Liebe und die Bindung, ist von daher also etwas Gutes.