Eltern-Fahrschule

Eltern als Hilfs-Fahrlehrer: Sinnvoller Support?

Um die theoretischen und praktischen Hürden einer Führerscheinausbildung zu bezwingen, kann man eigentlich nicht früh genug anfangen. Doch taugen Mama und Papa zum Fahrlehrer?


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Die Eltern als Fahrlehrer, die Familienkutsche als Fahrschulauto? Ja, das kann sogar ziemlich gut funktionieren.  (Foto: Björn Wylezich - stock.adobe.co)

Wer sowohl ein Auto wie mindestens ein Kind hat, hat mit Sicherheit die Frage schon mal gehört: "Duuhuu, darf ich mal fahren?" Doch was die meisten ob der Minderjährigkeit des Zöglings schnell vom Tisch wischen, wäre eigentlich gar nicht so sinnlos. Denn eines ist klar: Unsere Straßen werden in den kommenden Jahren ebenso wenig verkehrsärmer wie die Autos unkomplizierter werden. Sofern also die zweistellige Altersangabe des Nachwuchses mit einer Eins beginnt, kann es tatsächlich sinnvoll sein, einfach zu sagen "Okay, aber dann von Anfang an richtig". Und wie dieses "Richtig" geht, erklären wir jetzt.

1. Das richtige Alter

Natürlich wird die Frage nach dem Fahren auch schon viel früher kommen. Mit einer zielgerichteten Verkehrserziehung in Richtung Auto sollte man jedoch erst dann beginnen, wenn das eigene Kind körperlich den Anforderungen eines Autos gewachsen ist. Hier bietet sich die "Strafmündigkeits-Regel" an: Ab 14 ist ein junger Mensch strafmündig. Genau dann genügt er in aller Regel auch von Körpergröße und –kraft her den Anforderungen, die ein Fahrzeug stellt, selbst wenn er oder sie noch im Wachstum sind. Immer bedenken: In den USA ist der Führerschein mit 16 Usus und durch bestimmte Härtefälle (etwa in ländlichen Gegenden ohne Schulbus) können da teilweise auch 14-Jährige eine Fahrerlaubnis haben. Selbst bei uns könnte der "Führerschein mit 16" Wirklichkeit werden.

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Weit unter 14 sind Kids auf der Kartbahn besser aufgehoben. Erst als vollwertige Teens passen die "Auto-Abmessungen".  (Foto: Szymon - stock.adobe.com)

2. Macht es Sinn?

Für die spätere Fahrschul-Karriere wird es kaum etwas bringen, den Steppke einfach mal kurz ans Steuer zu lassen (was übrigens auf öffentlichen Straßen illegal ist). Doch wenn man die Sache grundständig angeht, aus seiner Fahrersicht sowohl über Theorie wie Praxis informiert, wird aus dem Spaß jedoch ein echter Geldspar-Faktor. Denn je mehr der Nachwuchs bereits vor der Fahrschule kann und weiß, desto weniger Probleme (= Mehrstunden) wird er dort haben.

3. Die Regeln zuerst

In keiner Fahrschule Deutschlands setzt man auch nur einen Fuß auf die Pedale, bevor man nicht den nötigen theoretischen Unterbau hat. Und genau nach diesem Schema sollten auch Eltern verfahren, lange bevor sie sich mit Anfahren und dergleichen auseinandersetzen.

Doch wo sollte man beginnen? Vielleicht beim Grundlegenden, den deutschen Verkehrszeichen. Insbesondere deshalb, weil man auch als routinierter Autofahrer nicht alle im Kopf haben kann und sich so manche Schilder auch im Umfeld kaum finden, empfiehlt es sich jedoch, sie von einer kompletten Übersichtsplattform aus zu lehren – zusammen mit seinem Kind, um zu erklären, welches Zeichen wo eine Bedeutung hat und vielleicht auch eigene Wissenslücken wieder zu schließen.

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Nicht nur die Schilder sollten Eltern erklären, sondern auch, wie man sich auf einen regelrechten "Wald" und das Fahren gleichzeitig konzentriert.  (Foto: lieblingsbuerger - stock.adobe.com)

Und dann sollte das Gelernte in den Alltag eingebaut werden. Die meisten Eltern dürften in ihrer Eigenschaft als "Taxi Mama" oder "Funkmietwagen Papa" oft genug mit dem Nachwuchs unterwegs sein. Das kann man nutzen:

  • Wie heißt das Schild da an der Ecke?
  • Was muss ich laut dem Zeichen jetzt machen?
  • Erklär mir doch mal, was das Schild mit dem Auto und den Schlangenlinien bedeutet

Und wenn die Schilder "sitzen" kann man den nächsten Schritt wagen, die Vorfahrtsregeln, beginnend mit dem klassischen "rechts vor links" und bis hinauf zu den weniger bekannten Vorgaben. Wichtig ist, dass das Kind bei allem davon versteht, dass es sich dabei nicht nur um ein zusätzliches anstrengendes Lernpaket handelt oder darum, ihm den Spaß am Fahren zu verleiden, sondern um einen integralen Bestandteil des Fahrens und dass es dadurch in der Fahrschule alles viel einfacher haben wird.

4. Anfahren

In vielen Ländern der Erde stellen Autos mit Automatikgetriebe die Majorität. Und auch wenn die zunehmende Verbreitung von E-Autos das Ende von Kupplung und Getriebe einläutet, gehört in Deutschland das Umgehen mit drei Pedalen doch zum kleinen Auto-Einmaleins.

Wichtig: Alles, was unter diesem Hinweis noch erklärt wird, darf nur auf umfriedetem Privatgelände erfolgen, weil dazu ein Minderjähriger ohne Fahrerlaubnis am Steuer sitzen muss. Öffentliche Parkplätze und Feldwege gehören nicht dazu.

Das einzig Kritische an der Erklärung des Zusammenspiels von Gas, Bremse und Kupplung ist nur, dass es schwierig zu vermitteln ist – danach ist es, das kann jeder Führerscheinbesitzer bestätigen, wie Fahrradfahren, man verlernt es einfach nicht. Doch wie erklärt man es? Am besten so:

  1. Auto auf ebene, freie Fläche stellen. Motor an, Gang raus, Handbremse angezogen
  2. Linken Fuß auf die Kupplung und sie ganz durchtreten, rechten Fuß aus dem Weg stellen
  3. Ersten Gang einlegen und vorsichtig das Kupplungspedal kommen lassen, bis man den Schleifpunkt spüren kann – mehrere Male wiederholen.
  4. Kupplung durchtreten, Schleifpunkt erfühlen, Handbremse lösen und vorsichtig anrollen lassen – wiederholen
  5. Rechten Fuß auf Bremse, loslassen und gleichzeitig Kupplung kommen lassen – wiederholen
  6. Gleiche Übung, dabei aber mit dem rechten Fuß zusätzlich sanft Gas geben und so anfahren

Prinzipiell umfassen diese Schritte alle Basics – das Wichtigste ist, dass es mit Geduld erklärt und mit viel Fußspitzengefühl immer wieder geübt wird, dann bekommt man den Dreh raus. Verzichten sollte man jedoch darauf, den Jugendlichen durch zu häufiges Verwenden der Handbremse zu verziehen. Denn gerade weil heute viele "Handbremsen" tatsächlich per Taste oder Fußpedal funktionieren, ist es besser, gleich auf Anfahren aus der normalen Bremse heraus zu trainieren.

5. Real-Life im Simulator

Für alle Teens U-16 war es das mit dem Anfahren im Hof der Eltern aber leider schon. Denn Supermarkt-Parkplätze kommen aus rechtlichen Gründen nicht infrage und viele öffentlich zugängliche Verkehrsübungsplätze stehen erst ab dem 16. Geburtstag Fahrern in Spe zur Verfügung. Das ist zwar ärgerlich, aber sollte auch nicht überschritten werden – denn wenn eine Polizeistreife kommt, während Papa einen auf einem Feldweg ans Steuer lässt, ist er seinen Führerschein los und muss zur MPU – und für den fahrenden Nachwuchs gibt es mitunter eine Sperrfrist.

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Wie bedient man drei Pedale mit zwei Füßen? Dieser Kniff ist eigentlich das Einzige, was man beim Anfahren wirklich lehren muss. (Foto: Ulf - stock.adobe.com)

So hart es auch klingt: Besser ist es da, sich eine der unzähligen Fahrsimulator-Apps aufs Handy zu ziehen. Sowohl die Shops von Android wie Apple bieten hier unzählige Möglichkeiten. Diese Programme haben den Vorteil, für Fahrschüler geschrieben worden zu sein. Das heißt, man bekommt bei der Benutzung auch gleich Prüfungswissen vermittelt.

Allerdings: Wenn der 16. Geburtstag gefeiert wurde, ist es umso sinnvoller, regelmäßig einen Verkehrsübungsplatz anzusteuern. Dies vor allem, weil eine Stunde hier wesentlich günstiger ist als jede Praxisstunde in der Fahrschule. Und es macht hier einfach wesentlich mehr Spaß, weil der Realitätsgrad viel höher ist als auf Parkplatz und Co. Ein Plus auch für die Eltern: Wenn auf dem Verkehrschulplatz etwas passiert, greift die normale Kfz-Haftpflicht. Zudem ist bei den meisten Standorten im Preis eine weitere Tagesversicherung mit inkludiert.

Fazit

Ja, es lohnt sich definitiv, als straßenerfahrene Eltern seinem Teenager mehr über das Fahren beizubringen. Zwar verhindert das Gesetz beinahe jegliches Praxistraining im Straßenverkehr. Dafür aber können Eltern umso effektiver Grundlagenarbeit leisten. Das ist vielleicht nicht ganz so spaßig wie "Willst Du mal fahren?" aber wird sich spätestens beim Eintritt in die "richtige" Fahrschule bezahlt machen, wenn durch die gute Vorarbeit außer den Pflichtstunden kein weiteres Training vonnöten ist.

Bildquellen:

1) fotolia.com © Björn Wylezich

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