Hintergrund

Der E-Bike Akku – Der Benzintank des modernen Fahrrads

E-Bike Akkus haben nicht immer das beste Image. Selbst Hochleistungs-Akkus der neuesten Technologie genießen vielfach den Ruf, hinsichtlich Pflegeaufwand und Kapazität problematisch zu sein. Unzweifelhaft ist, dass sie an einem Elektrorad das teuerste Bauteil darstellen, Preise von bis zu 800 Euro sind keine Seltenheit. Jedoch besteht kein Grund, sich bei Beachtung einiger weniger Fahr-, Lade- und Lagertipps über eine korrekte Funktionsweise Sorgen zu machen. Die neueste Akku-Generation ist inzwischen leistungsstark und technisch ausgereift. Folgende Tipps sollen einen Überblick über einige Fragen und Antworten im Zusammenhang mit dem „Energietank“ bieten und mit Vorurteilen aufräumen.


Auf die Dauer hilft nur Power?

Generell gilt: Je leistungsstärker und größer der Akku und je kleiner der gewählte Unterstützungs-Grad, desto besser die Reichweite. Die Kapazität, sprich Leistung eines Akkus, bemisst sich bei den technischen Details eines Pedelecs oder E-Bikes in Wattstunden (Wh). Je höher der Wh-Wert, umso tendenziell teurer ist die Ladeeinheit – abgesehen von den Faktoren Gewicht, Lebensdauer und Ladegeschwindigkeit, die sich neben der Ladekapazität ebenfalls, wenn auch in geringerem Umfang, auf den Akku-Preis auswirken können. Kapazitäten bis 500 Wh sind heute keine Seltenheit.

Dabei bemisst sich die Höhe der Wattstunden nach der Voltstärke multipliziert mit der Zahl der Amperestunden (Ah). Da bei Elektrofahrrädern Akkus mit sehr unterschiedlichen Spannungen von 24 bis 48 Volt zum Einsatz kommen, ist die reine Angabe von Ampere-Stunden als Leistungsfaktor irreführend. Viele Händler geben als Leistungsindex lediglich den Ah-Wert an, was nicht der tatsächlichen Leistung entspricht. Auch definiert das Drehmoment (Nm) alleine nicht die Leistungsfähigkeit, sondern nur in Kombination mit der Wh-Angabe.

Gleiche Reichweite bei gleichem Wh-Wert?

Demnach lässt sich mit demselben Rad mit einem eingebauten Akku doppelter Wh-Kapazität auch doppelt so weit fahren? Weit gefehlt. Die logische Schlussfolgerung, dass zwei Pedelecs mit jeweils verbauten Akkus von identischem Wh-Wert auch die gleiche Leistung erbringen müssen, erweist sich in der Praxis als nicht haltbar. Unterschiedliche Hersteller-Systeme sind hinsichtlich Effizienz unterschiedlich und verbrauchen mehr oder weniger Strom als andere. Hier bestimmt nicht nur der Preis über die Leistungsfähigkeit einer Ladeeinheit, sondern auch die individuelle Produktqualität des Herstellers.

Hinzu kommen noch folgende Faktoren, welche die Reichweitenleistung maßgeblich beeinflussen:

  • Topografie der Wegstrecke: Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob das befahrene Terrain eben oder hügelig/bergig ist.
  • Beladung: Je höher das Körpergewicht des Fahrers, desto tendenziell geringer bemisst sich die Reichweite. Gleiches gilt auch für sonstige Zuladungen.
  • Häufigkeit an Start-Stopp-Vorgängen: Bei längeren nonstop-Wegstrecken ist die Reichweite höher als bei kürzeren Entfernungen mit häufig eingelegten Pausen.
  • Witterungsverhältnisse: Rückenwind und moderatere Außentemperaturen begünstigen höhere Akku-Reichweiten.
  • Wartung: Ausreichender Reifendruck und eine geschmierte Antriebskette lassen das Rad leichter und damit energiesparender rollen.
  • Fahrverhalten: Die gewählte Unterstützungs-Stufe sowie das Schaltverfahren bestimmen maßgeblich die Reichweite.

Schadet häufiges Nachladen der Akku-Einheit?

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Häufiges Laden verlängert sogar die Lebensdauer und sollte nach der Einfahr-Phase idealerweise nach jeder Fahrt durchgeführt werden, um eine schädliche Komplett-Entladung zu vermeiden.

Das Aufladen – ein teurer und zeitaufwendiger Spaß?

Nein, eine Aufladung kostet lediglich etwa zwischen zehn und 15 Cents. Zwischen zwei und neun Stunden müssen je nach Ladegerät und Kapazität für einen Auflade-Prozess einkalkuliert werden. (Quelle: Stiftung Warentest) Praktikabler Weise empfiehlt sich die Entnahme des Akkupacks vom Fahrrad und anschließende Aufladung an einer Steckdose über Nacht. Zu hohe oder niedrige Temperaturen verlängern den Lade-Prozess. Spezielle E-Bike Tankstellen gibt es mittlerweile in größeren Städten und an vielen Radwanderwegen und sind mit vielen gängigen Akku-Typen kompatibel.

Eine Anschaffung fürs ganze Fahrradleben?

Ein Akku ist grundsätzlich bei korrekter Pflege langlebig, verliert jedoch nach gewisser Zeit an Leistung. Heutige Akkus erlauben bis zu 1.000 Ladevorgängen und mehr, ohne an Power einzubüßen – dies ist modernster Lithium-Ionen-Technologie geschuldet, welche die älteren Blei- oder Nickel-Metallhydrid-Akkus abgelöst hat. Mehr Informationen gibt es dazu hier.

So ist der überwiegende Teil der E-Bike Akkus von heute vom Typ Lithium-Ionen. Diese gelten als besonders robust und halten ihre Ladung auch bei Nicht-Gebrauch über einen längeren Zeitraum vor, wie fahrrad.de betont.

Maßgebend für die Akku-Lebensdauer ist vor allem die Qualität des verwendeten Batterie-Management-System (BMS), das alle Abläufe im Akku regelt und insbesondere die Betriebstemperatur steuert. Bei Hitze verschleißen die Zellen schneller, die Lebensdauer sinkt. Das BMS schaltet den Antrieb ab, wenn‘s kritisch wird und schützt so den Akku vor einem drohenden Hitze-Tod.

Folgende Tipps können überdies dazu beitragen, die Lebensdauer der Ladeeinheit zu verlängern:

  • Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, Vermeiden extremer Temperaturen
  • Trockene und kühle Lagerung bei längerem Nicht-Gebrauch: Temperaturen zwischen fünf und 15 Grad sind ideal, der Speicher sollte dabei weder voll entladen noch voll aufgeladen sein. Zwischen 50 und 80 Prozent sind optimal, da sich Akkus mit der Zeit langsam von selbst entladen.
  • Aufladen bei moderaten Temperaturen im Zimmertemperatur-Bereich
  • Verwendung des originalen Ladegeräts für den Ladevorgang: Auch wenn Stecker eventuell baugleich sind, können die Spannungen differieren.
  • Kontrolle des Ladestandes alle zwei bis drei Monate

Eine latente Gefahrenquelle?

Immer wieder lässt sich von Bränden lesen, welche die Akkus eines E-Fahrrads ausgelöst haben sollen. Brände von E-Akkus kommen selbst bei Billigprodukten extrem selten vor, wenn unkorrekt damit hantiert oder daran gebastelt wurde. Solange Marken-Akkus nicht eigenständig geöffnet oder angebohrt werden, gelten heutige Produkte in punkto interner Sicherheit, Stecker und Ladegerät als robust und zuverlässig.

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(Foto: pixabay©uveX (CCO 1.0))

Brenzlig kann es grundsätzlich immer dann werden, wenn Akkus mit Schmutz und Wasser in Kontakt kommen, was beim Mountain-Biken schnell der Fall sein kann. So weist denn der erste öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Pedelecs, Ernst Brust, auf den Umstand hin, dass die ursprünglich für den Seniorenbereich entwickelte, auf Freizeitbewegung ausgelegte Technik nicht mehr für die gewachsenen Ansprüche ausgelegt ist, die von Mountainbikern und jüngeren, ambitionierten Freizeitsportlern mittlerweile an das E-Biken herangetragen werden.