Das geht - und das nicht

Reparaturen in Eigenregie

Selbst ambitionierte Heimwerker stehen heute ob der technischen Komplexität vieler Dinge rund um Haus und Hof immer vor der Zwangsfrage: Reparieren, reparieren lassen und geht das überhaupt?


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(Foto: Peter Atikins)

Ob Elektrogeräte wie Staubsauger und Waschmaschine, mechanische Hauseinbauten wie Fenster oder Türschlösser oder ganze Großleistungen wie Putz oder das Dach einer Terrasse: Reparieren oder reparieren lassen? Was Laien ohne entsprechende Ausbildung bewältigen können und was nicht zuletzt dank moderner Vertriebspolitik schlichtweg nicht repariert werden kann, das zeigt der folgende Artikel. Und er listet zudem auch eine ganze Reihe von Werkzeugen, die sich all jene kaufen sollten, die erst ganz am Anfang einer Heimwerkerkarriere stehen.

1. Sicherheit geht vor

Natürlich ist jeder Heimwerker darauf erpicht, durch Eigenleistung viel Geld zu sparen – gänzlich umgedreht wird dieser Gedankengang jedoch, wenn aus mangelnder Vorsicht und zu forscher Arbeitsweise Verletzungen resultieren. Deshalb gelten fünf "Goldene Grundregeln", die wirklich jedes Projekt, jede Reparatur und Arbeit des Heimwerkers abdecken und im Rest des Texts deshalb vorausgesetzt werden.

  1. Bei der Arbeit mit Elektrogeräten und allem, was mit Strom zu tun hat, wird der Gerätestecker gezogen oder, sofern das nicht möglich ist, im Sicherungskasten der jeweilige Bereich stromlos geschaltet.
  2. Wird im Bereich Wasser repariert, hat der Haupthahn geschlossen und das System druckfrei (Haupthahn schließen, einen Wasserhahn aufdrehen) zu sein.
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    (Foto: dima_pics)
  3. Hilfsgeräte und Werkzeuge werden ausschließlich so verwendet, wie vom Hersteller vorgesehen; der Akku einer Bohrmaschine eignet sich nicht, um Dübel in zu enge Bohrlöcher zu klopfen und Stehleitern sind nicht zum Anlehnen an Wände gedacht.
  4. Wer nicht mehr weiter weiß: Anleitung konsultieren, im Internet suchen oder einen Fachmann fragen, nicht selbständig "im Trüben" herumprobieren.
  5. "Der Teufel ist ein Eichhörnchen": Deshalb lieber immer eine zusätzliche Lichtquelle aufbauen, eine zweite Dichtung bereitlegen, alles Werkzeug griffbereit halten und immer auf alle möglichen und unmöglichen Zufälle vorbereitet sein.

2. Elektrogeräte für Küche und Co.

Kommt es zur Reparierbarkeit von diversen Gegenständen des täglichen Lebens, sind auch die besten Heimwerker ein Opfer der modernen Welt: Gibt etwa der Fernseher, das Radio, der Kühlschrank den Geist auf, haben Laien mit Lötkolben und Multimeter meist das Nachsehen, denn hier ist selbst bei hochpreisigen Geräten eine Reparatur schlicht nicht mehr vorgesehen: Wenn an einer Micro-Platine ein Kondensator oder eine Diode durchgebrannt ist (was bei den überwiegenden Schäden der Fall ist), dann kann selbst ein ausgebildeter Elektriker oft nicht mehr viel tun, außer das ganze Bauteil auszutauschen – sofern es überhaupt Ersatzteile gibt, "Geplante Obsoleszenz" ist nicht bloß eine Verschwörungstheorie. Aber, das bedeutet auch: Sofern tatsächlich Bauteile zu Baugruppen zusammengeführt wurden (und es diese einzeln zu kaufen gibt) steigt unter Umständen sogar die Reparierbarkeit.

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(Foto: jogisturtzfreq)

Diese ist beispielsweise bei Großgeräten, wie der Waschmaschine, des Öfteren gegeben, vor allem bei Markengeräten. Natürlich sind es auch in diesem Fall meist "Pfennigartikel" wie Kondensatoren, die für den Ausfall verantwortlich sind, aber da hier Reparaturen meist von den Herstellern eingeplant wurden, können auch Heimwerker eingreifen. Bestes Beispiel: Die Pumpe. Sie ist meist dafür verantwortlich, dass Wasser in der Waschmaschine steht – anstatt diese über den Abfluss zu verlassen – und lässt sich, wie es diese Anleitung zeigt, äußerst einfach austauschen, weil nur die Stecker gelöst und wenige Schrauben entfernt werden müssen.

Ähnliches gilt auch für Trockner und Spülmaschinen, also praktisch alles, wo Elektrik und Mechanik aufeinander treffen. Aber: Je größer der Anteil der elektronischen Bauteile, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass im Schadensfall nur noch der Neukauf als Option bleibt, wie diese Beispiele zeigen. Eine Ausnahme wird dem genauen Auge allerdings nicht entgehen: Moderne PCs lassen sich trotz der Abwesenheit von Mechanik vergleichsweise sehr gut reparieren, denn hier lässt sich vom Prozessor bis zum Netzteil praktisch alles nach dem Lösen von Schrauben und Steckern austauschen.

3. Ein- und Anbauten rund ums Haus

Nach diesem aus Heimwerkersicht eher niederschmetternden Kapitel nun etwas, das diesen Menschenschlag wirklich erfreuen dürfte. Ob Wandputz, Dachdämmung, Bodenbeläge oder Terrassendächer: Dort, wo nicht auf Hersteller, Ersatzteillisten und Mikroelektronik Rücksicht genommen werden muss, wo es um echte handwerkliche Fähigkeiten geht, da liegt das Revier, in dem sich Heimwerker noch vollkommen austoben können. Hier gilt folgende Regel:

Alles, was von einem Handwerker gebaut wurde, kann auch von einem Heimwerker repariert oder neu gebaut werden

Um das an einem Haus von oben nach unten zu veranschaulichen:

  • Dach entmoosen: Das funktioniert recht einfach mit einem Dampfstrahler und Bürsten, mit denen der Grünbelag entfernt wird.
  • Dachboden Dämmen: Der Speicher-Boden wird einfach mit Balken bedeckt, die der Dicke der Dämmwolle entsprechen und deren Abstand mit der Breite einer solchen Rolle korrespondiert. Anschließend wird das Dämmmaterial nur flächendeckend verlegt und dann Spanplatten auf die Balken geschraubt, um einen begehbaren Boden auf der Dämmschicht zu bekommen.
  • Elektroleitungen, Schalter und Kabel: Können bei Einhaltung von Normen und Sicherheitsregeln selbst verlegt werden: Für Unterputz-Montagen müssen die entsprechenden Kabelschächte geklopft und die Löcher für Schalter und Steckdosen mit einem Steckdosenbohrer gesetzt werden. Anschließend muss alles mit Putz oder Gips verschlossen werden.
  • Fenster: Werden im Wandausschnitt mit Keilen fixiert, sodass sie in der Waage liegen. Anschließend werden Rahmen und Mauerwerk mit Schrauben und Dübeln verbunden. Dann muss nur der Spalt zwischen Wand und Fensterrahmen mit Bauschaum abgedichtet und abschließend verputzt werden, hier ein erklärendes Video.
  • Holzböden sanieren: Dazu müssen diese mit einem Bodenschleifer von den Spuren ihres Alters befreit und anschließend mit Lack neu versiegelt oder geölt werden.
  • Klicklaminat: Muss ebenfalls nur passend zugeschnitten und verlegt werden. Falls der Boden bereits mit einem Teppich bedeckt war, kann dieser evtl. als Trittschalldämmung liegenbleiben.
  • Wasserrohre: Sind meist geschraubt und müssen ähnlich wie Stromleitungen unter Einhaltung von Normen unter Putz verlegt werden. Da auch alle Anschlüsse per Gewinde befestigt werden, gleicht das Vorgehen einem Steckbausatz.
  • Feuchte Keller: können im Außenbereich durch Freigraben, Trocknung und Abdichtung mit Bitumen trockengelegt werden, auch die Deckendämmung kann mittels Dämmplatten und Baukleber in Eigenregie realisiert werden.

Und diese Vorgehensweise zieht sich durch praktisch alles, was sich am oder im Haus befindet. Und das Beste: Für nahezu jeder denkbare Reparatur existieren erklärende Videos, Foren und helfende Artikel, die auch absoluten Laien Schritt für Schritt verständlich machen, wie es geht.

4. Werkzeug

Doch so viel wie sich am Haus in Eigenregie reparieren lässt und so viel Geld damit eigespart werden kann: Ohne vorherige umfangreiche Investitionen geht es nicht. Werkzeug ist das Einzige, was der Heimwerker wirklich immer benötigt. Und hier gilt die Maxime: Besser einmal teuer kaufen, als dreimal billig. Gerade Discounter-Werkzeug ist zwar oft sehr günstig, aber nicht für dauerhafte Einsätze geeignet und neigt zudem dazu, genau dann auszufallen, wenn es dringend benötigt wird. Deshalb kann nur jedem Einsteiger in die Heimwerkerei nahegelegt werden, lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und anständiges Werkzeug zu kaufen, als in der Summe viel mehr Geld für allzu billiges Gerät aus dem Fenster zu werfen. Übrigens: Gut muss nicht unbedingt teuer sein. Die meisten großen Baumarkt-Ketten haben diverse Eigenmarken, die preislich im unteren Mittelfeld liegen und auch ambitionierte Heimwerker langfristig zufrieden stellen. Und besonders teure Geräte, etwa Bodenschleifmaschinen, können auch gemietet werden.

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(Foto: Aycatcher)

Doch was braucht jemand, der noch nie mit Heimwerken zu tun hatte, sprich: gar kein Werkzeug sein Eigen nennt? Hier teilt sich das Werkzeug in mehrere Einsatzzwecke auf. "Universal" bedeutet in diesem Fall, dass die dort gelisteten Stücke auch bei den drei anderen Bereichen Verwendung finden können. Beispielsweise kommen bei der Montage einer Aufputz-Steckdose zwar der Elektro-Schraubenzieher und der Seitenschneider in jedem Fall zum Einsatz, aber ohne den Schlagbohrer, Schrauben und Dübel könnte die Dose nicht an der Wand befestigt werden.

Alles, was über diese Ausstattung hinausgeht, ist erst einmal als optional zu betrachten. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich allein mit diesem Grundstock alle zuvor beschriebenen Reparaturen ausführen ließen. Diese Empfehlung rüstet einen angehenden Heimwerker nur für die typischsten Fälle. Wer zum Beispiel seinen Speicher dämmen will und dazu duzende Balken sägen muss, wird dafür meist über kurz oder lang eine elektrische Säge anschaffen, anstatt sich mit dem Fuchsschwanz einen Muskelkater zu verschaffen. Und manchmal ist die Arbeitsumgebung für Ring-Schraubenschlüssel zu eng. Dann werden gekröpfte Schlüssel oder auch eine Ratsche mit entsprechenden Nüssen benötigt.

Fazit

Der Spruch vom Heimwerker, der mit gutem Werkzeug und genügend Talent absolut alles in Eigenregie reparieren kann, stimmt leider im Zeitalter von verklebten Bauteilen und schon bei der Konstruktion niemals vorgesehener Reparierbarkeit nur noch teilweise. Globalisierung und gestraffte Produktionen haben dafür gesorgt, dass bei elektronischen Geräten oft nur noch Teile für die eigentliche Produktion gefertigt werden und gar keine mehr für den Ersatzteil-Markt. Doch dort, wo mehr Mechanik verbaut wurde, steigen auch wieder die Möglichkeiten des Selbermachens. Und geht es an Arbeiten, die selbst dereinst von Handwerkern erstellt wurden, können Heimwerker wieder das tun, was sie am besten können: Kosten sparen, Spaß haben und sich unabhängiger machen.